So ein Früchtchen - Festlicher Genuss Aprikose
Petra Peschel | Mittwoch, den 30. April 2008
Ihre Saison ist kurz. Dafür umso leckerer und gesünder. Die Aprikose ist nicht nur etwas für Schleckermäuler, sie hat es wirklich in sich. In der Zeit von Mai bis August hat das Steinobst, in Österreich auch Marille oder in der Schweiz Barille genannt, Platz in unseren Obstkörben. Sie ist wertvoll, sie ist sensibel, aber vor allen Dingen ist sie zum Beginn des Sommers das Beste, was Sie für Ihre Gesundheit und die Schönheit tun können. Ob im Nahen oder Fernen Osten, Nahrung ist das Medikament der Medikamente, so die Grundregel der ganzheitlichen Heilkunde. Auch die Aprikose gehört zum ganzheitlichen Wissen der alten Asiaten. Sie wird als eine der ältesten Obstsorten bezeichnet und soll bereits vor rund 5000 Jahren in Nordchina kultiviert worden sein. Heute werden die anmutigen Bäume mit der breiten dichten Krone, den herzförmigen Blättern und den wunderbar leuchtenden Blüten überwiegend in warmen bis subtropischen Klimazonen des Mittelmeerraumes angebaut. Hauptlieferant für den europäischen Markt ist die östliche Türkei. Und mehr denn je wissen wir heute, dass die Aprikose Lebensmittel und ein wichtiges Mittel für Leben ist.
Sinnliches Symbol
Sie ist Augen- und Gaumenschmaus, und sie verführt uns zu Recht mit ihren Sonnenbäckchen. Nicht umsonst gehört die Aprikose zur Familie der Rosengewächse, genauer gesagt zur Gattung Prunus, der mehr als 200 Arten, darunter viele wichtige Obstbäume, angehören. Das Aroma frischer Aprikosen betört auch tatsächlich wie der Duft einer Rose. Und wer einmal an diesem köstlich weichen Obst nascht, wird nur schwer wieder davon lassen können. Ist es doch gerade die unwiderstehliche Mischung aus süßem Inneren und dem leichten Hauch Säure, der magisch anzieht und den Gaumen erfreut. Diese Raffinesse ist es wohl auch, die für die Geschichte der Aprikose verantwortlich ist, im Verlauf derer man von wahrer Sinnlichkeit und sogar von einem Aphrodisiakum spricht. Eine Symbolik, die sich heute nicht zuletzt aufgrund der zarten Verführung beim Genuss von Aprikosen nachvollziehen lässt.
Gesundheit aus dem Obstkorb
So sonnig wie die Farbe der orangegelben Aprikose ist auch die Aussicht beim Blick auf die Inhaltsstoffe. Der Verdacht ein Gemüse vor sich zu haben liegt nahe, kein anderes Obst hat so viel Carotinoide, Mineral- und Ballaststoffe. Carotinoide sind eine Art Schutzschild für unsere Gesundheit, das die Aprikose mit einem hohen Betacarotinanteil, dem Provitamin A, sowie dem roten Lycopin, das auch für die Errötung der Tomaten verantwortlich ist, liefert. Dabei übertrifft der Carotingehalt der Aprikose sogar den von Möhren. Die Barriere aus Carotinoiden brauchen wir, wenn wir unsere Haut vor Zellschäden schützen und unser Immunsystem stärken wollen. Was ist aber eigentlich für diese Schädigungen verantwortlich? Innerhalb eines Lebens atmet der Mensch durchschnittlich 17 Tonnen Sauerstoff ein, aus denen fast eine Tonne freie Radikale entsteht. Das sind aggressive Teilchen, die nach der Theorie von Dr. Denham Harman, Professor für Medizin und Biochemie an der Universität von Nebraska, für die meisten Veränderungen und insbesondere die Beschleunigung unseres Alterungsprozesses verantwortlich sind. Mit der Auswahl der richtigen Obst- und Gemüsesorten, die einen hohen Anteil an Betacarotin haben sollten, können Sie Ihr persönliches Schutzschild stärken. So sollten beispielsweise Karotten, Süßkartoffeln, rote Paprika, Spinat und eben Aprikosen regelmäßig auf Ihrem Speiseplan stehen. 100g frische Aprikosen decken den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Tagesbedarf an Carotinoiden. Das sind je nach Größe zwei bis drei Früchte. Darüber hinaus ist die Aprikose ein wahrer Vitaminbooster mit den Vitaminen B5, C, E und Niacin. Nicht zu vergessen die Folsäure der Aprikose, die für unsere Blutbildung und auch Zellteilung im wahrsten Sinne des Wortes anregend wirkt.
Im Kern orientalisch
Der Aprikosenkern ist die Mandel des Aprikosensteins, die vor allen Dingen im Orient wegen ihres aromatischen Geschmackes gerne gegessen wird. Neben dem Wohlgeschmack sind die Kerne der Aprikose aber auch sanfte Gesundheitsboten. Mitverantwortlich dafür ist die Pangamsäure, ein Inhaltsstoff der Aprikosenmandel. Sie verbessert die Sauerstoffversorgung der Zellen und somit auch die allgemeine Leistungsfähigkeit, insbesondere bei erhöhter körperlicher Anstrengung. Die Pangamsäure liefert Vitamin B15, das durch Kauen, Mahlen oder Pressen der Kerne für den Organismus verwertbar wird. So entsteht in Kaltpressung der Kerne durch eine steinerne Ölmühle das hochwertige Aprikosenkernöl, das wie das Mandelöl zu etwa 65 Prozent aus wertvollen ungesättigten Fettsäuren besteht, die als Energieträger bekannt sind. Auf das Kriterium der Kaltpressung bei Pflanzenölen sollten Sie unbedingt achten, weil dieses Verfahren besonders schonend ist und im Vergleich zu raffiniertem Öl deutlich höhere Qualität erzielt, in der Geschmacksstoffe und fettlösliche Vitamine erhalten bleiben. Und neben den Fettsäuren ist es der Vitaminreichtum, der das goldgelbe Aprikosenkernöl zu einem besonders wertvollen Vitallieferant macht. Ob Salate, Soßen oder Reisgerichte, das Öl der Aprikosenkerne rundet Speisen mild und unverwechselbar ab.
Schönheitspflege ‚aprikotisch’!
Aprikosenkernöl gehört allerdings nicht nur in die Küche, sondern auch in die äußere Anwendung. Nicht nur die Frucht als solche ist samtig weich, das hochwertige Öl der Aprikose macht auch eine Haut wie Samt und Seide. Nicht umsonst kennt man dieses Schönheitsgeheimnis seit rund 2000 Jahren. Aprikosenkernöl ist geschmeidig, zieht schnell ein und wird besonders bei anspruchsvoller sowie sensibler Haut empfohlen. Das Öl unterstützt die natürlichen Hautfunktionen und hilft, Feuchtigkeit zu speichern. Spezielle Anwendungen sind die Bauchpflege von Schwangeren, Massagen oder regenerierende Öl- und Aromabäder. Aufgrund der anregenden und aufbauenden Eigenschaften wird das Öl auch bei schwachem Bindegewebe an Problemzonen eingesetzt. Kurzum: Schönheitspflege kann so aprikotisch sein.
Festlicher Genuss Aprikose
Fast könnte man meinen, die Aprikose sei eine Zauberfrucht. Und die zaubert sogar, wenn sie getrocknet wird. Getrocknete Früchte sind echte Energiebündel, die viele Ballaststoffe enthalten. Durch den Wasserentzug beim Trocknen ist die Dichte gesunder Inhaltsstoffe sogar fünfmal so hoch wie bei frischen Aprikosen. Ob frisch oder getrocknet, genießen Sie das gesunde Fest der Aprikose. So ein Früchtchen.
Petra Peschel ist Freie Journalistin, Autorin und Fernsehmoderatorin in München. Neben sozialen und gesellschaftspolitischen Themen, arbeitet sie gemeinsam mit Wissenschaftlern und Therapeuten an Beiträgen zur Gesundheit, die Wohlbefinden stets ganzheitlich betrachten. Die ehemalige Leistungssportlerin und Gesundheitspädagogin konzentriert sich in ihren Veröffentlichungen darauf, Wissen über den Erhalt von Lebensstil und Gesundheit bis ins hohe Alter zu vermitteln. Petra Peschel moderiert u.a. Service- und Ratgebermagazine und schreibt als Autorin für Gesundheits- und Wellnesszeitschriften. Weitere Informationen unter http://www.petra-peschel.de.