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Humangenetik - Was stimmt? Die wichtigsten Antworten
Christa Becker | Donnerstag, den 19. Juli 2007

Humangenetik„Sind Sie mit einer Blutprobe einverstanden?“, das könnte in ein paar Jahren eine Frage sein, die man uns in einem Vorstellungsgespräch stellt. Viele Personalchefs würden gerne ihre Entscheidung für oder gegen einen neuen Mitarbeiter davon abhängig machen, welches genetische Krankheitsrisiko er ihn sich trägt. So einfach lassen sich die neusten Forschungen auf dem Gebiet der Humangenetik natürlich nicht in den Alltag übertragen. Aber sicher ist es gut, wenn wir informiert sind, was auf uns zukommen könnte.

Jede neu entwickelte Technologie macht uns neugierig – und Angst. Wir können uns zum Beispiel kaum vorstellen, wie es möglich ist, dass Menschen auf dem Mond landen oder Atombomben ganze Städte auslöschen. Aber jede Technologie birgt Risiko und Potential in sich: Mit der Atomtechnologie kann nicht nur die verheerende Bombe, sondern auch das Atomkraftwerk betrieben werden. Mit Molekularbiologie kann der Mais gentechnisch verändert, in einigen Jahren aber vielleicht auch eine Mukoviszikose oder familiäre Hypercholesterinämie behandelbar werden, möglichst bevor es zum Ausbruch der Erkrankung kommt. Ob wir es wollen oder nicht: Die Humangenetik als Teil der Molekularbiologie wird unser Leben ebenso entscheidend verändern wie z. B. die Erfindung des Computers.

Die Reihe „Was stimmt?“ aus dem HERDER spektrum-Programm greift aktuelle Themen auf. Wissenschaftler geben klar verständliche Antworten zu sehr komplexen Vorgängen. Das soeben erschienene Buch über die Humangenetik richtet sich speziell an alle, die keine Vorkenntnisse, aber viele Fragen haben. Gibt es bald das Designer-Baby? Die Forscher sind sich einig: Noch lange nicht. Immer noch ungeklärt hingegen ist, warum von 2 Menschen mit einer genetischen Disposition der eine an Lungenkrebs erkrankt, wenn er raucht, und der andere nicht. Neben den defekten Genen spielen auch Umweltfaktoren und Lebensführung eine wichtige Rolle. Auch dieses Zusammenspiel wird zur Zeit erforscht und macht es eines Tages vielleicht möglich, mit einer Änderung der Essgewohnheiten den Ausbruch einer Erkrankung zu verhindern.

Besonders Frauen und Männer mit Kinderwunsch, die Erbkrankheiten in ihrer Familie kennen, stehen vor einem grossen Problem: Auf Kinder verzichten, weil sie krank auf die Welt kommen könnten? Oder eine vorgeburtliche Diagnostik im Fruchtwasser der werdenden Mutter vornehmen lassen, um bestimmte Gendefekte ausschliessen oder bestätigen zu können? Mit der Durchführung solcher Test ist das Problem oft nicht gelöst, denn wie soll man entscheiden, wenn das ungeborene Kind tatsächlich eine schwere Krankheit aufweist? Diese schwierigen Fragestellungen sind der Grund, warum aus der wissenschaftlichen Disziplin ein Fach der klinischen Medizin entwickelt wurde: seit 1995 gibt es in Deutschland Fachärzte für Humangenetik. Sie bieten neben der Durchführung und Auswertung von genetischen Testverfahren vor allem auch vorher und nachher die entsprechende Beratung und Betreuung.

Aber es gibt nicht nur Gene, die krank machen: So wurde entdeckt, dass es Menschen gibt, die nicht dauerhaft am Aids-Virus HIV erkranken. Offensichtlich sind sie Träger einer Gen-Variante, an denen das Virus nicht andocken und sich somit nicht im Körper verbreiten kann. Auch diese Entdeckung macht Hoffnung, dass man eines Tages herausfinden kann, warum ein Mensch trotz Kontakt mit bestimmten Erregern gesund bleibt. Zu grosse Erwartungen werden von den beiden Autoren gedämpft, bis man wirklich entscheidende Schritte vorankommt, hat die Humangenetik noch einen langen Weg vor sich. Euphorie ist ebenso unangebracht wie radikale Ablehnung. Dieses Buch trägt mit sachlicher und klarer Information dazu bei, sich mit diesem wichtigen Thema vertraut zu machen, damit wir mitdiskutieren und noch wichtiger: mitentscheiden können.

Buch zum Thema:
Humangenetik. Was stimmt? Die wichtigsten Antworten

Link zum Thema:

-http://www.herder.de/