Maria Montessori - eine Frau bewegt die Pädagogik
Christa Becker | Freitag, den 31. März 2006
Sie muss eine ungewöhnliche Frau gewesen sein: Maria Montessori. Am 31.08.1870 wurde sie in Chiaravalle bei Ancona/ Italien geboren. Schon ihre Berufswahl hat Ende des 19. Jahrhunderts sicherlich für viel Aufsehen gesorgt: sie wurde nach Abschluss ihres Medizinstudiums 1896 die erste Ärztin Italiens. Von Anfang an lagen ihr die Entwicklung und Erziehung von Kindern besonders am Herzen.
Nach den ersten Berufsjahren in einer Praxis übernahm sie 1900 die Leitung eines Instituts, das Lehrer für behinderte Kindern ausbildete. Hier entwickelte sie aus eigener Beobachtung und Erfahrung mit Kindern ihre Methode, die mit der damaligen Kindererziehung nicht mehr viel gemeinsam hatte. Sie intensivierte ihre eigene Ausbildung mit den Studiengängen Pädagogik, Anthropologie und Psychologie. Danach widmete sie sich ganz der Erziehung und eröffnete in Roms Arbeiterviertel San Lorenzo 1907 die „Casa dei Bambini“, ein Haus zur Betreuung von verwahrlosten Kindern.
Diesem ersten Kinderhaus folgten bald weitere, auch Schulen wurden gegründet, die mit der Montessori-Pädagogik arbeiteten. Vor allem in Italien, England, Amerika und in der Schweiz fand ihre Methode grosses Interesse, überall wurden Kindergärten, Schulen und Ausbildungszentren gegründet. Sie gab den Beruf als Ärztin auf, um sich ganz der internationalen Verbreitung ihrer Methode zu widmen. Nach ihrer Überzeugung ist jedes Kind von Anfang an ein selbstständiges Wesen, das lernen will, sowie über Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit verfügt. Die Aufgabe des Pädagogen sah sie darin, ein Partner des Kindes zu sein und eine Auswahl an Spielsachen und Lernwerkzeugen zu treffen, die dem Entwicklungsgrad des Kindes entsprechen. Das Kind sollte selbst auswählen, was sein Interesse weckt und womit es sich beschäftigen möchte. Montessori beobachtete, dass jedes Kind verschiedene, von ihr „sensible Phasen“ genannte Entwicklungsstufen durchläuft, in denen es besonders aufgeschlossen für Neues ist.
Die Methode von Maria Montessori muss zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Revolution gewesen sein, wenn man die damalige Erziehung von Kindern betrachtet. Gehorsam und Unterordnung waren wichtig und wurden mit strengen Vorgaben und Prügelstrafen durchgesetzt. Im Gegensatz dazu wollte Montessori dem Kind mehr Spielraum lassen für die eigene, individuelle Entwicklung. Die natürliche Neugierde und Motivation sollten über den Kindergarten und die Schule hinaus gefördert und erhalten werden. Obwohl die Kinder in einer Montessori-Einrichtung viel Freiheit hatten, herrschte dort zur Überraschung der zahlreichen Skeptiker kein Chaos. Die Kinder nahmen Rücksicht aufeinander und verhielten sich sozial adäquat. Die aufgestellten Regeln für den Umgang miteinander und mit den Materialien wurden respektiert. Die Atmosphäre war ruhig und entspannt, die Pädagogen beobachteten das Kind und leiteten es an, machten ihm aber keine Vorschriften, wann es was und wie machen sollte.
Für Maria Montessori waren nach den ersten Erfolgen die Auseinandersetzungen aber noch nicht vorbei. Der aufkommende Faschismus in Italien und Deutschland führte 1933 und 1934 zu einer Schliessung der Montessori-Kindergärten und –Schulen. Sie entschloss sich, Europa zu verlassen und setzte ihre Arbeit von Indien aus fort. Erst nach Kriegsende kehrte sie wieder nach Europa zurück und hielt zahlreiche Vorträge, um möglichst viele Menschen von ihrer Methode zu überzeugen. Auch ihre zahlreichen Publikationen führten zu weltweiter Beachtung und Verbreitung. Am 06.05.1952 schloss sich in den Niederlanden der Lebenskreis von Maria Montessori. Ihre Pädagogik geniesst immer noch hohes Ansehen, nicht nur in den Einrichtungen, die ihren Namen tragen. Montessori-Kindergärten und –schulen sind weltweit in allen grösseren Städten zu finden. Damit hat sie das erste Erziehungssystem begründet, das nicht landestypisch geprägt ist, sondern überall auf derselben Methode basiert.
Bücher zum Thema:
– Lieben, ermutigen, loslassen – Erziehen nach Montessori
– Das Montessori-Elternbuch
– 10 Grundsätze des Erziehens
– Maria Montessori. Leben und Werk
Links zum Thema:
-http://www.montessori-austria.at/
-http://www.montessori-vereinigung.de/
-http://www.montessori-gesellschaft.de/
-http://www.montessori-ams.ch/
Christa Becker | Freitag, den 31. März 2006
Veröffentlicht in Biographien
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am 20. Dezember 2007 um 21:59 Uhr.
Hallo,
Meine Tochter ist auf der Montessorischule in Sulzbürg und ich freue mich TOTAL darüber.Ich finde es gut, das es Seiten gibt , wo man sich über solche Persöhnlichkeiten informiren kann.Meine Andere Tochter (auf dem Ostendorfer Gymnasyum in Neumarkt) Hat heute morgen ein Referat über sie Vorgetragen und von dem Gedicht erzählt:
Wenn ich nur darf,
wenn ich soll,
aber nie kann,
wenn ich will,
dann mag ich auch nicht,
wenn ich muss….....
Liebste grüße aus freystadt von Isabella E.
am 16. Mai 2008 um 9:17 Uhr.
[...] eit wird Pestalozzi inzwischen als einer der Väter der Pädagogik (siehe Artikel Maria Montessori – eine Frau bewegt die Päda [...]