Vital heute


Pfefferminze - die Sommerfrische
Christa Becker | Montag, den 21. August 2006

PfefferminzeFrisch und grün sieht sie aus und so schmeckt sie auch, die Menthae piperitae aus der Familie der Lippenblütler. In England entstand vor etwa 150 Jahren aus grüner Minze und Wasserminze diese berühmte Kreuzung, die heute vor allem in Zahnpasta und Kaugummi als „Spearmint“ Verwendung findet. Und die Engländer schätzen auch heute noch eine Sauce mit Pfefferminze zum Lammbraten, was sich im restlichen Europa nicht durchsetzen konnte. Die zahlreichen alten Minzesorten gibt es zum Teil schon seit Jahrtausenden, rund um das Mittelmeer wuchsen sie ursprünglich und sind heute in ganz Europa und Nordamerika heimisch, weil inzwischen winterharte Züchtungen angeboten werden.

In Vorderasien wird die ursprüngliche Heimat der Minze vermutet. Noch heute ist in arabischen Ländern ein Besuch oder der Abschluss eines Geschäftes ohne ein Glas Pfefferminztee mit viel Zucker nicht denkbar. Der Tee wird dabei übrigens ausschliesslich heiss getrunken, während man sich in Europa gerne nach den Aussentemperaturen richtet und im Sommer eine gekühlte Variante des Getränks bevorzugt. Immer beliebter wird auch ein Zweig frischer Minze in einem Krug Wasser, auch Zitronen- oder Limonenscheiben passen dazu. Das natürliche Aroma schmeckt gut und erfrischt. Und wer gerne selbst Marmelade einkocht, weiss es vielleicht schon: grob gehackte Minzeblättchen ergänzen perfekt die Fruchtsüsse von Pfirsich, Aprikose oder Melone mit ihrem würzigen Aroma, wenn man sie am Ende des Kochvorgangs unterrührt.

Und wer einen Garten oder grösseren Balkon hat, sollte sich die Anschaffung einiger Pfefferminz-Jungpflanzen überlegen. Die Minze wächst sehr unkompliziert in feuchten, nicht zu lockeren Böden und treibt jedes Jahr im Frühling wieder aus. Empfindliche Sorten kann man durch eine Abdeckung aus Zweigen schützen, wenn die Winter zu eisig werden. Die Auswahl der Lieblingsminze ist schwer, da es nicht nur die typische grüne Minze gibt, sondern auch Sorten mit silbrigem Laub, runden oder länglichen Blättern, und Blüten in weissen, violetten und rosa Farbtönen. Auch die vielen Aromen verführen dazu, gleich einen kleinen Minzegarten anzulegen: Apfel-, Orange-, Mandarine-, Erdbeer- oder Ananasduft stehen zum Schnuppern zur Verfügung. Bei der Minze kann man übrigens unbedenklich die Pflanze mit Stängel und Blätter zur Herstellung von Tee verwenden, am besten schneidet man die Stängel bodennah ab, bindet sie mit einer Schnur zu kleinen Büscheln zusammen und hängt sie an einem luftigen warmen Ort zum Trocknen auf. Dort können sie bis zum Gebrauch hängen bleiben oder in kleine Stücke geschnitten und in Gläser gefüllt werden.

In der Volksmedizin ist die Minze ein seit Jahrhunderten angewandtes, bewährtes Heilmittel gegen Kopfschmerzen, sogar bei Migräneanfällen. Und noch eine Heilwirkung hat das grüne Kraut: Schon Hildegard von Bingen, die berühmte kräuterkundige Äbtissin, empfahl die Krauseminze zur Förderung der Verdauung. Noch heute wird die Minze bei Magen-Darm-Störungen eingesetzt. Egal ob Blähungen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Reizdarm oder Mundgeruch, die enthaltenen Gerbstoffe und ätherischen Öle wie das Menthol veranlassen die Leber, mehr Gallensaft zu produzieren, der für eine gute Verdauung besonders von fetthaltigen Nahrungsmitteln unentbehrlich ist. Das bekannte japanische Heilpflanzenöl wird ebenfalls aus Minze hergestellt und wird vor allem zum Einreiben gegen Kopfschmerzen und Muskelschmerzen, zum Inhalieren bei Atemwegsinfekten oder zum Einnehmen bei Magen-Darm-Beschwerden genutzt.

Bücher zum Thema:
Minze. Frisch – aromatisch – gesund
Hildegard von Bingen – das Pflanzen- und Kräuterbuch