Vital heute


Die Zwiebel - mehr als ein Gewürz
Christa Becker | Dienstag, den 14. November 2006

ZwiebelDass viele Gerichte erst durch die Zwiebel ihre Würze bekommen, ist jedem bekannt. Dass die Knolle aus der Familie der Liliengewächse aber auch eine lange Tradition in der Heilkunst hat, ist dagegen schon fast in Vergessenheit geraten. Bereits in den Schriften der Bibel und in Aufzeichnungen über den Bau der Pyramiden im alten Ägypten findet sie Erwähnung. Im Mittelalter, als Mönche für die Behandlung von Krankheiten zuständig waren, spielte die Zwiebel neben den zahlreichen Heilpflanzen eine grosse Rolle. Zahlreiche noch erhaltene Rezepte belegen es: Ob Haarausfall oder Schnupfen, immer wurde aus Allium cepa, so der korrekte botanische Name für die Zwiebel, ein passendes Heilmittel hergestellt.

Und was ist drin in der Zwiebel? Scharfe ätherische Öle sind die Grundlage des unverwechselbaren, kräftigen Aromas. Andere Bestandteile wie Vitamine (A, C, E und verschiedene aus der Gruppe B), Mineralstoffe (unter anderem Eisen, Phosphor, Kalium und Calcium) und pflanzliche Hormone machen aus dem unscheinbaren Gemüse eine Heilpflanze. Gegen Wespen- oder andere Insektenstiche behalf man sich schon immer mit einer aufgeschnittenen Zwiebel oder einer Packung mit kleingeschnittenen Zwiebelwürfeln. Und zu Tränen rühren uns die schwefelhaltigen Reizstoffe, die beim Schneiden freigesetzt werden.

Was sich die Volksmedizin schon seit Jahrhunderten zunutze macht, wurde jetzt im Labor analysiert: die Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend, antibakteriell und schleimlösend. Die Herstellung eines bewährten Hausmittels gegen trockenen Husten, Heiserkeit oder Halsschmerzen ist einfach: 125 Gramm kleingehackte Zwiebeln werden mit ¼ Liter Weinessig übergossen und für eine Stunde mit einem Tuch abgedeckt. Danach wird alles durch ein sauberes Tuch ausgepresst und mit dem gleichen Anteil eines guten Honigs vermischt. Jede halbe Stunde nimmt man davon einen Teelöffel. Wer das zum umständlich findet, kann auch kleingeschnittene Zwiebelwürfelchen direkt mit Honig vermischen, für einen Tag in ein sauberes Gefäss füllen und stehen lassen, bis die Mischung gut durchgezogen ist. Auch davon sollte man mehrmals täglich einen Teelöffel einnehmen. Häufig wird auch über sehr gute Erfahrungen berichtet, wo Zwiebelsaft, direkt ins Ohr geträufelt oder eine Kompresse mit kleingehackter Zwiebel selbst bei Ohrenschmerzen Linderung brachte.

Aber nicht nur bei grippalen Infekten, sondern auch bei den verschiedensten Verdauungsproblemen ist die gute Wirkung der Zwiebel schon lange bekannt. Sie regt die Sekretbildung der Magen- und Darmschleimhaut an, aber auch die Funktion von Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse. Dadurch werden mehr Verdauungssäfte produziert und der Appetit angeregt. Die Zwiebel hilft gegen kolikartige Beschwerden und wirkt gastreibend. Nur wer unter einer Übersäuerung des Magens leidet, sollte sie sparsam verwenden. Neueste Studien lassen zudem hoffen, dass durch die pflanzlichen Inhaltsstoffe der Zwiebel Darmpolypen am Wachstum gehindert werden, so dass regelmässiger Genuss eine bösartige Veränderung der Polypen in ein Krebsgeschwür verhindern kann.

Die zahlreichen weissen und roten Sorten in verschiedenen Grössen und Schärfegraden machen den Einsatz der Zwiebel als Gemüse und Gewürz zu einem grossen Experimentierfeld in der Küche. Die Lagerung ist nicht ganz einfach: Die Zwiebel ist auch nach der Ernte noch ein sehr vitales Pflänzchen und keimt bei Temperaturen zwischen 9 und 15° besonders schnell. Durch die Keimung verliert sie aber sehr rasch an Geschmack und Inhaltsstoffen. Um dies zu verhindern, sollte man sie möglichst kühl im Freien lagern, auch ein kalter Wintergarten oder die Garage bieten oft die optimale Temperatur, bis starke Frostperioden einsetzen. Wer keine Lagerungsmöglichkeiten hat, sollte besser kleine Mengen kaufen und in das Gemüsefach des Kühlschranks legen. Bei Zwiebeln aus dem eigenen Garten ist entscheidend, dass man nur bei trockenem Wetter erntet und erst dann, wenn das Laub bereits völlig eingetrocknet ist. Eine Lagerung direkt neben Äpfeln sollte man vermeiden, da die Zwiebeln sonst rasch an Geschmack verlieren und weniger lange haltbar sind.

Bücher zum Thema:
Bärlauch, Knoblauch & Zwiebel. Küchenschätze
Genuss Frucht: Zwiebel und Lauch. Knoblauch, Bärlauch & Co.
Was die Grossmutter noch wusste, Band 3. Vom Apfel bis zur Zwiebel
Die geheime Kraft der Zwiebel