Kinderlähmung - wieder im Vormarsch
Christa Becker | Montag, den 26. November 2007
Poliomyelitis wird die Krankheit weltweit genannt, denn die Bezeichnung „Kinderlähmung“ ist irreführend. In keinem Lebensalter ist man sicher vor einer Infektion mit dem Polio-Virus. Vor ein paar Jahren war die Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch optimistisch: 2005 sollte die Kinderlähmung weltweit ausgerottet sein. Heute stellt sie fest, dass die Zahl der an dem gefährlichen Virus Erkrankten wieder deutlich zunimmt. Die Poliomyelitis ist in Indien, Pakistan, Indonesien und Afganistan wieder weit verbreitet, auch aus dem Jemen, Somalia, Äthiopien, Angola, Niger und Nigeria werden viele neue Erkrankungen gemeldet. Wie bei jeder Virus-Epidemie erfolgt die Ausbreitung sehr rasch, da sich die Viren im Darm des Erkrankten vermehren, durch den Kot wieder ausgeschieden und begünstigt durch schlechte hygienische Verhältnisse über Trinkwasser, Nahrungsmittel oder Schwimmbäder grosse Teile der Bevölkerung infiziert werden.
Impfstoffe sind in diesen Ländern oft nicht ausreichend vorhanden, um im Fall eines Ausbruchs der Erkrankung möglichst viele davor zu schützen. Innerhalb weniger Tage, bei manchen Patienten auch erst nach einigen Wochen, zeigen sich die ersten Krankheitszeichen. Die paralytische Form der Erkrankung beginnt mit starken Muskelschmerzen, danach setzen Lähmungen ein, die vor allem die Muskeln der Beine, Arme, des Bauches und des Brustkorbs betreffen. Bei der nichtparalytischen Form tritt mit heftigsten Kopf- und Nackenschmerzen eine Meningitis (Entzündung der Hirnhäute, die das Gehirn und Rückenmark umgeben) auf, oft von hohem Fieber begleitet. Wenn die Atemmuskulatur von der Lähmung betroffen ist, wird eine künstliche Beatmung im Krankenhaus unumgänglich, auch bei einer schwerer Meningitis ist eine stationäre Therapie erforderlich.
Eine ursächliche Behandlung der Kinderlähmung ist nicht möglich, nur die Symptome wie Fieber oder Schmerzen können gelindert werden. In vielen Krankheitsfällen bilden sich die Lähmungen wieder vollständig innerhalb von 6 Monaten zurück. Einige Patienten leiden jedoch zeitlebens unter Schmerzen und Lähmungen bestimmter Muskelgruppen, viele sind danach nicht mehr gehfähig und auf einen Rollstuhl angewiesen. Schmerztherapie und Physiotherapie zum Aufbau der Muskulatur können hier zwar Erleichterung bringen, eine vollständige Heilung ist aber beim sogenannten Postpoliosyndrom nicht möglich.
Reisenden in gefährdete Gebiete wird deshalb von der WHO empfohlen, eine Impfung zu erwägen. Der Impfstoff wird heute aus toten, nicht mehr wie früher aus lebenden Viren hergestellt, was die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung verringert hat.
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- Kinderkrankheiten