Vital heute


Muskatnuss - in die Hausapotheke!
Christa Becker | Freitag, den 11. Januar 2008

MuskatnussDie Muskatnuss in der Küche ist uns vertraut: wir würzen damit Weihnachtsgebäck, Fleisch- und Kartoffelgerichte. Besonders Gemüsesorten mit zartem Eigengeschmack wie Blumenkohl profitieren sehr von ihrer pikanten Schärfe. Auch einem Schweizer Käsefondue verleiht sie noch mehr Würze. Wichtig ist eine sparsame Verwendung, da zuviel Muskatnuss die Speisen bitter schmecken lässt. Ihr Aroma ist allerdings sehr flüchtig, weshalb man sie immer frisch gerieben verwenden und erst am Ende der Kochzeit zugeben sollte. Die Lebensmittelindustrie verwendet aus diesem Grund lieber das intensivere Muskatnussöl. Das Öl lässt sich in der Produktion besser dosieren und ist auch länger haltbar als die Samen des Muskatnussbaums, die oft von Schimmelpilzen (Aflatoxine) befallen werden und dann nicht mehr zum Verzehr geeignet sind.

Ursprünglich heimisch war der Muskatnussbaum auf den Molukken, den sogenannten Gewürzinseln, die heute zu Indonesien gehören. Diese Inseln wurden von portugiesischen Seefahrern im 16. Jahrhundert entdeckt, als Kolonie in Besitz genommen und Handelsniederlassungen darauf gegründet. Da Gewürze wie Zimt, Pfeffer, Vanille oder auch Muskatnuss im fernen Europa bis dahin völlig unbekannt und sehr begehrt waren, brachten sie den Händlern mit jedem Schiff, das seinen Heimathafen wieder erreichte, ein Vermögen ein. Heute so alltägliche Gewürze wie Pfefferkörner wurden vor einigen Hundert Jahren noch mit Gold aufgewogen. Deshalb war auch die Ausfuhr von Bäumen oder Samen strikt verboten und jede Übertretung wurde grausam bestraft.

Heute wird die Muskatnuss vor allem auf Plantagen in Südamerika, Asien und Afrika kultiviert. Der immergrüne Baum kann bis zu 100 Jahren alt werden und bis zu 16 Metern heranwachsen. Erst ab seinem 8. Jahr trägt er gelbliche Früchte, die beim Heranreifen aufplatzen und ihren Samen frei geben: die sogenannte Muskatnuss, die botanisch nicht zu den Nüssen gehört. Die Hüllen der Samen finden ebenfalls in der Küche Verwendung. Als Muskatblüte (Macis) sind sie getrocknet und gemahlen erhältlich, länger haltbar als die eigentliche Muskatnuss und von feinerem Aroma.

In der Homöopathie wird die Muskatnuss bei Magen- und Darmerkrankungen eingesetzt, vor allem bei Gastritis, einer Entzündung der Magenschleimhaut. Und in der Volksheilkunde hat sie ebenfalls einen festen Platz zur Behandlung von Erkrankungen des Verdauungssystems. Akute Durchfallerkrankungen bei Erwachsenen können mit Muskatnuss behandelt werden. Dazu löst man eine Messerspitze geriebener Muskatnuss in einem Glas lauwarmem Wasser auf und trinkt es schluckweise. Von einer mehrmaligen Einnahme muss dringend abgeraten werden. Kindern sollte gar keine Muskatnuss als Heilmittel verabreicht werden. Sie gehört nämlich zu den sogenannten Gewürzdrogen, weil sie Halluzinationen hervorruft, wenn man grössere Mengen davon eingenommen hat. Andere ihrer Bestandteile verhindern aber sehr wirkungsvoll einen Missbrauch als Droge: Nach Einnahme von mehr als einer halben geriebenen Muskatnuss setzen starke Nebenwirkungen wie Übelkeit, Rauschzustände oder Vergiftungserscheinungen ein.

Bücher zum Thema:
Geheimnisvolle Gewürzinseln. Reise nach Java, Banda und Ceylon 1644 – 1660
Muskatnuss und Musketen