Der Reizdarm - ein sensibles Thema

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Der Reizdarm - ein sensibles Thema

Christa Becker | Donnerstag, den 27. Juli 2006

ReizdarmDie Betroffenen behalten es lieber für sich: Darmerkrankungen wie der Reizdarm, vom Mediziner Colon irritabile genannt, sind im Gespräch tabu. Deshalb ist auch nur Wenigen bekannt, wie weit diese Verdauungsstörung verbreitet ist. Die meisten Betroffenen hoffen darauf, dass die Beschwerden sich wieder von alleine zurückbilden. Erst wenn die quälenden Symptome über mehrere Monate oder gar Jahre anhalten, wird Hilfe gesucht. Denn unangenehm ist er schon, der Reizdarm. Anfangs treten Bauchschmerzen auf, dann kommt Verstopfung im Wechsel mit Durchfällen dazu. Starke Blähungen, Schleimabgang mit dem Stuhl, Übelkeit und Erbrechen, zudem ständiges Völlegefühl machen den Betroffenen das Leben schwer.

Der Gang zum Arzt und die dortigen Untersuchungen können Klarheit bringen. Man sollte sicher sein, dass sich keine andere Erkrankung dahinter verbirgt. Ähnliche Beschwerden wie beim Reizdarm treten auch beim Morbus Crohn, einer entzündliche Darmerkrankung, auf. Durch Blutanalysen lässt sich hier Gewissheit schaffen. Auch eine Krebserkrankung des Darms wäre möglich und sollte durch eine Röntgenuntersuchung oder Darmspiegelung ausgeschlossen werden. Typisch für einen Darmkrebs ist ausserdem ein Lebensalter über 40 Jahre sowie eine familiäre Häufung. Auch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Laktoseunverträglichkeit kommen häufig vor und bringen den Darm mit ganz ähnlichen Beschwerden in Aufruhr. Durch Testungen lässt sich herausfinden, ob hier die Ursache liegt.

Steht die Diagnose eines Reizdarms fest, ist es gut zu wissen, dass die Erkrankung zwar sehr unangenehm und schmerzhaft sein kann, aber keine ernsthaften Komplikationen mit sich bringt. Mit Medikamenten lässt er sich allerdings nicht behandeln, sondern verlangt von dem Erkrankten einen einfühlsamen Umgang mit sich und eine Veränderung der Essgewohnheiten. Ballaststoffreiche, fettarme Ernährung wäre ein erster Schritt und häufig schon ausreichend, um die Beschwerden zu reduzieren. Auch ein Tagesprotokoll mit allen Speisen und Getränken kann helfen, den Auslöser oder Verstärker der Symptome zu entdecken. Diese dann zu vermeiden, wäre eine einfache Strategie für mehr Ruhe im Bauch. Kaffee, Tee, Cola und Bier sind häufig Reizfaktoren für einen empfindlichen Darm, ein Auslassversuch verschafft auch hier schnell Klarheit. Nicht zuletzt bedeutet Nikotin eine hohe Belastung für unseren Magen-Darm-Trakt, ein Rauchstopp könnte also auch den Reizdarm beruhigen. Ausserdem helfen regelmässige, in Ruhe eingenommene Mahlzeiten dem Darm, seiner komplexen Arbeit nachzukommen.

Viele Betroffene berichten zudem über gute Erfahrungen mit Entspannungsübungen, denn unser Darm gehört zu den Körperorganen, die auf Stress besonders sensibel reagieren. Wer unter grossen Ängsten oder ungelösten Konflikten leidet, kann von einer psychotherapeutischen Begleitung profitieren. Ein aktiveres Leben mit mehr Bewegung bringt nicht nur den Kreislauf, sondern auch den Darm in Schwung. Für alle Betroffenen gilt, dass die Behandlung eines Reizdarms nicht dem Arzt überlassen werden kann, sondern in ihrer Verantwortung liegt. Auf die innere Stimme hören, nicht alles in sich hineinfressen, achtsam mit sich selbst umgehen, das kann man durch diese Erkrankung lernen.

Bücher zum Thema:
Genussvoll kochen bei Reizdarm
Reizdarm – Endlich Ruhe im Bauch durch richtige Ernährung


Christa Becker | Donnerstag, den 27. Juli 2006

Veröffentlicht in Krankheiten

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2 Kommentare zu “Der Reizdarm - ein sensibles Thema”

  1. Heike

    Ich habe schon seit vielen Jahren mit stechenden Bauchschmerzen zutun. Es konnte jedoch nie eine Darmentzündung diagnostiziert werden. Ist die wahrscheinlichkeit gross, durch das Rauchen und das Fast Food, das ich auch einen Reizdarm habe?

  2. Christa Becker

    Was die stechenden Bauchschmerzen auslöst, lässt sich sicher per Ferndiagnose nicht feststellen. Dass Rauchen und Fast Food aber Darmerkrankungen begünstigen, ist bekannt. Ein Auslassversuch oder völliger Verzicht könnte Ihnen weiterhelfen, aber das wissen Sie bestimmt selbst. Sie sind für Ihren Körper zuständig, nicht die Ärzte. Seien Sie gut zu ihm und sich.
    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und grüsse Sie freundlich
    Christa Becker

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