Majoran - gut für den Magen
Christa Becker | Freitag, den 10. März 2006
Majoran, botanisch Origanum majorana, gehört in dieselbe Pflanzenfamilie wie der Oregano, nämlich zu den sogenannten Lippenblütlern. Vielleicht deshalb werden die beiden häufig miteinander verwechselt, obwohl der Majoran über ein deutlich feineres Aroma verfügt. Während Oregano als typisches Pizzagewürz gerne den Solisten spielt, wird Majoran häufig mit anderen Kräutern wie Thymian oder Koriander kombiniert und ergänzt diese gut. Zum Gebrauch in der Küche werden alle Teile der Pflanze wie Blätter, Stängel und Blüten des Majorans verwendet. Getrocknet oder frisch ist das Würzkraut überall zu haben.
Wie viele andere Kräuter ist auch der Majoran ursprünglich im Mittelmeerraum heimisch gewesen, wird aber schon seit Jahrhunderten in unseren Breiten kultiviert. Ganz unkompliziert ist der Anbau aber nicht. Majoran ist einjährig, das heisst, dass ein Überwintern meist nicht erfolgreich ist. Und ein windgeschütztes Plätzchen mit einem warmen, lockeren Boden sollte man der empfindlichen Pflanze schon anbieten können. Bei guten Bedingungen mit viel Sonne und ausreichend Feuchtigkeit wird Majoran etwa 30 bis 50 cm gross und macht sich mit seinen zart-violetten oder weissen Blüten sehr dekorativ im jedem Kräuterbeet. Kurz bevor sich die feinen Blüten völlig öffnen, ist der beste Zeitpunkt für eine erste Ernte gekommen. Hat die Pflanze einen guten Standort, kann man Ende August nochmals einige Stängel abschneiden. Gut getrocknet und luftdicht verschlossen halten sich Duft und Aroma einige Monate. Die Gläser sollten öfter kontrolliert werden, da Majoran zur Bildung von Schimmel neigt. Zum Einfrieren eignet er sich leider nicht.
Den alten Griechen galt der Majoran als Pflanze der Liebesgöttin Aphrodite, und auch die Römer sagten erotisierende Kräfte nach. In der überlieferten Naturmedizin wird er wegen seiner hustenstillenden Wirkung geschätzt, aber auch gegen nervös bedingten Magen-Darm-Beschwerden oder Appetitlosigkeit eingesetzt. Seine Bitterstoffe regen eine gesunde Verdauung an und machen schwere, fette Speisen bekömmlicher. In der chinesischen Medizin zählt Majoran schon seit Jahrtausenden zu den „heissen Lebensmitteln“, die den Körper im Herbst und Winter bei der Erwärmung unterstützen.
Die Lebensmittelindustrie setzt Majoran vor allem zum Aromatisieren von Wurst ein. In der eigenen Küche lohnen sich Experimente, besonders gut schmeckt das Gewürz zu deftigen Suppen oder Gemüsegerichten mit Sauerkraut, Lauch oder Kartoffeln. Aber auch Schmorgerichte mit Fleischsorten wie Lamm oder Rindfleisch in allen Kombinationen werden mit Majoran noch schmackhafter. Allerdings sollte Majoran erst gegen Ende der Kochzeit zugefügt werden, weil er zu grosse Hitze nicht toleriert und seinen typischen Geschmack verliert. Wer gerne Geschenke aus der eigenen Küche überreicht, kann 2 bis 3 frische Pflanzenstängel in eine Flasche mit Weinessig legen. Bereits nach wenigen Tagen haben die ätherischen Öle des Majorans den Essig verfeinert und können dem Salat eine besondere Würze verleihen.
Einen Versuch mit einem alten Rezept aus Italien möchte ich Ihnen ebenfalls ans Herz legen, ein Spinatgemüse mit Kräutern:
Etwa 500 g Blattspinat waschen und abtropfen lassen. Je ein Bund Petersilie, Minze und Majoran waschen und am besten auf Küchenpapier trocknen lassen, dann die Blättchen von den Stängeln zupfen und grob hacken. Die Spinatblätter in kochendem Salzwasser etwa 4 Minuten blanchieren, in einem Sieb mit kalten Wasser abschrecken und abtropfen lassen. Etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Kräutermischung unter ständigem Rühren anbraten. Das Gemüse hinzufügen und sanft erhitzen, dann mit etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken. Ganz hervorragend schmeckt dieses Spinatgericht zu kurz gebratenem Fleisch wie Lammkoteletts oder Rindersteaks. Aber auch für Vegetarier ist es eine delikate Abwechslung, zum Beispiel in Kombination mit einem Kartoffelgratin.
Bücher zum Thema:
– DuMonts kleines Kräuterlexikon
– Die besten Küchenkräuter
– Kräuter und Gewürze, bestimmen, anbauen und verwenden
– Kräuter
– Kräuter und Gewürze aus dem eigenen Garten