Gordon-Training - Konfliktlösung ohne Verlierer
Christa Becker | Montag, den 7. August 2006
Unsere Erfahrung lehrt uns meistens schon als Kind: Der Stärkere hat recht, also die Eltern, grossen Geschwister, Lehrer. Aber auch umgekehrt gilt: Wir beeinflussen andere Menschen, um unseren Willen durchzusetzen oder bemerken oft erst nach einem Gespräch, dass wir nachgegeben haben, obwohl wir eigentlich anderer Meinung sind. Die Formen der Beeinflussung sind zahlreich, reichen vom Ratschlag oder Lob über Kritik und Drohung bis zur Strafe.
Eine ganz andere Gesprächskultur hat der Amerikaner Dr. Thomas Gordon (1918 – 2002) entwickelt. Nach dem Studium bei dem bekannten Psychologen Dr. Carl Rogers, dem Begründer der humanistischen Psychologie, machte er seine ersten Berufserfahrungen als Psychologe und Psychotherapeut. Aus der Arbeit mit vielfach überforderten Eltern und ihren Kindern entstanden vor über 40 Jahren die Ansätze für sein Buch „Familienkonferenz“, sein bekanntestes Buch. Mehr als 6 Millionen verkaufte Exemplare in 28 Sprachen belegen es: die insgesamt 9 Bücher, die Dr. Gordon schrieb, haben sich zu Bestsellern entwickelt. Dazu kommen noch etwa 50 Publikationen in Fachzeitschriften.
Die Grundidee von Dr. Gordon ist einfach: Ein Konflikt zwischen 2 Menschen entsteht, wenn beide unterschiedliche Interessen haben. Eine klare Kommunikation soll es ermöglichen, dass man Konflikte lösen kann, ohne dass einer der Gesprächspartner der Unterlegene sein muss. Ein wichtiger Ansatz ist das „aktive Zuhören“, bei dem man mit eigenen Worten wiederholt, was das Gegenüber mitgeteilt hat. Viele Auseinandersetzungen beruhen ja gar nicht auf einem wirklichen Interessenkonflikt, sondern auf einem Missverständnis. Hat das Kind ein Problem, so reflektiert das aktive Zuhören ihm die eigenen Empfindungen wie Wut, Traurigkeit oder Enttäuschung, ohne sie zu bewerten. Damit gibt man dem Kind die Möglichkeit, sich seiner Gefühle sicherer zu werden und selbst Lösungen für ein Problem zu suchen. So werden nach Gordons Vorstellung Selbstbewusstsein und Verantwortlichkeit gefördert.
Eine andere Möglichkeit, ein gutes offenes Gespräch zu führen, sind laut Gordon die „Ich-Botschaften“. Statt einem Kind zu sagen: „Sei doch nicht immer so unartig und laut!“, könnte man formulieren: „Ich bin müde von der Arbeit und brauche etwas Ruhe.“ Diese Mitteilung wertet das Verhalten des Kindes nicht, sondern drückt die eigenen Bedürfnisse aus. Immer wieder berichten Eltern, dass Kindern erstaunlich gut damit umgehen können. Wird im Gespräch deutlich, dass beide Seiten berechtigte, aber entgegengesetzte Vorstellungen haben, kann ein Kompromiss gefunden werden, der alle zufrieden stellt. Wird ein Kind an solchen Entscheidungsprozessen beteiligt, kann es sich nicht unterlegen fühlen. Gleichzeitig wird seine Motivation gestärkt, den gefundenen Weg umzusetzen oder nach Alternativen zu suchen. Entscheidend ist die Erfahrung, dass jeder die Bedürfnisse des anderen akzeptiert und wichtig nimmt.
Gordon hat aus seiner Berufserfahrung verschiedene, ganz einfache Techniken entwickelt, die er in seinen Büchern beschreibt. Auch als Gründer der Organisation „Gordon Training International“, welche das Programm in praktischen Übungseinheiten vermittelt, war er sehr aktiv. Über 1 Million Eltern haben schon von diesem Training Gebrauch gemacht. Inzwischen gibt es auch zahlreiche Programme, die speziell auf Lehrpersonen, Führungskräfte in der Wirtschaft, Beschäftigte im Gesundheitswesen oder Menschen abgestimmt sind, die sich persönlich weiterentwickeln wollen.
Bücher zum Thema:
– Die neue Familienkonferenz. Kinder erziehen ohne zu strafen
– Familienkonferenz
– Familienkonferenz in der Praxis
– Managerkonferenz. Effektives Führungstraining
Christa Becker | Montag, den 7. August 2006
Veröffentlicht in Soziales
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