Schlaganfall - immer ein Notfall
Christa Becker | Samstag, den 25. Februar 2006
Immer wieder kann man es hören oder lesen, dass jemand einen „kleinen Schlaganfall“ erlitten habe. Dieser Begriff ist so verharmlosend wie irreführend, sagen die Mediziner. Für sie ist jeder Schlaganfall ein lebensbedrohlicher Notfall! Immer noch gehört er zu den Erkrankungen, die am häufigsten zu schweren, bleibenden Behinderungen oder gar zum Tode führen. Allein in Deutschland erleiden etwa 500 000 Menschen einen Schlaganfall. Und betroffen sind zwar überwiegend ältere Menschen, aber auch 20-jährige Patienten sind keine Ausnahme mehr.
Eine plötzliche, einseitige Lähmung im Gesicht, eine Lähmung oder Schwäche von Arm oder Bein, eine Beeinträchtigung der Sprache, sehr starke Kopfschmerzen sowie eine einseitige Taubheit oder Sehstörung sind Hinweise auf einen Apoplex, wie ihn die Ärzte bezeichnen. Manchmal deuten auch Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen oder Schwindel auf ein solches Geschehen hin. Bei einem besonders schwer ausgeprägten Schlaganfall wird der Patient bewusstlos oder fällt sogar in ein Koma.
Alle diese Symptome entstehen aufgrund einer mangelnden Blutversorgung des Gehirns. Zwei mögliche Ursachen kommen dafür in Frage. In den meisten Fällen verschliesst ein Blutgerinnsel eine Arterie im Gehirn. Dieser sogenannte Thrombus kann sich entweder direkt in einem Blutgefäss im Gehirn bilden oder über die Blutbahnen ins Gehirn geschwemmt werden. Der entstehende Schaden durch absterbendes Gewebe im Gehirn ist je nach Grösse des Thrombus mehr oder weniger dramatisch. Die zweite Ursache für einen Schlaganfall ist eine Hirnblutung, die durch das Einreissen einer das Gehirn versorgenden Arterie auftritt. Dies führt neben der mangelnden Durchblutung auch durch den Blutstau im Gehirn zu schweren Schäden.
Wird der Patient unmittelbar nach dem Auftreten der ersten Symptome in einem Krankenhaus aufgenommen, hat er gute Chancen. Mit bildgebenden Verfahren, zum Beispiel einer Computertomographie oder Magnetresonanztomographie, sowie einer Sonographie der Blutgefässe am Hals muss zunächst die Ursache des Schlaganfalls gefunden werden. Ob es sich um eine Hirnblutung oder den Verschluss eines Blutgefässes im Gehirn handelt, ist für die weitere Behandlung entscheidend. Bei einer Hirnblutung ist es eine rasche Operation, die das Leben des Patienten retten und bleibende Schäden vielleicht noch verhindern kann. Findet sich ein Blutgerinnsel, gibt es verschiedene Medikamente, die das Blut künstlich verdünnen und das verstopfte Blutgefäss wieder durchgängig machen. Manche dieser Behandlungen sind aber nur erfolgversprechend, wenn sie innerhalb von 3 Stunden nach dem Schlaganfall begonnen werden.
Vielen Schlaganfällen geht eine sogenannte transitorische, ischämische Attacke voraus, die ähnliche Anzeichen wie Lähmungen, Sprachstörung oder Schwäche zeigt, die sich aber innerhalb von 24 Stunden von alleine wieder zurückbilden. Diese Attacken sind immer ein Alarmsignal und mit dem Verschwinden der Symptome sollte man sich nicht zufrieden geben. Eine eingehende Abklärung der Ursachen ist entscheidend wichtig, um einen drohenden Schlaganfall vielleicht sogar vermeiden zu können.
Immer ist ein Apoplex für den Patienten eine Erkrankung, die sein Leben bedroht und entscheidend verändert. Auch nach einer raschen Klinikaufnahme und Behandlung bleiben oft Behinderungen zurück. Selbst wenn der Betroffene nicht bewusstlos ist und selbstständig atmen und schlucken kann, sind Lähmungen einer Körperseite häufig. Anfangs ist der Patient oft völlig auf Hilfe angewiesen, kann weder alleine aufstehen, essen oder trinken noch sich waschen. Es dauert oft Monate, bis sich die Lähmungen zurückbilden. Eine intensive Physio- und Ergotherapie, bei Sprachstörungen auch eine spezielle logopädische Therapie, sind so wichtig wie die medizinische Behandlung. Sollten auch Konzentration, Gedächtnis, Lese- und Rechenvermögen geschädigt sein, gibt es auch dafür Trainingsprogramme.
Viele Schlaganfallpatienten werden durch die Erkrankung völlig aus ihrem bisherigen Leben gerissen. Manchmal dauert es Monate, bis sie wieder ihrer Arbeit nachgehen können. Häufig muss sogar eine Umschulung durchgeführt werden, da sie den Anforderungen im bisherigen Beruf nicht mehr nachkommen können. Bei schwer Betroffenen kommt es vor, dass sie dauerhaft so stark behindert bleiben, dass Arbeiten nicht mehr möglich ist. Viele Patienten bleiben dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen, so dass oft die Wohnung gewechselt oder umgebaut werden muss.
Das Leben nach einem Schlaganfall ist nicht mehr dasselbe wie vorher. Auch kleinste Hinweise auf ein solches Ereignis sollten deshalb immer sehr ernst genommen werden. Besonders gefährdet sind Menschen, die bereits an einer Zuckerkrankheit, Herzrhythmusstörungen oder Herzklappenerkrankung leiden. Auch ein kürzlich durchgemachten Herzinfarkt erhöht das Risiko für einen Apoplex. Eine Hirnblutung betrifft oft Patienten mit hohem Blutdruck. Die beste Vorsorge zur Vermeidung eines Schlaganfalles wäre also die konsequente Behandlung dieser Risikofaktoren.
Bücher zum Thema:
– Risiko Schlaganfall
– Homöopathische Schlaganfalltherapie
– Aktiv gegen Herzinfarkt und Schlaganfall
– Schlaganfall: So finden Sie wieder Mut
Links zum Thema:
– http://www.schlaganfall-hilfe.de/
– http://www.schlaganfall-info.at/