Hippokrates - Arzt und Ethik
Christa Becker | Freitag, den 8. August 2008
Viele seiner Vorfahren waren Ärzte, auch sein Vater war ein bekannter Mediziner, und sein erster Lehrmeister. Hippokrates war allerdings der berühmteste aus dieser Familiendynastie, noch heute, immerhin über 2000 Jahre später, ist sein Name uns vertraut. Der griechische Mediziner lebte 460 bis 370 vor Christus, überwiegend auf der Insel Kos. In Kos-Stadt steht noch heute eine Platane, unter der Hippokrates seine Schüler unterrichtet haben soll. Wie viele Ärzte seiner Zeitepoche war er nach der Ausbildung viele Jahre unterwegs, reiste durch Griechenland und Kleinasien, um zunächst sein Wissen zu erweitern und seine ärztliche Kunst zu erproben, später um seine Kenntnisse an Schüler weiterzugeben.
Heute gilt Hippokrates in Ärztekreisen als ein Gründer der Medizin als Wissenschaft. Während viele seiner Berufskollegen ihre Heilkunst mit Magie oder Religion verknüpften, setzte Hippokrates auf die Vernunft und auf eine genaue Beobachtung der menschlichen Natur. Er gestaltete Leitlinien für den Arzt als Therapeuten: Nach einer sorgfältigen Beobachtung, Befragung und Untersuchung des Patienten sollte systematisch die Diagnose gestellt und eine Therapie ausgearbeitet werden. Auch die Hygiene im weitestens Sinne war einer seiner Schwerpunkte, nicht nur beim Patienten, sondern auch bei seinen Arztkollegen. Und selbst die uns heute selbstverständliche Schweigepflicht liess er nicht unerwähnt. Sie war ihm wichtig, um Schaden von Patient und Arzt abzuhalten.
Immer noch sind zahlreiche Schriften erhalten, die er verfasst hat, um seine Erkenntnisse festzuhalten und auch anderen Medizinern, aber auch interessierten Laien zugänglich zu machen. Der „Eid des Hippokrates“ ist jedem ein Begriff. Der vor über 2000 Jahren verfasste Eid enthält allerdings viele Elemente, die nicht mehr übertragbar sind, z.B. dass ein Arzt keine Blasensteine operieren dürfe. Auch Schwangerschaftsabbruch und aktive Sterbehilfe wurden ausdrücklich untersagt. Der Text ist zwar überliefert, aber im Lauf der Zeit immer wieder angepasst worden, so dass man nicht sicher sein kann, welche Bestandteile wirklich von dem berühmten Griechen formuliert wurden.
Aber auch in dem Eid, den Mediziner heute ablegen, finden sich noch immer Elemente des Schwurs, wie er uns von Hippokrates überliefert wurde: Der Respekt vor den Lehrern, die den jungen Mediziner ausgebildet haben, die Weitergabe des eigenen Wissens an andere und die sorgfältige Behandlung der Kranken mit grosser Achtung vor der persönlichen Geschichte eines jeden. Bemerkenswert ist, dass es wohl schon damals Ärzte gab, die nur auf ihren Geldbeutel schauten und am liebsten die reichen Kranken behandelten. Warum sonst hätte Hippokrates festhalten sollen, dass ein Arzt verpflichtet ist, unabhängig vom Stand des einzelnen Patienten jedem Hilfe zu leisten und niemandem Unrecht zu tun?
Heute ist die „Genfer Deklaration des Weltärztebundes“ aus dem Jahr 1948 die aktuelle Version des früheren Eides, wenn auch juristisch für die angehenden Mediziner nicht mehr verbindlich. Darin gelobt der Arzt, sein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen, seinen Lehrern Achtung und Dankbarkeit zu erweisen, gewissenhaft zu arbeiten und die Gesundheit des Patienten als oberstes Gebot zu betrachten.
Aber nicht nur Ärzte, sondern auch Apotheker und Hebammen leisteten in vielen Ländern einen ähnlichen Eid. Der Einfluss von Hippokrates auf die Heilkunde war gross und ist es bis heute geblieben.
Bücher zum Thema:
- Die Geschichte der Medizin: Von der Antike bis zur Gegenwart
- Heilkunst: 100 grosse Ärzte und ihr Wirken
Christa Becker | Freitag, den 8. August 2008
Veröffentlicht in Biographien
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