Wermut - bitteres Kraut mit schlechtem Ruf
Christa Becker | Freitag, den 15. Februar 2008
Artemisia absinthium lautet die lateinische Bezeichnung für die Pflanze. Und Absinth ist die Bezeichnung für eine berüchtigte Spirituose, die sich um die Jahrhundertwende als „Grüne Fee“ grosser Beliebtheit erfreute. Zur Herstellung des hochprozentigen Getränks wurden Kräuter und Gewürze wie Anis, Angelika, Fenchel, Koriander und eben Wermut verwendet. Und auch die typische grüne Farbe des Destillat wurde durch Zugabe von Pflanzenteilen des Wermuts erzielt. Der schlechte Ruf des Absinths hatte seine Gründe: Das im Wermut enthaltene Nervengift Thujon stand im Verdacht, bei langjährigem oder übermässigem Genuss zu schweren Gesundheitsschäden zu führen, weshalb die Produktion von Absinth über Jahrzehnte verboten war. Erst seit knapp 30 Jahren ist es wieder erlaubt, diese Spirituose herzustellen, da sich herausstellte, dass nicht das Nervengift, sondern der hohe Alkoholgehalt des Absinths krank macht.
In der Naturheilkunde hat der Wermut hingegen immer seinen festen Platz behauptet. Auch die berühmte Äbtissin und Kräuterkundige Hildegard von Bingen (siehe Artikel Hildegard von Bingen – Medizin aus dem Kloster)war von der Heilkraft des Wermuts überzeugt. Er gilt schon seit Jahrhunderten als probates Magenmittel, wurde gegen Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Blähungen und sogar Wurmbefall eingesetzt. Auch gegen chronische Verstopfung und Durchfall hilft er regulierend. Selbst Krankheiten wie Gicht, Rheuma und Diabetes sollen gut auf eine Behandlung mit Wermut ansprechen. Neueste Forschungen machen zudem Hoffnung, dass auch die Alzheimer-Krankheit damit positiv beeinflusst werden kann.
Zum Eigengebrauch wird das Kraut am besten während der Blütezeit zwischen Juli und August gesammelt und getrocknet. Oder man sät es im Garten aus; da die Pflanze mehrjährig ist, lohnt sich die Mühe. Zudem sieht Wermut mit seinen grausilbrigen zarten Blättern zwischen Blumen und Kräutern ausgesprochen dekorativ aus. Mit seiner Höhe von bis zu einem Meter bildet er zwischen Stauden einen ruhigen Pol und bringt kräftige Farben erst richtig zum Leuchten.
Wermut muss sehr sparsam verwendet werden, zur Herstellung eines Tees gibt man ½ bis 1 Liter kochendes Wasser auf 1 Teelöffel der getrockneten Blätter. Als Tageshöchstdosis wird eine Tasse genannt.
Bücher zum Thema:
- Hildegard-Medizin für alle Tage
- Grosse Hildegard-Apotheke