Spitzwegerich - unscheinbares, aber starkes Heilkraut
Christa Becker | Donnerstag, den 18. Oktober 2007
Dem bekannten Kneipp- und Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp lag neben vielen anderen Heilkräutern auch der Spitzwegerich besonders am Herzen. Anspruchsvoll ist die Pflanze nicht, im Gegenteil: am besten wächst sie auf kargen Böden, an Wegrändern und auf Brachland ist sie deshalb zu finden. Da solche Böden immer mehr von gedüngten Felder und Wiesen verdrängt werden, ist die Heilpflanze inzwischen seltener geworden.
Wer den Spitzwegerich als Heilkraut nutzen möchte, sollte die Zeit von Juni bis August zum Sammeln der Blätter vormerken. Man nimmt dabei nicht die ganz jungen Blätter, sondern die ausgereifteren, etwas dunkleren. Die Blätter sind extrem empfindlich, jeder kleinste Druck führt zu einer Druckstelle, die sich später schwarz verfärbt. Deshalb sollte man zum Sammeln nur Körbe oder Kartons verwenden, keine Taschen oder Tüten. Aus dem gleichen Grund werden die Blätter zum Trocknen lose ausgebreitet und sollten danach nicht mehr berührt oder gewendet werden, bis der
Trockenvorgang abgeschlossen ist.
In der Volksmedizin hat das Kraut schon seit Jahrhunderten einen guten Ruf und wird immer noch bei Schnittverletzungen, Quetsch- oder Risswunden eingesetzt. Frisch zerdrückte Blätter werden direkt
auf die Wunde gelegt, mit einem sauberen Tuch oder einer Kompresse bedeckt und leicht angewickelt. Das Heilkraut beschleunigt die Heilung und verhindert gleichzeitig, dass sich eine Vereiterung bildet
konnte.
Aber auch innerlich als Tee angewandt, entfaltet der Spitzwegerich seine Kräfte. Er reinigt das Blut und seine entzündungshemmenden Eigenschaften nützt man neben der Versorgung von Wunden auch gegen Rachen-, Hals- oder Mundentzündungen, bei Asthma oder Bronchialkatarrh. In hartnäckigen Fällen wurde statt eines Tees ein Extrakt verabreicht, der aus Spitzwegerichsaft mit einer gleichen Menge Kandis hergestellt wurde, der so lange gekocht wurde, bis die Mischung Fäden zog.
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– Medizin der Erde. Heilanwendung, Rezepte und Mythen unserer
Heilpflanzen