Emil Theodor Kocher – Chirurg und Forscher

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Emil Theodor Kocher – Chirurg und Forscher

Christa Becker | Donnerstag, den 7. Juni 2007

Emil Theodor KocherDie Deutschen haben Robert Koch (siehe auch Artikel Robert Koch und seine Revolution der Medizin), die Schweizer ihren Emil Theodor Kocher. Beide waren berühmte Ärzte, deren Arbeit für die Medizin bahnbrechend war. Und beide erhielten als Ehrung den Nobelpreis. Aber bis dahin war es ein langer Weg.

Geboren wurde Kocher 1841 als Sohn eines Ingenieurs in Bern und auch das Studium absolvierte er in seiner Heimatstadt. Studienaufenthalte in vielen europäischen Städten wie Zürich, Berlin, London und Paris brachten ihn in Kontakt mit den berühmtesten Medizinern seiner Zeit: In Zürich war Theodor Billroth sein Lehrer, in Berlin der ebenfalls berühmte Pathologe Rudolf Virchow. Nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt Bern promovierte er an der Chirurgischen Universitätsklinik von Bern, dem Inselspital. 1872 wurde er im Alter von 31 Jahren zum Professor und Direktor der Chirurgischen Klinik ernannt.

Als besonders sorgfältiger und begabter Chirurg, Forscher und Dozent machte er sich bald über die Landesgrenzen der Schweiz hinaus einen Namen. Sein bekanntestes Buch über die „Chirurgische Operationslehre“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie ernannte den berühmten Mediziner zum Ehrenpräsidenten. Und viele Patienten kamen von weit her, um sich unter sein Messer zu legen, so operierte er 1913 unter anderem die Frau Lenins.

Besonders die schwierige Operation der krankhaft vergrösserten Schilddrüse war das Spezialgebiet von Kocher. Im Laufe seines Lebens soll er 6000 Operationen an der Schilddrüse durchgeführt haben. Dabei beobachtete er, dass er zwar vielen Patienten helfen konnte, die vor der Operation durch eine vergrösserte Schilddrüse kaum noch atmen konnten. Es stellte sich aber auch heraus, dass eine sorgfältig entfernte Schilddrüse zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Gehirns und des Stoffwechsels führte. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis die Funktion der Schilddrüse, nämlich die Produktion von Hormonen zur Steuerung von Blutdruck, Körpertemperatur und Nervenzellen, erkannt wurde.

Kocher brachte die Forschung mit seinen detaillierten Schilderungen auf den richtigen Weg. Dafür erhielt er 1909 für seine Arbeit über die Physiologie, Pathologie und Operation der Schilddrüse als bislang einziger Chirurg den Nobelpreis. 1917 ist Kocher in Bern gestorben. Einer der drei Söhne Kochers überliess der Stadt Bern ein grosses Grundstück mit der Auflage, den Park öffentlich zugänglich zu machen und nach dem Vater zu benennen. Umgebend von Hochhäusern und Verkehrslärm ist der Kocher-Park auch heute noch eine stille grüne Oase, und noch immer erinnert eine Bronzebüste an den berühmten Sohn der Stadt.

Bücher zum Thema:
Schilddrüse: Das unterschätzte Organ
Wirksame Hilfe für die Schilddrüse


Christa Becker | Donnerstag, den 7. Juni 2007

Veröffentlicht in Biographien

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