Vital heute


Neu aus China: Taiji Bailong Ball - Die Racket Sportart
Ursula Walli | Freitag, den 30. November 2007

Peter GrausEs ist 6 Uhr morgens in China. Draußen beginnen die Vögel mit ihrem morgendlichen Konzert den Tag. Neben unserer Unterkunft fließt still und ruhig ein kleiner Fluss vorbei und man hört das Wasser leise rauschen. Wieder einmal sind Klaus und ich, wie jedes Jahr, mitten in den Laoshan Bergen, um unser Wissen weiter zu vertiefen. Und wie jedes Jahr hinterfrage ich, warum ich mir das harte Training überhaupt antue. Statt mich auszurasten, lange zu schlafen, spazieren zu gehen oder irgendwo am Strand zu liegen und die Sonne zu genießen, stehe ich Tag täglich um spätestens 6 Uhr auf der Matte. Ausgerüstet mit einem aus Spezialgummi bespannten Schläger, der zirka so groß wie ein Badmintonschläger ist, und einem 5g schweren, mit Sand befülltem Ball.

Mit schweren Schritten und kleinen Augen begeben wir uns auf den Trainingsplatz. Trotz der Müdigkeit sind wir jedoch gespannt was auf uns zukommt, denn dieses Mal ist es anders als sonst. Wir sind gekommen, um nicht wie üblich QiGong, Tai Chi oder eine Waffenform zu trainieren, sondern um die Trainierausbildung in Taiji Bailong Ball, die neueste Racket-Sportart aus China, welche die östliche Philosophie und die westliche Athletik verbindet, zu absolvieren. Obwohl dieser faszinierende Sport in östlichen Ländern schon von Millionen von Menschen, ob jung oder alt, gespielt, in Schulen, auf Grund des enormen Gehirntrainings, bereits als Pflichtgegenstand eingeführt und in Gefängnissen als Reha-Maßnahme durchgeführt wird, ist dies die erste Ausbildung für Europäische Interessierte.

Und gelehrt wird sie uns direkt vom Erfinder selbst, Professor Bai Rong, einem Sportwissenschaftler an der Jinzhong Hochschule für medizinische Fachkräfte der Provinz Shanxi und Trainer zahlreicher Spitzensportler. Unterstützt wird er von seinem Schüler Xiaofei Sui, welcher auch die Übersetzung auf Deutsch vornimmt. Schon in den ersten Minuten wird uns bewusst, dass diese Sportart eine total andere Hintergrundphilosophie aufweist als all die Ballsportarten, die wir hier im Westen kennen. Denn vor unseren Augen tanzt Professor Bai Rong, der übrigens ein sehr großer Chinese ist, alleine mit Schläger und Ball im Takt einer Musik. Elegant führt und lenkt er den Ball ohne ihn zu verlieren, als wenn das Racket mit einem Kleber versehen wäre, in unterschiedlichste Positionen und überwindet dabei die Schwerkraft mit Leichtigkeit. Mit unserem Verstand absolut nicht zu erklären!

Aber genau das ist es, was Klaus und mich fasziniert und uns vor lauter Neugierde kaum zurückhalten läst. Im Nu ist unsere Müdigkeit verschwunden. Wie kleine Kinder stehen wir mit offenen Augen, gespannt und voller Erwartungen in den Startlöchern, um endlich auch solche Kunstwerke vollbringen zu können. Und selbstverständlich probieren wir das Ganze sofort aus, ohne auch noch die geringste Spur an Hintergrundinformationen zu haben. Und wie soll es anders sein? Der Ball hält nicht! Schnell wird uns klar, dass es doch Übung und Technik braucht, um das von Professor Bai Rong Vorgeführte ebenfalls zu können.

Und so beginnen wir das Training von ganz vorne, erst mal nur mit Ball. Immer und immer wieder die gleichen Bewegungen um ein Gespür dafür zu entwickeln, denn der Schläger selbst soll später nur die Verlängerung des Armes sein. Dies überstanden folgt die erste Einführung über das Racket. Schlägerhaltung und abermals Trockentraining. U-Schwingen von links nach rechts, Spiegel drehen von links nach rechts, Diagonale auf beiden Seiten, Achter, etc. Lauter runde Bewegungen. Schon hierbei merke ich, wie ungeduldig ich werde. Ich kann es kaum erwarten, Schläger und Ball miteinander in meinen Händen zu halten. Gleichzeitig aber bewundere ich jedoch die Geduld und Ausdauer der Chinesen, eine Bewegung ständig wieder aufs Neue zu üben und uns immer und immer wieder auf wesentliche Fehler aufmerksam zu machen. Die unterschiedliche Lebensweise und Philosophie kommt hierbei stark zum Vorschein. Mir wird immer mehr bewusst, dass manches einfach Zeit braucht um entstehen zu können und dass ich zu Hause im Alltag auch des Öfteren viel zu hektisch und ungeduldig unterwegs bin.

Nichts desto trotz, nach mir ewig vorkommender Zeit, ist es dann doch endlich soweit. Ball und Schläger werden miteinander „verbunden“. Voll Freude beginne ich die eben in Trockenübung ausgeführten Bewegungen Schritt für Schritt auszuprobieren. Und bin überrascht: Es funktioniert! Der Ball hält! Zwar nicht immer aber immer öfter. Anfangs noch sehr zaghaft und mit kleinen Bewegungen gewinne ich immer mehr an Vertrauen in mich und das was ich tue, sodass die Bewegungen mit der Zeit immer und immer größer und runder werden. Und genau das ist es, was Taiji Bailong Ball ausmacht. Das Prinzip des „völlig Runden“, genau so wie bei allen anderen traditonellen chinesischen Bewegungskünsten. Und zu meiner Überraschung bleibt der Ball so viel einfacher auf dem Schläger. Je weniger hektisch und stressig, desto einfacher also! Abermals eine hervorragende Erkenntnis für mich.

Von der kleinsten Zehe bis in den kleinsten Finger, alle Muskeln, Sehnen und Bänder sind im Einsatz. Eine harmonische, ausgedehnte und entspannte Betätigung des ganzen Körpers mit Bogen-, Kurven- und Spiralbewegungen, die die Gelenke schont und einen ganz schön ins Schwitzen bringt. Jetzt verstehe ich erst, warum Studien besagen, dass man, wenn man 15 Minuten Taiji Bailong Ball spielt, einen Kalorienverbrauch hat, wie wenn man 8 km laufen geht. Das konnte ich mir am Anfang absolut nicht vorstellen und hielt das für ein Gerücht.

Alle Bewegungen kommen aus der Hüfte raus, sodass als angenehme Nebenerscheinung auch die Wirbelsäule und das Becken wieder ganz flexibel werden. Meine Kreuzschmerzen, die ich vom langen Sitzen im Flugzeug hatte, sind plötzlich verschwunden. Einfach herrlich! Voller Euphorie und Tatendrang bemerke ich gar nicht, wie die Zeit vergeht. Es scheint, als ob es Zeit und Raum gar nicht geben würde. Im Vordergrund steht nur der Spaß. Spaß am Bewegen und am Ausprobieren. Mit oder ohne Musik. Nicht zu fassen, wie kreativ, geschickt, elegant, beweglich und aufmerksam man plötzlich wird und wie wenig Platz man dazu eigentlich braucht.

Aber das ist noch längst nicht alles! Natürlich wird Taiji Bailong Ball auch zu zweit, als Doppel oder bis hin zum Wettkampf übers Netz gespielt. Und das ebenfalls mit einer total anderen Philosophie. Ganz im Gegenteil zu unseren Sportarten wie Badminton, Tischtennis, Squash etc. wird hierbei der Ball nicht geschlagen und nicht so schnell wie möglich wieder zum Gegner befördert: Man darf ihn länger bei sich behalten! Der Ball wird noch in seiner Flugbahn mit dem Schläger sanft aufgenommen und durch gezielte Hand-, Arm- und Körperdrehungen geleitet, geführt und wieder abgegeben. Also kein Aggressionsabbau durch Schlagen, sondern durch Umleiten der Energie in lustvolle und harmonische Bewegungen. Nicht Energie vernichten , sondern neu formieren, im Körper neu ordnen und damit neue Kraft gewinnen. Genau das ist es, was mich auch hierbei wieder an meine Geduld erinnert. Da ich ursprünglich aus dem Leistungssport komme und mein Leistungsdenken somit automatisch da ist, liegt es nun stark daran, dieses endgültig auszuschalten, denn ansonsten werden die Bewegungen zu klein und zu unrund. Genau das Gegenteil wie es eigentlich sein sollte. Wieder und wieder spüre ich wie hektisch ich werde, wenn der Ball auf mich zukommt und wieder und wieder versuche ich mein altes Muster abzulegen. Schon faszinierend wie lange man daran festhalten kann! Von Wut, Zorn, Aggression bis hin zur Verzweiflung und Demut gehen meine Emotionen. Quer durch die Bank. Besonders, weil Klaus die Bewegungen viel schneller umsetzen kann als ich (wo wir dann wieder beim Leistungsdenken und bei den Selbstzweifeln angekommen wären). Doch: Man kann nichts erzwingen. Und wie heißt es so schön: „Druck erzeugt Gegendruck“ oder „ein Problem ist erst dann ein Problem, wenn ich eines daraus mache. Und wird erst richtig ein Problem, wenn ich versuche, es zu lösen.“ Und irgendwann geht jedem der Knopf auf, dem einen früher, beim anderen braucht es etwas länger. Der Faktor Zeit spielt auch hierbei wieder eine wesentliche Rolle. Mir selber Zeit geben und mir einzugestehen „es ist so, wie es ist“. Erst dann löst sich die Situation von selbst. Und es stimmt. Endlich fällt auch der Schalter bei mir.

Mittlerweile sind seit dieser Situation 3 Jahre vergangen, Klaus und ich haben das erste, derzeit einzigste Österreichische Taiji Bailong Ball Ausbildungs-Zentrum in St. Agatha, Oberösterreich (Bezirk Grieskirchen), gegründet und unsere erste Europameisterschaft, welche in Wiesbaden ausgetragen wurde und an welcher bereits 7 Nationen (Österreich, Deutschland, Italien, England, Irland, Finnland und den Niederlanden) teilnahmen, hinter uns gebracht. Das österreichische Team (alle von uns ausgebildet), bestehend aus 7 Personen, schnitt dabei auch äußerst erfolgreich ab. 3mal Gold, 2mal Silber und 1mal Bronze (Diesen dritten Platz belegte ein Rollstuhlfahrer, denn auch Menschen mit Behinderung können diesen Sport ausüben). Auch bei den heuer stattfindenden 1st Austrian Open waren 7 Nationen vertreten und wir Österreicher haben erneut hervorragend abgeschnitten.

Wir sind sehr stolz auf alle unsere „Schüler“ denn, wie schon oben miterlebt, ist es nicht immer einfach sich auf Neues einzulassen. Diese Sportart ist jedoch ein total anderer Weg sich und seine Grenzen kennenzulernen. Ein Weg, der vor allem SPASS machen soll. Und in einer Gruppe das Ganze zu erleben schweißt zusammen.

Sollte dieser Bericht Ihr Interesse erweckt haben diese faszinierende Sportart zu erlernen stehen Ihnen folgende Termine für das Jahr 2007 zur Verfügung:
1.-2. Dezember 2007 jeweils von 9:00 – ca 17:00 (Taiji Bailong Ball Basic)
15.-16. Dezember 2007 jeweils von 9:00 – ca 17:00 (TaijiBailong Ball Advanced-Basic Voraussetzung)
Ort: Revita Hotel Kocher, 4084 St. Agatha

Wollen Sie ein Seminar selbst organisieren kommen wir auch gerne nach Absprache zu Ihnen. Weitere Informationen, Seminartermine und Präsentationsvideo erhalten Sie von

Klaus Ritzberger und Ursula Walli
Fachinstitut für Lebenspflege und Biofeedback
Stefan Fadingerstr. 6
A 4084 St. Agatha
0699/19238463

http://www.lebenspflege.at/
http://www.taijibailongball.at/