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Hippokrates - Arzt und Ethik

Freitag, 8. August 2008

HippokratesViele seiner Vorfahren waren Ärzte, auch sein Vater war ein bekannter Mediziner, und sein erster Lehrmeister. Hippokrates war allerdings der berühmteste aus dieser Familiendynastie, noch heute, immerhin über 2000 Jahre später, ist sein Name uns vertraut. Der griechische Mediziner lebte 460 bis 370 vor Christus, überwiegend auf der Insel Kos. In Kos-Stadt steht noch heute eine Platane, unter der Hippokrates seine Schüler unterrichtet haben soll. Wie viele Ärzte seiner Zeitepoche war er nach der Ausbildung viele Jahre unterwegs, reiste durch Griechenland und Kleinasien, um zunächst sein Wissen zu erweitern und seine ärztliche Kunst zu erproben, später um seine Kenntnisse an Schüler weiterzugeben.

Heute gilt Hippokrates in Ärztekreisen als ein Gründer der Medizin als Wissenschaft. Während viele seiner Berufskollegen ihre Heilkunst mit Magie oder Religion verknüpften, setzte Hippokrates auf die Vernunft und auf eine genaue Beobachtung der menschlichen Natur. Er gestaltete Leitlinien für den Arzt als Therapeuten: Nach einer sorgfältigen Beobachtung, Befragung und Untersuchung des Patienten sollte systematisch die Diagnose gestellt und eine Therapie ausgearbeitet werden. Auch die Hygiene im weitestens Sinne war einer seiner Schwerpunkte, nicht nur beim Patienten, sondern auch bei seinen Arztkollegen. Und selbst die uns heute selbstverständliche Schweigepflicht liess er nicht unerwähnt. Sie war ihm wichtig, um Schaden von Patient und Arzt abzuhalten.

Immer noch sind zahlreiche Schriften erhalten, die er verfasst hat, um seine Erkenntnisse festzuhalten und auch anderen Medizinern, aber auch interessierten Laien zugänglich zu machen. Der „Eid des Hippokrates“ ist jedem ein Begriff. Der vor über 2000 Jahren verfasste Eid enthält allerdings viele Elemente, die nicht mehr übertragbar sind, z.B. dass ein Arzt keine Blasensteine operieren dürfe. Auch Schwangerschaftsabbruch und aktive Sterbehilfe wurden ausdrücklich untersagt. Der Text ist zwar überliefert, aber im Lauf der Zeit immer wieder angepasst worden, so dass man nicht sicher sein kann, welche Bestandteile wirklich von dem berühmten Griechen formuliert wurden.

Aber auch in dem Eid, den Mediziner heute ablegen, finden sich noch immer Elemente des Schwurs, wie er uns von Hippokrates überliefert wurde: Der Respekt vor den Lehrern, die den jungen Mediziner ausgebildet haben, die Weitergabe des eigenen Wissens an andere und die sorgfältige Behandlung der Kranken mit grosser Achtung vor der persönlichen Geschichte eines jeden. Bemerkenswert ist, dass es wohl schon damals Ärzte gab, die nur auf ihren Geldbeutel schauten und am liebsten die reichen Kranken behandelten. Warum sonst hätte Hippokrates festhalten sollen, dass ein Arzt verpflichtet ist, unabhängig vom Stand des einzelnen Patienten jedem Hilfe zu leisten und niemandem Unrecht zu tun?

Heute ist die „Genfer Deklaration des Weltärztebundes“ aus dem Jahr 1948 die aktuelle Version des früheren Eides, wenn auch juristisch für die angehenden Mediziner nicht mehr verbindlich. Darin gelobt der Arzt, sein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen, seinen Lehrern Achtung und Dankbarkeit zu erweisen, gewissenhaft zu arbeiten und die Gesundheit des Patienten als oberstes Gebot zu betrachten.

Aber nicht nur Ärzte, sondern auch Apotheker und Hebammen leisteten in vielen Ländern einen ähnlichen Eid. Der Einfluss von Hippokrates auf die Heilkunde war gross und ist es bis heute geblieben.

Bücher zum Thema:
- Die Geschichte der Medizin: Von der Antike bis zur Gegenwart
- Heilkunst: 100 grosse Ärzte und ihr Wirken

Pestalozzi - einer der ersten Pädagogen

Freitag, 16. Mai 2008

PestalozziJohann Heinrich Pestalozzi erlebte, was wir heute salopp „eine schwere Kindheit“ nennen: Als er 5 Jahre alt war, starb sein Vater und liess die Mutter und 2 Geschwister in armen Verhältnissen zurück. Ob Pestalozzi trotzdem oder gerade deswegen ein Mensch geworden ist, dem Erziehung und Bildung besonders wichtig waren, wissen wir nicht. Am 12.01.1746 in Zürich geboren, verbrachte er die Kindheits- und Jugendjahre in der Stadt an der Limmat. Als echtes Kind seiner Zeit begeisterten sich er und seine Mitschüler für die Idee der Aufklärung, deren Ziel eine Reform der politischen und sozialen Verhältnisse war. Sein Held war Jean-Jacques Rousseau. Da diese Ideen auch in der Schweiz damals nicht gefragt waren, musste Pestalozzi seine Hochschulausbildung vorzeitig beenden.

Dass er dann nicht Theologe wie der Grossvater wurde, sondern sich der Landwirtschaft widmete, wird seinem grossen Interesse für die Zürcher Kaufmannstochter Anna Schulthess zugeschrieben. Nach seiner Ausbildung erwarb er Ländereien in der Nähe von Brugg, natürlich mit Aufnahme von hohen Krediten, und heiratete seine grosse Liebe. Im Jahr 1770, ein Jahr nach der Hochzeit, kam der einzige Sohn des Paares zur Welt. Während Pestalozzi als Mensch sehr glücklich war, hatte er als Unternehmer schwere Zeiten. Nach mehreren Missernten stand er finanziell kurz vor dem Aus. Als letztes wollte er einen Versuch mit der Bearbeitung von Baumwolle wagen. Die Arbeiter waren – wie damals üblich – Kinder. Für arme Kinder gab es damals wenig Möglichkeiten um zu überleben: Stehlen oder Arbeiten hiessen die Alternativen. Pestalozzis Mitgefühl mit ihnen war gross und echt. 1771 gründete er seinen Neuhof, wo er die Kinder nicht nur arbeiten liess, damit sie überleben konnten, sondern ihnen auch ein gewisses Mass an Bildung zukommen liess. 1780 war Pestalozzi jedoch finanziell am Ende, der Hof musste aufgelöst werden.

Unbeirrt setzte er sich kritisch mit dem damaligen Schulsystem und Fragen der Erziehung auseinander, schrieb mehrere Bücher, die veröffentlicht und allmählich europaweit beachtet wurden. Insbesondere in Frankreich, das sich am Vorabend der Revolution befand, wurde Pestalozzi hoch geschätzt. 1798 machte er einen neuen Anfang in Stans, wo ihm die Leitung eines Armenhauses angeboten worden war. Auch hier versuchte er, gerade den Armen eine schulische Grundausbildung zu geben. Auch hier scheiterte Pestalozzi. Aufgeben kam aber offenbar für ihn nicht in Frage. Noch an vielen Orten versuchte er, nach seiner Überzeugung zu leben und zu arbeiten. Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung, war sein Grundsatz. Im Auftrag der Zentralregierung baute er in Burgdorf ein Schule für Lehrer auf, wo er seine Methodik weitergeben wollte. Auch dies misslang.

Nach dem Tod seiner geliebten Anna 1815 kehrte er auf den Neuhof zurück. Noch ein weiteres Buch gelang ihm, die „Lebensschicksale“. Am 17. Februar 1827 ist er gestorben, sein Grabstein trägt die Aufschrift: „Alles für andere, für sich nichts.“ Die Stadt Brugg hat ihrem berühmten Mitbürger einen Gedenkstein gewidmet, der an seiner letzten Wohnstätte an ihn erinnert. Weltweit wird Pestalozzi inzwischen als einer der Väter der Pädagogik (siehe Artikel Maria Montessori - eine Frau bewegt die Pädagogik“) anerkannt, viele Schulen, Kinderheime und Strassen tragen noch immer seinen Namen. Es hätte ihm gefallen. Und noch heute kennt jeder in der Schweiz den Spruch: „Ja, und Pestalozzi ist gestorben“, womit man unmissverständlich ausdrücken will, dass Mitleid, Mitgefühl oder gar Hilfe nicht zu erwarten sind. Ein schönes Kompliment für einen Menschen, der nie Reichtümer sein eigen nannte und sich trotz aller Misserfolge immer engagiert für die noch Ärmeren eingesetzt hat.

Bücher zum Thema:
- Pestalozzis Welt. Eine Einladung zur Erziehung
- Johann Heinrich Pestalozzi. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten

Wilhelm Conrad Röntgen - erste Blicke in den Körper

Montag, 5. November 2007

RöntgenWilhelm Conrad Röntgen wurde 27.03.1845 in Lennep, heute ein Stadtteil von Remscheid, in Deutschland geboren. Seine Kindheits- und Schuljahre verbrachte das einzige Kind eines Tuchhändlers mit seiner Familie in Utrecht in den Niederlanden. Da er wegen eines Streichs, den er gar nicht selbst begangen hatte, von der Schule verwiesen wurde, konnte er trotz guter Leistungen keine Abiturprüfung ablegen. Damit war ihm der Weg zum Studium in den Niederlanden verwehrt. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich wurde er schliesslich fündig: Diese Universität offerierte einen Zugang zum Studium auch ohne Abitur, wenn man sich einer strengen Prüfung stellte. Nachdem Röntgen seine hervorragenden Zensuren in der holländischen Schule nachweisen konnte, wurde ihm diese Prüfung erlassen und er zum Maschinenbaustudium zugelassen. Nach dessen Abschluss im Jahr 1868 folgte ein Studium der Physik. Die Stadt Zürich war ihm offenbar freundlich gesinnt. Während des Studiums lernte er die Tochter eines Gastwirtes kennen, die er 1872 zur Frau nahm. Dieser Heirat folgte eine 50jährige glückliche, wenn auch kinderlose Ehe.

Beruflich folgte er seinem Professor von Zürich bald nach Würzburg, wo das fehlende Abitur ihm wiederum Steine in den beruflichen Weg legte, da die bayerischen Gesetze keine Habilitation ohne den Abschluss dieser Prüfung erlaubte. Erst der Umzug nach Strassburg machte es 1874 möglich, sich als Dozent zu habilitieren. Dann ging es wieder zurück nach Deutschland, nach Jahren in Giessen war wiederum Würzburg die nächste Station. Da er sich jetzt habilitiert hatte, wurde ihm der Lehrstuhl für Physik angeboten, später sogar das Rektorenamt.

Längst hatte er sich mit seinen fundierten und präzisen Experimenten einen guten Ruf verschafft. Zeitgleich mit anderen Physikern beschäftigte er sich mit Kathodenstrahlversuchen. Und – wie so oft in der Forschung – entdeckte er 1895 einen Nebeneffekt: die bis dahin unbekannten „X-Strahlen“. In einer Demonstration 1986 zeigte Röntgen zum ersten Mal öffentlich seine Untersuchungsmethode und fand weltweite Beachtung. Allen Wissenschaftlern war klar, dass diese Strahlen die Naturwissenschaften, die Technik und ganz besonders die Medizin deutlich voranbringen würden. Im deutschen Sprachraum wurden diese Strahlen gegen den Willen des bescheidenen Forschers Röntgenstrahlen genannt. Röntgen selbst war der ganze Trubel um seine Person und Entdeckung eher zuviel. Er verzichtete auf ein Patent, so dass seine Strahlentechnik sehr schnell weltweit eingesetzt werden konnte. Er setzte seine Arbeit und Forschung bis zu seiner Emeritierung an der Universität von
München fort.

1901 wurde W. C. Röntgen für seine Arbeit der erste Nobelpreis für Physik verliehen, eine späte, aber angemessene Würdigung des Forschers. Wenige Jahre nach dem Tod seiner geliebten Frau erkrankte der Forscher an Darmkrebs und erlag diesem Leiden 1923. Im Familiengrab in Giessen fand er seine letzte Ruhestätte.

Bücher zum Thema:
- Wilhelm Conrad Röntgen. Aufbruch ins Innere der Materie
- Der Blick in den Menschen. Wilhelm Conrad Röntgen und seine Zeit

Emil Theodor Kocher – Chirurg und Forscher

Donnerstag, 7. Juni 2007

Emil Theodor KocherDie Deutschen haben Robert Koch (siehe auch Artikel Robert Koch und seine Revolution der Medizin), die Schweizer ihren Emil Theodor Kocher. Beide waren berühmte Ärzte, deren Arbeit für die Medizin bahnbrechend war. Und beide erhielten als Ehrung den Nobelpreis. Aber bis dahin war es ein langer Weg.

Geboren wurde Kocher 1841 als Sohn eines Ingenieurs in Bern und auch das Studium absolvierte er in seiner Heimatstadt. Studienaufenthalte in vielen europäischen Städten wie Zürich, Berlin, London und Paris brachten ihn in Kontakt mit den berühmtesten Medizinern seiner Zeit: In Zürich war Theodor Billroth sein Lehrer, in Berlin der ebenfalls berühmte Pathologe Rudolf Virchow. Nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt Bern promovierte er an der Chirurgischen Universitätsklinik von Bern, dem Inselspital. 1872 wurde er im Alter von 31 Jahren zum Professor und Direktor der Chirurgischen Klinik ernannt.

Als besonders sorgfältiger und begabter Chirurg, Forscher und Dozent machte er sich bald über die Landesgrenzen der Schweiz hinaus einen Namen. Sein bekanntestes Buch über die „Chirurgische Operationslehre“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie ernannte den berühmten Mediziner zum Ehrenpräsidenten. Und viele Patienten kamen von weit her, um sich unter sein Messer zu legen, so operierte er 1913 unter anderem die Frau Lenins.

Besonders die schwierige Operation der krankhaft vergrösserten Schilddrüse war das Spezialgebiet von Kocher. Im Laufe seines Lebens soll er 6000 Operationen an der Schilddrüse durchgeführt haben. Dabei beobachtete er, dass er zwar vielen Patienten helfen konnte, die vor der Operation durch eine vergrösserte Schilddrüse kaum noch atmen konnten. Es stellte sich aber auch heraus, dass eine sorgfältig entfernte Schilddrüse zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Gehirns und des Stoffwechsels führte. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis die Funktion der Schilddrüse, nämlich die Produktion von Hormonen zur Steuerung von Blutdruck, Körpertemperatur und Nervenzellen, erkannt wurde.

Kocher brachte die Forschung mit seinen detaillierten Schilderungen auf den richtigen Weg. Dafür erhielt er 1909 für seine Arbeit über die Physiologie, Pathologie und Operation der Schilddrüse als bislang einziger Chirurg den Nobelpreis. 1917 ist Kocher in Bern gestorben. Einer der drei Söhne Kochers überliess der Stadt Bern ein grosses Grundstück mit der Auflage, den Park öffentlich zugänglich zu machen und nach dem Vater zu benennen. Umgebend von Hochhäusern und Verkehrslärm ist der Kocher-Park auch heute noch eine stille grüne Oase, und noch immer erinnert eine Bronzebüste an den berühmten Sohn der Stadt.

Bücher zum Thema:
- Schilddrüse: Das unterschätzte Organ
- Wirksame Hilfe für die Schilddrüse

Henry Dunant - aus einer Vision wird Wirklichkeit

Dienstag, 31. Oktober 2006

henrydunant„Inmitten der Waffen Menschlichkeit - Durch Menschlichkeit zum Frieden“, das war die Idee, die Henry Dunant verfolgte. Wie er dazu kam, ist eine spannende Geschichte. Im friedlichen Genf wurde er am 08.05.1828 als Sohn einer bürgerlichen Familie geboren. Schon früh entwickelte er einen weiten Horizont und arbeitete in einer Organisation, die der Landwirtschaft in Algerien, das von Frankreich besetzt worden war, auf die Sprünge helfen sollte. Eine Auseinandersetzung mit der dortigen Verwaltung brachte ihn zu dem Entschluss, sich mit einem Empfehlungsschreiben direkt an den französischen Kaiser Napoleon III. zu wenden, der im Juni 1859 in Norditalien Krieg gegen die Österreicher führte.

Auf dieser Reise zum französischen Kaiser wurde Dunant am 24.06.1859 Augenzeuge der Schlacht von Solferino, die beinahe 40 000 Tote und hilflose leidende Verwundete zurückliess. Was für die Soldaten alltägliches Grauen war, versetzte ihm einen Schock: Es gab nicht genügend Ärzte, Pfleger, Medikamente, Instrumente. Viele Verwundete konnten deshalb nicht gerettet werden, obwohl Dunant freiwillige Helfer organisierte, die den Verwundeten helfen sollten ohne Ansehen der Nationalität. Auch die Bergung und Bestattung der Toten gehörte zu den Aufgaben der Hilfsbereiten.

Unter dem tiefen Eindruck dieses Erlebnisses veröffentlichte Dunant im Oktober 1862 seine „Erinnerung an Solferino“, in dem er ein internationales Abkommen zum Schutz der Opfer von Kriegen fordert. Auch die Ausbildung von freiwilligen Helfern, die in Katastrophenfällen eingesetzt werden können, wird darin vorgeschlagen. Das Buch verbreitete sich rasch und fand breite Unterstützung, auch in einflussreichen Kreisen. Am 17.02.1863 gründete Dunant mit zwei Ärzten, einem Juristen und einem General in Genf das „Komitee der Fünf“ mit dem Ziel, eine internationale Organisation zu entwickeln. Schon im Oktober desselben Jahres trafen sich Abgesandte von 14 Ländern in Genf und unterzeichneten die Gründungsurkunde des Roten Kreuzes. Wichtig waren den Gründern vor allem drei Anliegen:
Jedes Opfer eines Krieges hat ein Recht auf medizinische Behandlung ohne Ansehen seiner Nationalität.
Weltweit sollen Hilfsorganisationen für die Versorgung der im Krieg Verletzten geschaffen werden.
Inmitten von kriegerischen Auseinandersetzungen soll die Versorgung von Verwundeten und Gespräche der Kriegsparteien in einem neutralen, geschützten Raum stattfinden.

Es hat noch Jahrzehnte gedauert, bis aus dem Entsetzen und der Vision des Henry Dunant das Internationale Rote Kreuz und der Rote Halbmond mit ihren nationalen Organisationen gewachsen waren. Auch die Entstehung des internationalen Völkerrechts hat Dunant nicht mehr erlebt, im 20. Jahrhundert ist aus diesen Anfängen die UNO geworden. Durch einen Finanzskandal zum Rückzug aus allen Ämtern gezwungen, reiste Dunant fast 20 Jahre durch Europa, ohne beruflich oder finanziell wieder Fuss fassen zu können. In Heiden, einem Dorf in der Nordostschweiz, verbrachte er seine letzten 23 Lebensjahre. 1901 erhielt Henry Dunant eine späte Ehrung, den Friedensnobelpreis, 1910 ist er gestorben. Wer sich auf die seine Spuren begeben möchte, kann in Heiden an einem geführten Rundgang durch den Ort teilnehmen und anschliessend das weltweit einzigen Dunant-Museum besuchen. Auch Dunants Geburtsstadt Genf hat ihrem berühmten Sohn eine sehenswerte Dauerausstellung im Musee International de la Croix-Rouge eingerichtet.

Bücher zum Thema:
- Der Zeitreisende. Die Visionen des Henry Dunant
- Dunant
- Menschlichkeit für alle. Die Weltbewegung des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes

Links zum Thema:
-http://www.dunant-museum.ch/
-http://www.micr.ch
-http://www.redcross.ch
-http://www.roteskreuz.at
-http://www.drk.de/

Frédérick Leboyer - sanfte Revolution für Mutter und Kind

Montag, 17. Juli 2006

LeboyerSchwangerschaft und Geburt – das war früher ausschliesslich ein Thema der Frauen. Hilfe und Unterstützung bekamen sie von ebenfalls weiblichen Geburtshelfern. Als die Entdeckungen der Wissenschaftler im 19. Jahrhundert die Medizin auf den Kopf stellten, übernahm der Arzt die wichtigste Rolle, die Hebammen verloren an Wert und Einfluss. Die Narkose machte auch komplizierte chirurgische Eingriffe wie einen Kaiserschnitt möglich, Bakterien wurden als Krankheitserreger identifiziert und damit auch die Ursache der hohen Sterblichkeit von Müttern kurz nach der Entbindung gefunden. Eigentlich ein grosses Glück für alle Mütter und Kinder, sollte man meinen. Die Schattenseite dieser Entwicklung wurde lange übersehen.

Die Geburt fand fast ausschliesslich in der Klinik statt und wurde automatisiert, um dem Arzt seine „Arbeit“ zu erleichtern: Grelles Licht, aseptische, kalte Fliesen, laute Geräusche und praktische Lagerung der werdenden Mutter, nicht für ihre Bequemlichkeit oder nach ihrem Bedürfnis, sondern um dem Arzt eine einfache Kontrolle über den Geburtsvorgang zu ermöglichen. Lief eine Geburt nicht nach Plan, wurde schnell eine Wehen anregendes Medikament gegeben, eine Narkose eingeleitet, zur Zange oder zum Skalpell gegriffen. Nach der Geburt wurde das Baby an den Füssen gepackt und bekam mit dem Kopf nach unten hängend einen Klaps auf den Rücken. Wenn es dann voller Angst und Schmerz zu schreien begann, waren alle zufrieden: „Es lebt und atmet…“ Rasch wurde es abgenabelt, um gewaschen, untersucht, vermessen und gewogen zu werden. Erst einige Minuten später wurde der Mutter das saubere, angekleidete Baby in den Arm gelegt. Der Vater war von der ganzen Prozedur selbstverständlich ausgeschlossen.

Erst vor 30 Jahren kam die Kehrtwende: Fréderick Leboyer, am 22.06.1915 in Frankreich geboren, arbeitete lange Jahre als Frauenarzt und Geburtshelfer in einer Pariser Klinik. Sein Buch „Geburt ohne Gewalt“ erschien 1975 und löste eine Revolution aus. Leboyer versuchte, sich in das ungeborene Kind einzufühlen. Wie erlebt es den Eintritt in die Welt, unmittelbar nach der Wärme und Geborgenheit im Bauch der Mutter? Leboyer war der Meinung, dass die Bedingungen einer Krankenhausgeburt dazu beitrugen, Mutter und Kind einen Schock zu versetzen. Wie sollte der kleine Mensch sich da willkommen fühlen und wie die Mutter ein Gefühl der Liebe zum Kind entwickeln, wenn es ihr unmittelbar nach der Geburt entrissen wird?

Leboyer forderte mehr Respekt vor dem natürlichen Ereignis der Geburt und ein behutsames, einfühlsames Umgehen mit Mutter und Kind, um dem Baby einen sanfteren Anfang ausserhalb des Mutterbauches zu ermöglichen. Heute können Eltern die Geburt ihres Kindes sehr viel individueller gestalten. Die Väter gehören von Anfang an dazu. Eine Geburt im Liegen, im Sitzen, im Wasser oder zuhause ist möglich. Die Hebamme gewinnt wieder an Bedeutung und begleitet häufig alleine die Eltern während der Geburt. Der Arzt nimmt nicht mehr die wichtigste Position ein, sondern das Bedürfnis von Mutter und Kind. „Sanfte Geburt“ nennt Leboyer diesen Vorgang, womit er nicht ein Gebären ohne Schmerzen meint, sondern ein Umfeld, welches der Mutter ein tiefes Erleben von Glück ermöglicht. Studien haben klar bewiesen, dass eine Mutter, der unmittelbar nach der Geburt ihr Baby auf den Bauch oder an die Brust gelegt wurde, eine tiefe Beziehung zu ihrem Baby entwickeln kann. Ist sie durch eine Narkose betäubt oder bekommt ihr Baby nicht sofort nach der Entbindung in die Arme gelegt, wird dieser Vorgang empfindlich gestört, was drastische Folgen für Mutter und Kind haben kann.

Noch etwas haben wir Leboyer zu verdanken: Während vieler Aufenthalte in Indien lernte er einen ganz anderen Umgang mit Mutterschaft und Geburt kennen. Auch Yoga, damals im Westen noch fast unbekannt, und die traditionelle Baby-Massage gehörten dazu. 1977 erschien sein zweites Buch „Sanfte Hände“. Nach Leboyers Auffassung gehören zur Babynahrung auch die Streicheleinheiten. Nicht nur der Bauch will gefüllt werden, das Baby hat auch Hunger nach Berührungen. Es geht nicht nur um das angenehme Streicheln und Gestreicheltwerden, sondern um einen nonverbalen Dialog zwischen Mutter und Kind. Heute gehören die Bücher von Leboyer zu den Klassikern, und Kurse zum Erlernen der Massage nach indischem Vorbild werden überall angeboten und sind sehr beliebt, bei Müttern und Kindern.

Bücher zum Thema:
- Sanfte Hände. Die traditionelle Kunst der indischen Baby-Massage
- Geburt ohne Gewalt

Maria Montessori - eine Frau bewegt die Pädagogik

Freitag, 31. März 2006

mariamontessoriSie muss eine ungewöhnliche Frau gewesen sein: Maria Montessori. Am 31.08.1870 wurde sie in Chiaravalle bei Ancona/ Italien geboren. Schon ihre Berufswahl hat Ende des 19. Jahrhunderts sicherlich für viel Aufsehen gesorgt: sie wurde nach Abschluss ihres Medizinstudiums 1896 die erste Ärztin Italiens. Von Anfang an lagen ihr die Entwicklung und Erziehung von Kindern besonders am Herzen.

Nach den ersten Berufsjahren in einer Praxis übernahm sie 1900 die Leitung eines Instituts, das Lehrer für behinderte Kindern ausbildete. Hier entwickelte sie aus eigener Beobachtung und Erfahrung mit Kindern ihre Methode, die mit der damaligen Kindererziehung nicht mehr viel gemeinsam hatte. Sie intensivierte ihre eigene Ausbildung mit den Studiengängen Pädagogik, Anthropologie und Psychologie. Danach widmete sie sich ganz der Erziehung und eröffnete in Roms Arbeiterviertel San Lorenzo 1907 die „Casa dei Bambini“, ein Haus zur Betreuung von verwahrlosten Kindern.

Diesem ersten Kinderhaus folgten bald weitere, auch Schulen wurden gegründet, die mit der Montessori-Pädagogik arbeiteten. Vor allem in Italien, England, Amerika und in der Schweiz fand ihre Methode grosses Interesse, überall wurden Kindergärten, Schulen und Ausbildungszentren gegründet. Sie gab den Beruf als Ärztin auf, um sich ganz der internationalen Verbreitung ihrer Methode zu widmen. Nach ihrer Überzeugung ist jedes Kind von Anfang an ein selbstständiges Wesen, das lernen will, sowie über Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit verfügt. Die Aufgabe des Pädagogen sah sie darin, ein Partner des Kindes zu sein und eine Auswahl an Spielsachen und Lernwerkzeugen zu treffen, die dem Entwicklungsgrad des Kindes entsprechen. Das Kind sollte selbst auswählen, was sein Interesse weckt und womit es sich beschäftigen möchte. Montessori beobachtete, dass jedes Kind verschiedene, von ihr „sensible Phasen“ genannte Entwicklungsstufen durchläuft, in denen es besonders aufgeschlossen für Neues ist.

Die Methode von Maria Montessori muss zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Revolution gewesen sein, wenn man die damalige Erziehung von Kindern betrachtet. Gehorsam und Unterordnung waren wichtig und wurden mit strengen Vorgaben und Prügelstrafen durchgesetzt. Im Gegensatz dazu wollte Montessori dem Kind mehr Spielraum lassen für die eigene, individuelle Entwicklung. Die natürliche Neugierde und Motivation sollten über den Kindergarten und die Schule hinaus gefördert und erhalten werden. Obwohl die Kinder in einer Montessori-Einrichtung viel Freiheit hatten, herrschte dort zur Überraschung der zahlreichen Skeptiker kein Chaos. Die Kinder nahmen Rücksicht aufeinander und verhielten sich sozial adäquat. Die aufgestellten Regeln für den Umgang miteinander und mit den Materialien wurden respektiert. Die Atmosphäre war ruhig und entspannt, die Pädagogen beobachteten das Kind und leiteten es an, machten ihm aber keine Vorschriften, wann es was und wie machen sollte.

Für Maria Montessori waren nach den ersten Erfolgen die Auseinandersetzungen aber noch nicht vorbei. Der aufkommende Faschismus in Italien und Deutschland führte 1933 und 1934 zu einer Schliessung der Montessori-Kindergärten und –Schulen. Sie entschloss sich, Europa zu verlassen und setzte ihre Arbeit von Indien aus fort. Erst nach Kriegsende kehrte sie wieder nach Europa zurück und hielt zahlreiche Vorträge, um möglichst viele Menschen von ihrer Methode zu überzeugen. Auch ihre zahlreichen Publikationen führten zu weltweiter Beachtung und Verbreitung. Am 06.05.1952 schloss sich in den Niederlanden der Lebenskreis von Maria Montessori. Ihre Pädagogik geniesst immer noch hohes Ansehen, nicht nur in den Einrichtungen, die ihren Namen tragen. Montessori-Kindergärten und –schulen sind weltweit in allen grösseren Städten zu finden. Damit hat sie das erste Erziehungssystem begründet, das nicht landestypisch geprägt ist, sondern überall auf derselben Methode basiert.

Bücher zum Thema:
- Lieben, ermutigen, loslassen - Erziehen nach Montessori
- Das Montessori-Elternbuch
- 10 Grundsätze des Erziehens
- Maria Montessori. Leben und Werk

Links zum Thema:
-http://www.montessori-austria.at/
-http://www.montessori-vereinigung.de/
-http://www.montessori-gesellschaft.de/
-http://www.montessori-ams.ch/

Alfred Vogel - der kleine Doktor

Mittwoch, 25. Januar 2006

alfredvogelIn seiner Heimat, der Schweiz, ist er sehr bekannt und zählt zu den Pionieren der Naturheilkunde. 1902 wurde er in Aesch bei Basel geboren und in der Stadt Basel führte er ein eigenes Reformhaus und publizierte eine Monatszeitschrift. Nach einigen Jahren war ihm das nicht mehr genug. In Teufen baute er sein Lebenswerk auf. In seiner Naturarztpraxis behandelte er nicht nur seine Patienten, sondern stellte auch eigene Präparate her. Damals war es noch üblich, Kräutern erst zu trocknen und dann zu verarbeiten. Alfred Vogel ging einen anderen Weg: er entdeckte und entwickelte seine Medikamente aus Frischpflanzen, damals etwas ganz Neues.

Durch Reisen in die ganze Welt und eigene Forschung lernte er viele, in Europa noch unbekannte Naturheilmittel kennen, die er dann in seinem Zentrum kultivierte und verarbeitete. Ihm ist es auch zu erdanken, dass heute fast jedem der Purpursonnenhut (siehe auch Artikel Echinacea), geläufig ist. Auf einer Reise durch die USA in den 50er Jahren machte Vogel die Bekanntschaft eines Ureinwohners namens Black Elk. Häuptling und Naturarzt wurden gute Freunde. Vogel war sehr beeindruckt vom Wissen der Ureinwohner Nordamerikas über die Heilkraft der Pflanzen und bekam vor seiner Rückkehr nach Europa Echinacea-Samen geschenkt. Diese Samen bildeten die Basis einer grossen Pflanzenzucht und der Entwicklung eines Präparats, das heute überall bekannt ist: Echinaforce®. Das bewährte Präparat wird inzwischen seit 50 Jahren hergestellt und hat nichts von seiner Wirksamkeit und Beliebtheit verloren.

Seine Neugierde und Aufgeschlossenheit muss sehr gross gewesen sein, der Erfolg mit seinen Frischpflanzenprodukten war es auch. Schon bald reichte der Platz in Teufen nicht mehr für die benötigte Produktion aus. 1963 gründete Vogel deshalb in Roggwil die Bioforce AG. Dass dort inzwischen jährlich 300 Tonnen Frischpflanzen geerntet und verarbeitet werden, hat sich der Naturarzt anfangs sicher nicht träumen lassen. Aber auch heute noch gelten die strengen Massstäbe, die Alfred Vogel festgelegt hat, was den eigenen biologischen Anbau, die möglichst rasche Verarbeitung und hohe Qualität seiner Medikamente angeht.

Neben seiner Arbeit als Naturarzt und Forscher fand Alfred Vogel immer wieder Zeit für eigene Publikationen. Bereits 1952 erschien das Buch „Der kleine Doktor“, inzwischen ein Standardwerk der Naturheilkunde. In 12 Sprachen wurde es inzwischen übersetzt und mehr als 2 Millionen Mal verkauft, das spricht für sich. Und noch heute erscheint monatlich das Magazin „A. Vogel Gesundheits-Nachrichten“, das er begonnen und jahrzehntelang selbst betreut hat.

Besonders wichtig war ihm immer die Eigenverantwortung eines jeden für die eigene Gesundheit. Dies beschreibt er in einem schönen Bild: Ein Arzt oder Therapeut ist wie ein Bergführer: er geht einige Schritte voran, aber tragen wird er den Patienten nicht. Für seine Arbeit hat Alfred Vogel zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Im hohen Alter von 94 Jahren ist er 1996 verstorben. Der A.-Vogel-Wissenschaftspreis für Forschungsarbeiten, der jährlich vergeben wird und mit 10 000 Franken dotiert ist, erinnert an das Lebenswerk des Naturheilkunde-Pioniers.

Bücher zum Thema:
- Der kleine Doktor
- A. Vogel Aktiv gegen Rheuma
- Das A. Vogel Venen-Buch
- Die Leber als Regulator der Gesundheit
- Krebs. Schicksal oder Zivilisationskrankheit?
- Die frische Welt der Heil- und Küchenkräuter

Links zum Thema:
- http://www.avogel.ch/

Hildegard von Bingen - Medizin aus dem Kloster

Mittwoch, 21. Dezember 2005

hildegardNur wenige Menschen aus dem Mittelalter sind uns heute noch namentlich bekannt, Hildegard von Bingen gehört dazu. Schon zu Lebzeiten erlangte die später heiliggesprochene Hildegard aus der Gegend um Bingen am Rhein grosse Berühmtheit. Als zehntes Kind einer adeligen Familie 1098 in Rheinhessen geboren, wurde sie mit 8 Jahren zur Erziehung in das Kloster auf dem Disibodenberg gegeben, wie es damals üblich war. Mit 16 Jahren trat Hildegard in den Benediktinerorden ein. Nach dem Tod der Leiterin übernahm Hildegard dieses Amt. Einige Jahre später verliess sie das Kloster, um ihr erstes eigenes Kloster zu gründen, das Haus auf dem Rupertsberg. Dort hat sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1179 gelebt und gearbeitet. Eine zweite Klostergründung folgte später in Eibingen bei Rüdesheim, dieses Haus betreute sie vom Rupertsberg aus mit häufigen Besuchen.

Schon als Kind hatte Hildegard Visionen, die sie später schriftlich festhielt. In der kirchlichen Welt war sie als Prophetin anerkannt, mehrere prophetische Bücher wurden von ihr geschrieben. Zu zahlreichen Liedern hat sie Texte und Noten verfasst, ausserdem ein Mysterienspiel. Neben ihrer Arbeit als Äbtissin fand sie noch Zeit für einen intensiven Briefwechsel mit Papst und Kaiser, Reisen und öffentliche Vorträge waren ihr ebenso wichtig. Sie muss eine sehr eindrucksvolle, umfassend gebildete und kluge Frau gewesen sein.

Immer betonte Hildegard die Einheit und Ganzheit von Mensch und Umwelt. Schon vor 1000 Jahren hat sie damit Krankheit als Ungleichgewicht, Gesundheit als Gleichgewicht der Seele definiert. In ihren Büchern „Physica“ (Naturkunde) und „Causae et Curae“ (Die Ursachen und Behandlung von Krankheiten) beschreibt sie unter anderem ihre feste Überzeugung, dass eine geordnete Lebensführung zur Gesundheit beiträgt. In intensiven Studien suchte und fand Hildegard viele Hundert Pflanzen, deren Extrakte bei den verschiedensten Erkrankungen von Nutzen waren. Wissenschaftlich erforschte und notierte sie ihre Erkenntnisse, die uns heute noch zum Teil überliefert sind. Auch ein Kapitel über Elemente, Metalle und Steine enthält das Buch.

Durch ihre Kenntnisse und Hilfsbereitschaft wurde Hildegards Kloster auf dem Rupertsberg zu einem Anziehungspunkt für kranke und hilfesuchende Menschen, besonders unter der armen Bevölkerung. In der römisch-katholischen Kirche wird Hildegard von Bingen noch heute als Heilige verehrt, am 17. September, ihrem Todestag, wurde ihr Gedenktag eingerichtet. Für unzählige Botaniker, Zoologen und Mediziner ist sie eine Mitbegründerin der Naturwissenschaften.

Aber die tiefsten Spuren hat Hildegard als Heilkundige hinterlassen. Nach vielen Jahren der reinen Symptombehandlung kehrt die heutige Medizin wieder zu dem zurück, was Hildegard vor 800 Jahren schon erkannt und formuliert hat: der Mensch ist eine Einheit aus Körper und Seele. Sicher hätte es sich die kluge Äbtissin niemals träumen lassen, dass sie heute als erste ganzheitliche Medizinerin anerkannt ist. In den letzten Jahren wurden ihre Schriften wieder intensiv gelesen und zahlreiche Bücher mit ihren Empfehlungen zur gesunden Lebensweise und Heilung von Krankheiten verfasst. Es gibt Freundeskreise, Vereine, Kurhäuser, Gesundheitsschulen und Naturkostgeschäfte, die ihren Namen tragen. Unzählige Naturprodukte von der Wickelpackung bis zum Tee, Gewürze, Dinkelteigwaren und Kräuterweine werden heute hergestellt und in Naturläden oder über Online-Shops vertrieben. Auch die Edelsteintherapie nach Hildegard von Bingen ist heute sehr gefragt. Wer sich intensiver mit dieser starken Persönlichkeit auseinandersetzen möchte, findet Bücher über alle die Themen, die Hildegard schon vor langer Zeit beschäftigt haben.

Bücher zum Thema:
- Hildegard-Heilkunde von A-Z
- Das Hildegard von Bingen-Kochbuch
- Hildegard-Medizin für alle Tage
- Grosse Hildegard-Apotheke

Robert Koch und seine Revolution der Medizin

Dienstag, 4. Oktober 2005

Robert KochWir kennen sein Bild: ein grauhaariger Herr mit Brille und Bart. Er wirkt sanft, hat aber die Medizin seines Jahrhundert revolutioniert. Als er am 11.12.1843 in eine Bergmannsfamilie aus Clausthal-Zellerfeld im Harz mit insgesamt 13 Kindern hineingeboren wurde, ahnte noch niemand, dass der Name Robert Koch einmal überall auf der Welt bekannt sein würde.

Nach seiner Promotion und dem Staatsexamen arbeitete Koch zunächst in Wollstein (dem heutigen Wolstyn in Polen) als Landarzt, forschte intensiv an der Züchtung und Färbung von Bakterien mit anschließenden Tierversuchen. 1876 gelang ihm sein erster großer Wurf: die Entdeckung, dass die gefürchtete Krankheit Milzbrand durch einen lebenden Erreger hervorgerufen wurde. Es war eine Sensation!

1880 wurde er deshalb aus der Provinz nach Berlin an das Kaiserliche Gesundheitsamt berufen. Hier hatte er die Möglichkeit, seine Forschungen auszubauen. Zwei technische Neuerungen halfen ihm bei seiner Arbeit. Das Mikroskop war zwar schon im 17. Jahrhundert erfunden worden, aber der deutsche Forscher war einer der ersten, der es zur Entdeckung von Infektionskrankheiten zu nutzen wusste. Auch die Fotographie bezog Koch in seine Arbeit mit ein, um das Gefundene auch dokumentieren und verbreiten zu können. Die Desinfektion von Flächen und Instrumenten bekam von Robert Koch ebenfalls einen entscheidenden Impuls: er fand heraus, dass die bis dahin verwendete Karbolsäure weniger wirksam bei der Abtötung von Keimen war als einfacher, heißer Wasserdampf.

Am 24.03.1882 hielt er einen Vortrag über die ‚Ätiologie der Tuberkulose’, nachdem er den Krankheitserreger im Mikroskop entdeckt hatte. Die Tuberkulose war damals eine gefürchtete Krankheit und eine wirkungsvolle Behandlung nicht bekannt. War ein Mitglied der Familie an der Seuche erkrankt, infizierten sich oft auch die übrigen Angehörigen rasch, da man über die Ausbreitung und Ursache keine Kenntnisse hatte. Kochs Entdeckung war deshalb eine Revolution, die ihn weltweit bekannt machte. Endlich war man dieser Seuche nicht mehr ratlos und hilflos ausgeliefert, sondern kannte die Ursache, die Zusammenhänge und auch die Möglichkeit, sie einzudämmen. Kochs Traum von einer Impfung gegen diese Volkskrankheit ging nicht in Erfüllung, trotzdem hat er unzähligen Menschen das unvermeidliche Schicksal einer schweren Krankheit und eines qualvollen, oft sehr frühen Todes ersparen können.

In den folgenden Jahren leitete Koch einige wissenschaftliche Expeditionen, 1883 war er zur Erforschung der Cholera in Ägypten und Indien unterwegs. Auch dort war seine Arbeit erfolgreich, der Keim der Krankheit konnte von ihm gefunden werden. Er entdeckte außer den krankmachenden Bakterien noch den Zusammenhang zwischen schlechter Ernährung und verseuchtem Trinkwasser mit der Infektion, was uns heute eine Selbstverständlichkeit ist. Seine Arbeit kam zahlreichen Hamburger Bürgern zugute, als 1892 eine Cholera-Epidemie in der Stadt ausbrach und dank der neuesten Forschung bald eingedämmt werden konnte.

Die wissenschaftliche Abteilung des ‚Königlich Preußischen Instituts für Infektionskrankheiten’ wurde 1891 eröffnet und von Professor Robert Koch als Direktor bis 1904 geleitet. Heute trägt das Institut den Namen des berühmten Forschers und wird von der deutschen Bundesregierung betrieben, um Infektionskrankheiten zu erkennen, zu verhüten und zu bekämpfen. Das dort etablierte, bundesweite Meldesystem über Infektionskrankheiten gilt international als vorbildlich. Und das Forschungszentrum ist wie zu Robert Kochs Zeiten eine Institution von Weltruf geblieben, die ständig mit der WHO, der Weltgesundheitsorganisation der UN, zusammenarbeitet.

Koch blieb zeitlebens der Bakteriologie verbunden, die er mitbegründet und große Schritte vorangebracht hatte. Tierseuchen interessierten ihn ebenso wie die damals weit verbreiteten Krankheiten Malaria und Schlafkrankheit, deren Übertragungswege noch nicht bekannt waren. Für seine Verdienste bei der Erforschung der Tuberkulose erhielt Robert Koch 1905 den Nobelpreis. Am 27.05.1910 ist er bei einem Kuraufenthalt in Baden-Baden gestorben. Auf seinen Wunsch hin wurde er eingeäschert, seine Urne befindet sich heute im Mausoleum des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Wir alle verdanken Robert Koch viel. Nicht nur die Entdeckung der Erreger vieler Infektionskrankheiten ist sein Verdienst, er hat auch Generationen von Forschern angeregt, in seine Fußstapfen zu treten und seine Arbeit fortzuführen.

Bücher zum Thema:
- Robert Koch
- Basiswissen Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie
- Die kommenden Plagen