Henry Dunant - aus einer Vision wird Wirklichkeit

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Henry Dunant - aus einer Vision wird Wirklichkeit

Christa Becker | Dienstag, den 31. Oktober 2006

henrydunant„Inmitten der Waffen Menschlichkeit – Durch Menschlichkeit zum Frieden“, das war die Idee, die Henry Dunant verfolgte. Wie er dazu kam, ist eine spannende Geschichte. Im friedlichen Genf wurde er am 08.05.1828 als Sohn einer bürgerlichen Familie geboren. Schon früh entwickelte er einen weiten Horizont und arbeitete in einer Organisation, die der Landwirtschaft in Algerien, das von Frankreich besetzt worden war, auf die Sprünge helfen sollte. Eine Auseinandersetzung mit der dortigen Verwaltung brachte ihn zu dem Entschluss, sich mit einem Empfehlungsschreiben direkt an den französischen Kaiser Napoleon III. zu wenden, der im Juni 1859 in Norditalien Krieg gegen die Österreicher führte.

Auf dieser Reise zum französischen Kaiser wurde Dunant am 24.06.1859 Augenzeuge der Schlacht von Solferino, die beinahe 40 000 Tote und hilflose leidende Verwundete zurückliess. Was für die Soldaten alltägliches Grauen war, versetzte ihm einen Schock: Es gab nicht genügend Ärzte, Pfleger, Medikamente, Instrumente. Viele Verwundete konnten deshalb nicht gerettet werden, obwohl Dunant freiwillige Helfer organisierte, die den Verwundeten helfen sollten ohne Ansehen der Nationalität. Auch die Bergung und Bestattung der Toten gehörte zu den Aufgaben der Hilfsbereiten.

Unter dem tiefen Eindruck dieses Erlebnisses veröffentlichte Dunant im Oktober 1862 seine „Erinnerung an Solferino“, in dem er ein internationales Abkommen zum Schutz der Opfer von Kriegen fordert. Auch die Ausbildung von freiwilligen Helfern, die in Katastrophenfällen eingesetzt werden können, wird darin vorgeschlagen. Das Buch verbreitete sich rasch und fand breite Unterstützung, auch in einflussreichen Kreisen. Am 17.02.1863 gründete Dunant mit zwei Ärzten, einem Juristen und einem General in Genf das „Komitee der Fünf“ mit dem Ziel, eine internationale Organisation zu entwickeln. Schon im Oktober desselben Jahres trafen sich Abgesandte von 14 Ländern in Genf und unterzeichneten die Gründungsurkunde des Roten Kreuzes. Wichtig waren den Gründern vor allem drei Anliegen:
Jedes Opfer eines Krieges hat ein Recht auf medizinische Behandlung ohne Ansehen seiner Nationalität.
Weltweit sollen Hilfsorganisationen für die Versorgung der im Krieg Verletzten geschaffen werden.
Inmitten von kriegerischen Auseinandersetzungen soll die Versorgung von Verwundeten und Gespräche der Kriegsparteien in einem neutralen, geschützten Raum stattfinden.

Es hat noch Jahrzehnte gedauert, bis aus dem Entsetzen und der Vision des Henry Dunant das Internationale Rote Kreuz und der Rote Halbmond mit ihren nationalen Organisationen gewachsen waren. Auch die Entstehung des internationalen Völkerrechts hat Dunant nicht mehr erlebt, im 20. Jahrhundert ist aus diesen Anfängen die UNO geworden. Durch einen Finanzskandal zum Rückzug aus allen Ämtern gezwungen, reiste Dunant fast 20 Jahre durch Europa, ohne beruflich oder finanziell wieder Fuss fassen zu können. In Heiden, einem Dorf in der Nordostschweiz, verbrachte er seine letzten 23 Lebensjahre. 1901 erhielt Henry Dunant eine späte Ehrung, den Friedensnobelpreis, 1910 ist er gestorben. Wer sich auf die seine Spuren begeben möchte, kann in Heiden an einem geführten Rundgang durch den Ort teilnehmen und anschliessend das weltweit einzigen Dunant-Museum besuchen. Auch Dunants Geburtsstadt Genf hat ihrem berühmten Sohn eine sehenswerte Dauerausstellung im Musee International de la Croix-Rouge eingerichtet.

Bücher zum Thema:
Der Zeitreisende. Die Visionen des Henry Dunant
Dunant
Menschlichkeit für alle. Die Weltbewegung des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes

Links zum Thema:

-http://www.dunant-museum.ch/

-http://www.micr.ch

-http://www.redcross.ch

-http://www.roteskreuz.at

-http://www.drk.de/


Christa Becker | Dienstag, den 31. Oktober 2006

Veröffentlicht in Biographien

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