Vital heute


Hippotherapie - das Pferd als Therapeut
Christa Becker | Samstag, den 6. Mai 2006

hippotherapieVom Rollstuhl auf den Pferderücken, was für ein Unterschied! Man sieht es dem Patienten deutlich an, dass er daran Spass hat. Besonders behinderten Menschen, die nicht selbstständig gehen können, vermittelt so eine Therapiestunde die Erfahrung der natürlichen Fortbewegung. Ein Pferdeführer geht hinter dem Pferd und lenkt es an einem Langzügel, ein Physiotherapeut mit Zusatzausbildung begleitet den Patienten direkt neben dem Pferd. Nicht jedes Tier eignet sich als Therapeut, ein besonders ausgeglichener Charakter ist Voraussetzung. Nach einer sorgfältigen Auswahl wird das Pferd speziell ausgebildet, um gut auf seine Rolle vorbereitet zu sein.

Die Hippotherapie findet in der Reithalle oder auf sicheren Wegen im Gelände statt und lässt sich durch keine andere krankengymnastische Übung ersetzen. Die rhythmischen, dreidimensionalen Bewegungen (auf und ab, vor und zurück, links und rechts) des Pferdes entsprechen dem natürlichen Gang des Menschen. In einer Minute überträgt das Pferd etwa 100 Bewegungsimpulse auf den Körper seines Reiters. Und dieser überlässt sich gerne dem gleichmässigen Schaukeln auf dem Pferderücken.

Was kann durch die Hippotherapie erreicht werden? Eine Verbesserung des Gleichgewichts und der Koordination, eine Kräftigung der Muskulatur sowie eine Normalisierung der erhöhten Muskelspannung. Die Körperhaltung wird somit verbessert. Besonders Menschen mit einer Schädigung des zentralen Nervensystems profitieren von der Behandlung, weil sich das Reiten positiv auf die Begleiterkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates auswirkt. Die Hippotherapie wird häufig bei frühkindlichem Hirnschaden, Schädel-Hirn-Trauma, Multipler Sklerose (siehe Artikel Mit Multipler Sklerose leben“), inkompletter Querschnittslähmung oder Spastik vom Arzt als Ergänzung der konventionellen Physiotherapie verordnet. Die Therapie auf dem Pferd kommt aber nicht nur dem Körper zugute, sondern auch der Seele: Vertrauen und Selbstwertgefühl können gestärkt und Ängste abgebaut werden.

Eine Heilung der schweren Krankheitsbilder ist durch die Hippotherapie nicht möglich, aber eine deutliche Verbesserung vieler Körperfunktionen und eine Linderung der schmerzhaften Muskelverspannungen. Nur für Patienten mit einer Pferdehaarallergie, mit grossen Ängsten vor dem Tier oder einer zu schwachen Stabilität von Kopf oder Rumpf ist die Therapie nicht geeignet.

Bücher zum Thema:
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