Kresse - die gezähmte Wilde
Christa Becker | Donnerstag, den 1. März 2007
Aus ihrer Heimat im Südwesten Asiens und Norden Afrikas gelangte sie nach Europa, die ältesten Nachweise für die Verwendung der Kräuter stammen aus den Pharaonengräbern Ägyptens. Die drei bekanntesten Arten Winterkresse, Gartenkresse (häufig einfach Kresse genannt) und Brunnenkresse haben etwas gemeinsam: sie gehören alle zur Familie der Kreuzblütler.
Die wenig verbreitete Winterkresse wird zwei- oder mehrjährig kultiviert und wächst zu einer Staude mit zarten gelben Blüten heran, die bis zu 80 cm hoch werden kann. Nur die jungen Blätter können in der Küche verwendet werden, die grossen schmecken unangenehm scharf oder sogar bitter.
Die Brunnenkresse ist inzwischen selten geworden, was an ihren Standortwünschen liegt: sie wächst nur an frischem, fliessendem Wasser, am liebsten an einer Quelle. Von Februar bis November, also fast das ganze Jahr über, können die zarten Stängel mit den Blättchen gepflückt werden. Ebenfalls essbar sind die kleinen weissen Blüten, die von Juni bis August an der Brunnenkresse austreiben, nur ihre Samenstängel sind nicht geniessbar.
Die Gartenkresse ist im Gegensatz zu ihren robusteren Schwestern nicht winterhart, kann aber von März bis September im Freiland ausgesät werden, möglichst in kleinen Portionen, damit immer eine frische Ernte zur Verfügung steht. Im Haus oder Wintergarten ist die Aussaat ganzjährig möglich, ein flaches Gefäss mit gut befeuchteter Watte oder Küchenpapier genügt der vitalen Pflanze, nur im Wasser stehen will sie nicht. Die Samen der Kresse keimen schnell und benötigen nur 5 bis 8 Tage bis zur Ausbildung der Blättchen. Was es in Supermärkten zu kaufen gibt, sind noch nicht die voll ausgebildeten Pflanzen, sondern die sich gerade aus den Samen entwickelnden Keimblätter der Kresse.
In der Naturmedizin haben sich die Kressearten als natürliches Antibiotikum einen Namen gemacht, sie regen den Appetit an, fördern die Blutbildung, wirken gegen Müdigkeit und sind darum eine ideale Ergänzung für eine Frühjahrskur. Die Pflanze enthält viel Vitamin A und B sowie die Mineralstoffe Calcium, Phosphor, Eisen und Kalium. Durch Senfölglykoside und Bitterstoffe bekommt sie ihre typischen pikanten Geschmack, deshalb sollte sie nicht pur verwendet werden. Als Ergänzung passt sie aber zu allen Arten von Blattsalat. Aber auch zum Verfeinern von Kräuter- oder Kartoffelsuppen lässt sie sich gut einsetzen. Durch Kochen werden die zarten Blättchen welk und unansehnlich und verlieren ausserdem ihren Geschmack. Sie sollten deshalb erst kurz vor dem Servieren der Suppe als Dekoration und Nährstoffergänzung darüber gestreut werden.
Viele Feinschmecker geniessen die Kresse so unverfälscht wie möglich, also einfach auf einem mit Butter oder Quark bestrichenen Brot, oder zu hartgekochten Eier. Wer die Kresse nicht essen mag, kann sie auch anders einsetzen: selbst gezogene oder gekaufte Pflänzchen in einer dekorativen Schale sind eine hervorragende Ergänzung auf jedem Frühlings- oder Ostertisch und halten sich durch einfaches Besprühen mit Wasser deutlich länger als mancher Blumenstrauss.
Bücher zum Thema:
– Essbare Wildbeeren und Wildpflanzen
– Wildpflanzen für die Küche
– Hexentrank und Wiesenschmaus. Rezepte aus der wilden Weiberküche
Christa Becker | Donnerstag, den 1. März 2007
Veröffentlicht in Naturheilmittel
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