Schlüsselblume - sanftes Gelb, starke Wirkung
Christa Becker | Donnerstag, den 20. April 2006
Sie ist ein Symbol des Frühlings, die Schlüsselblume aus der Familie der Primelgewächse. Der Botaniker unterscheidet die Wiesen-Schlüsselblume von der Wald-Schlüsselblume. Von März bis Mai entwickelt sie ihren ganzen Charme: an langen Stängeln erscheinen die zartgelben, duftenden Blüten. Die Blättern breiten sich rosettenförmig flach am Boden aus. Von der Anordnung der Blütenbüschel auf den hohen Stängeln hat die Pflanze auch ihren Namen; das Aussehen erinnert an einen Schlüsselbund. Grosse Wiesen, die mit Schlüsselblumen übersät sind, sucht man heute meistens vergeblich. Die früher weitverbreitete Blume ist heute so selten, dass sie seit Jahren zu den geschützten Pflanzen gehört. Mehr als ein Sträusschen darf somit nicht gepflückt werden, das Ausgraben von Wurzeln ist ganz untersagt. Gelegentlich findet man sie noch auf etwas abgelegenen Wiesen oder im lichten Schatten von Wäldern. Auf lockeren, feuchten Böden vermehrt sie sich gut, wenn sie sich ungehindert entwickelt darf.
Unsere heimische Schlüsselblume gehört zu den ältesten Heilkräutern in Europa. Blüten und Wurzeln der Pflanze finden schon seit langem Verwendung, die ältesten Aufzeichnungen datieren aus dem 12. Jahrhundert. Auch Hildegard von Bingen, die berühmte, kräuterkundige Äbtissin (siehe Artikel Hildegard von Bingen – Medizin aus dem Kloster“) empfahl die Anwendung der Pflanzenextrakte gegen „Melancholie und Wahnvorstellungen“. Und Sebastian Kneipp (siehe Artikel Kneipp und das Giesskannenprinzip“) schätzte die Pflanze ebenfalls: „Nur die dunkelgelbe Schlüsselblume hat Werth für die Hausapotheke,“ schreibt er und meint die Heilkraft der Wiesen-Schlüsselblume.
Saponine sind die Hauptwirkstoffe, die in Wurzel und Blüte der Schlüsselblume enthalten sind, dazu noch Flavonoide, Glykoside, ätherische Öle, Kieselsäure und Gerbstoffe. Besonders gegen festsitzenden Husten hat sich die Schlüsselblume bewährt, sie lockert und löst die Verschleimung und erleichtert damit das Abhusten. Häufig werden Bestandteile der Pflanze auch mit Thymian, Fenchel, Anis oder Malve kombiniert, deren Heilkräfte sich gut ergänzen. In der Volksmedizin wird der Tee zudem gegen Gicht und Rheuma, Schlaflosigkeit und Migräne eingesetzt. Auch eine harntreibende Wirkung wird ihm nachgesagt.
Da die Pflanze vom Aussterben bedroht ist, sollte man auf das eigenhändige Sammeln verzichten. In Apotheke oder Drogerie gibt es alternativ Hustensirup und Lutschpastillen mit den Extrakten der Schlüsselblume zu kaufen, aber auch getrocknete Blüten oder zerkleinerte Wurzelstücke. Zwei Teelöffel der Blüten mit kochendem Wasser übergossen ergeben einen aromatischen Tee. Da die Wirkstoffe in den Wurzeln konzentriert vorhanden sind, braucht man von diesen nur einen Teelöffel, der mit kalten Wasser aufgesetzt, dann bis zum Kochen erhitzt und durch ein Sieb gegossen wird. Wer den Geschmack und die Wirkung noch verstärken möchte, kann wahlweise Fenchel, Anis oder Honig zufügen.
Allergiker sollten mit Schlüsselblumen-Extrakten vorsichtig umgehen. Wie bei anderen Primelgewächsen sind auch hier allergische Reaktionen möglich. Auch bei einem empfindlichen Magen sollte man auf die Schlüsselblume als Heilmittel verzichten, da die enthaltenen Saponine die Magenschleimhaut reizen können. Da es ausserdem zu Erbrechen und Durchfall kommen kann, ist die Anwendung während einer Schwangerschaft zu vermeiden.
Bücher zum Thema:
– Pater Simons Hausapotheke
– Das grosse Heilkräuterbuch
– Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor
– Grüne Apotheke