Kümmel - der Gewürzklassiker
Christa Becker | Donnerstag, den 9. Februar 2006
Ausgrabungen aus der Jungsteinzeit belegen es: der Kümmel ist eines der ältesten in Europa verbreiteten Heil- und Gewürzkräuter. Er gehört damit nicht zu den exotischen Gewürzen, die ihren Weg aus Amerika, Asien oder Afrika erst vor einigen Jahrhunderten zu uns fanden. Sein Anbau war aber nicht nur auf Europa beschränkt. Schon die alten Ägypter gaben ihren Verstorbenen alle für sie unentbehrlichen Dinge mit in das Grab, um sie für die Reise ins Reich der Toten auszustatten, die Früchte des Kümmels gehörten auch dazu.
Er ist vor allem bekannt als typisches Gewürz für die deftigen Schmorgerichte, die im Winter besonders beliebt sind: Ob süddeutscher Zwiebelkuchen, schweizer Käsefondue, Irish Stew oder ungarisches Gulasch, alle verdanken ihren Geschmack dem Kümmel. Besonders Kohlgerichte oder Eintöpfe mit Fleisch und Gemüse, aber auch Brot oder Brötchen aromatisiert das Gewürz. Beachten sollte man, dass Kümmel nach etwa 30 Minuten Kochzeit einen bitteren Geschmack annimmt. Besser wäre es deshalb, ihn erst einige Minuten vor Ende des Kochvorganges zuzufügen. Für die Küche ist Kümmel als ganze Früchte oder in gemahlener Form zu haben.
Auch in der Naturheilkunde nimmt der Kümmel schon lange einen festen Platz ein. Die Liste seiner Vorzüge ist lang: Er regt den Appetit an und fördert die Verdauung vor allem fetter Speisen, indem er die Produktion von Magensäften anregt. Zudem hilft er gegen Völlegefühl und Bauchkrämpfe und löst Blähungen. Dass man die schweren, meist auch fetten Wintergerichte damit würzt, macht also durchaus Sinn. Auch stillende Mütter wissen ihn zu schätzen, denn Kümmel regt die Milchbildung an.
Die enthaltenen Gerbstoffe und ätherischen Öle entfalten übrigens in jeder Form ihre Wirkung. Im Norden Europas schätzt man ihn deshalb auch als Likör oder Branntwein, bekannt sind vor allem der norddeutsche Kümmel und der skandinavische Aquavit. Wer den typischen Geschmack des Kümmel nicht mag, kann zu Fertigpräparaten in Form von Kapseln oder Kräuterteemischung aus Apotheke oder Drogerie greifen, um die Heilwirkung für sich zu nutzen. Häufig findet man Kümmel in Kombination mit Kamille, Anis und Fenchel, die sich ebenfalls bei Verdauungsbeschwerden bewährt haben. Aber selbst in der Kosmetikbranche findet der Kümmel Verwendung, viele Seifen und Parfums verleiht er eine Spur seines würzigen Duftes.
Ein Anbau der Pflanze im eigenen Garten ist durchaus möglich, die Ernte ist allerdings nicht sehr ergiebig. Kümmel wird bis zu einem Meter hoch und ist mit seinen filigranen Blätter und weissen Blüten ein sehr dekoratives Exemplar aus der Familie der Doldengewächse. Im zweiten Jahr nach der Aussaat können die Früchte geerntet werden. Das Aroma ist übrigens in allen Pflanzenteilen wie Stängel und Blätter enthalten, am intensivsten aber in den reifen Früchten.
Was wir heute als fertiges Gewürz kaufen, ist meist in Holland, Deutschland, Nordafrika oder Osteuropa kultiviert worden. Verwandt mit unserem Kümmel sind auch der nicht nur in asiatischen Küche beliebte Kreuzkümmel und der orientalische Schwarzkümmel. Ausser dem Namen haben diese Kümmelarten aber nicht viel gemeinsam, die Aromen sind sehr unterschiedlich und ein einfacher Austausch in der Küche deshalb nicht möglich.
Bücher zum Thema:
– Edelsüss und Rosenscharf
– Das grosse Buch der Gewürze
– Die grosse Schule der Gewürze
– Lexikon der Gewürze
Christa Becker | Donnerstag, den 9. Februar 2006
Veröffentlicht in Naturheilmittel
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