Zitrone - sauer und gesund
Christa Becker | Freitag, den 20. Juni 2008
In Zentralasien standen die ersten Zitronenbäume, lange vor unserer Zeit. Erst die Kreuzzüge brachten nach Europa, was für uns ein typischer Baum des Mittelmeerraumes ist. Aber wie die Menschen des Altertums sind wir immer noch fasziniert von den zierlichen Bäumen, die bei optimalen Bedingungen ganzjährig reife Früchte und gleichzeitig duftende Blüten tragen. Damit ist der Baum auch für die Botaniker eine Rarität. Die meisten Früchte für den europäischen Bedarf werden heute in Spanien und Italien angebaut. Das „Land, wo die Zitronen blühen“, ist also seit Goethe immer noch dasselbe. Noch im Mittelalter war die Zitrone ausschliesslich ein Heilmittel gegen Entzündungen und Infekte. Die Seefahrer des 18. Jahrhunderts entdeckten neben bisher unbekannten Welten, dass gegen den Skorbut, eine gefürchtete Krankheit auf den langen Reisen, ein Mittel gewachsen war. Wer Zitronensaft zu sich nahm, blieb gesund, bei den anderen kam es zu Entzündungen des Zahnfleischs, Gelenkschmerzen, Schwäche und Apathie. Die Fürsten Europas schätzten die Zitrone ebenfalls, allerdings mehr als Statussymbol. Jeder gut situierte Regent liess sich einen Wintergarten bauen, und bestellte jenseits der Alpen die begehrten Zitrusbäume, die den Sommer über als Kübelpflanze im Freien standen und im Winter in der Orangerie vor Frost Schutz fanden. Manche dieser Glashäuser sind auch heute noch zu besichtigen.
Viele Pflanzenfreunde haben schon Versuche gemacht mit selbst gezogenen Zitrusbäumchen. Ein möglichst unversehrter Kern in einen Blumentopf mit Erde geben, leicht mit Erde bedecken und immer gut feucht halten, das ist das ganze Geheimnis. Die Chancen, dass aus dem Kern ein langjähriger grüner Freund wird, stehen gut. Mit Blüten und Früchten sieht es allerdings anders aus: Diese lassen entweder lange Jahre auf sich warten oder bleiben ganz aus, weil die meisten Zitrusfrüchte nur nach einer komplizierten Veredelung entstehen.
Aber nun zu den inneren Werten: Heute wissen wir, dass die oberste Schicht der Schale Öle und Pektin enthält, der Saft hingegen reichlich Vitamin C, Eisen und andere Mineralstoffe. Und das unterstützt unser Immunsystem! Jeder von uns hat wohl schon die wohltuende Wirkung einer heissen Zitrone bei einem grippalen Infekt verspürt. Dazu wird frischer Saft ausgepresst, mit heissem Wasser übergossen und nach Bedarf gesüsst. Eine echte und wohlschmeckende Alternative zur Vitamin C-Tablette! Bis zum nächsten Winter müssen Sie allerdings nicht warten. In heissen Sommermonaten gibt es nichts Besseres zur Erfrischung als selbst hergestellte Zitronenlimonade. Den Saft von 2 oder 3 Zitronen durch ein Sieb in einen Wasserkrug geben, mit Zucker nach Belieben vermischen, 1 Liter Wasser aufgiessen, durchziehen lassen – fertig! Wer es mag, kann noch einen Zweig Minze oder Zitronenmelisse oder ein paar Zitronenscheiben in den Krug geben. Mit Eiswürfeln oder zerstossenem Eis wird aus dieser Limonade ein echter Fruchtcocktail.
Sie achten auf eine gesundheitsbewusste Ernährung? Regelmässig Zitrone auf dem Speiseplan kurbelt die Verdauung an, entgiftet und soll ausserdem helfen, einen erhöhten Cholesterinspiegel zu senken. Dass die Menschen rund ums Mittelmeer weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle erleiden, hat auch im ausgiebigen Gebrauch der Zitrone seinen Grund: die enthaltenen Vitamine wirken antioxidativ, zerstören die sogenannten „freie Radikale“. Darunter versteht man aggressive Sauerstoffmoleküle, die gesunde Zellen unseres Körpers zerstören können. Aber nicht nur die italienische oder griechische Küche kommt nicht ohne Zitrone aus.
Ob zu Fleisch oder Fisch, im Kuchen oder Dessert, es gibt kaum ein so vielseitiges Aroma wie das der Zitrone in den verschiedensten Formen. Ob als Saft, Abrieb der Schale oder in ganzen Scheiben, der fein säuerliche Geschmack und die desinfizierenden Eigenschaften machen das gelbe Wunder zum Küchenstar. Zu erwähnen ist auch noch das Zitronat, welches aus der Schale spezieller Zitronen gewonnen wird und in Früchtekuchen und Weihnachtsgebäck zum Einsatz kommt.
Auch im Haushalt ist die Zitrone unentbehrlich, weil ihre Säure stark wirksam ist gegen Kalk und Keime, sowie zur Fleckentfernung. Und das noch umweltfreundlich und mit frischem Duft. In zahlreichen Putzmitteln ist der Saft der gelben Frucht deshalb fester Bestandteil. Auch in vielen Kosmetika finden wir Spuren der Zitrone, weil sie gleichermassen gegen Pickel und andere Keime wirksam desinfiziert. Und gegen trockene, rauhe Ellbogen nach dem Winter gibt es ein gutes Hausmittel: Eine Zitrone aufschneiden, die Ellbogen hineindrücken, kurz einwirken lassen, abtrocknen und gut eincremen. Es wirkt!
Nicht zuletzt spielt die Zitrone auch in der Parfumherstellung und Aromatherapie eine wichtige Rolle, ihre ätherischen Öle wirken erfrischend und belebend. Sie eignet sich daher besonders gut als Raumspray für Arbeitszimmer und Essräume, für gute Ideen und anregende Gespräche.
Bücher zum Thema:
– Köstlich und zitronenfrisch
– Das goldene Buch der Zitrone
– Fit & schön mit der Kraft der Zitrone