Huna - Heilungsgeheimnisse von den Hawaii-Inseln
Dr. med. Ingfried Hobert | Mittwoch, den 7. Dezember 2005
Aus dem Feuer geboren, vom Regen gesegnet, von der Sonne geküsst und vom Wind geformt: Die Hawaii-Inseln gehören zweifellos zu dem Schönsten, was die Natur jemals geschaffen hat. Ganz gleich aus welcher Perspektive man sie betrachtet, sie sehen aus wie glänzende Edelsteine, die von traumhaften Stränden eingefasst und vom Blau des Stillen Ozeans eingerahmt sind. Sie sind jedoch nicht nur berühmt für ihre Vulkane, ihre rätselhaften Täler und die wunderschönen Strände, sondern auch für Mythen und Legenden.
Jede einzelne der Insel birgt eine eigene Magie und Mystik in sich, die sich in einer ganz besonders fröhlichen Lebensweise und Weisheit ihrer ursprünglichen Bewohner widerspiegelt. Die Menschen untereinander verbindet der Aloha Spirit, der in der ganzheitlichen Lebenskunst des Ka Huna zum Ausdruck kommt. Er ist Teil einer einzigartigen und faszinierenden Lebenskunst, hervorgebracht von Menschen, die seit Urzeiten „mit dem Vulkan tanzen“.
Die Menschen schöpfen ihre Lebenskraft und Gesundheit aus einer tiefen Freude und Liebe zur Natur und deren Elemente, mit denen sie sich tief verflochten fühlen. Lieben und Leben, freudvoll wirken, die Schönheiten der Natur kraftvoll geniessen, Hula tanzen und mit den Elementen feiern und dabei eins werden mit Mana, jener spirituellen Kraft, die alles Belebte und Unbelebte miteinander verbindet und beseelt. Eine naturnahe Lebenskunst, die sich durch Einssein mit der äußeren und der eigenen inneren Natur auszeichnet und so Glück erfahrbar werden lässt.
Diese Begegnung mit dem Aloha Spirit ist das Geheimnis von Hawaiis spiritueller Kraft und gehört zum Kern des alten überlieferten Heilwissens der Kahuna Schamanen. Die sogenannten Kupuas heilen mit „Pule“, d.h. mit Gebeten und Ritualen, die die unsichtbaren Kräfte (Mana) der Natur und der Naturgötter (Tikis) anrufen und aktivieren, um so die Lebensenergie wieder herzustellen. Götterstatuen, die sogenannten Tikis, sind als sichtbare Residuen der Götterwelt bei Heilungen immer zugegen. Im Verständnis von Huna ist jede Art von Störung der Gesundheit die Auswirkung von gestauter bzw. blockierter Lebensenergie, die eine Fehlprogrammierung im Zellgedächtnis ausgelöst hat. Ziel der Behandlung ist eine Entstauung und Lösung der Blockade, damit Lebensenergie wieder frei fließen kann.
Das Heilungsritual der Kupua
Ein Mann, sein Name ist Pohaku, war bei einer Feier so unglücklich gestürzt, dass es schien, als habe er sich das Schienbein gebrochen. Er hatte stärkste Schmerzen und konnte nicht mehr auftreten. Man wollte ihn gerade ins Krankenhaus nach Honolulu zum Röntgen und Eingipsen bringen, da erinnerte man sich einer alten Frau, die des Heilwissens der Kupua (Schamanen) mächtig war und nur wenige Häuser weiter wohnte. Dort brachte man ihn hin. Sie erklärte sich bereit, ihn unverzüglich zu heilen, erst müsse sie jedoch einige Vorbereitungen treffen.
Mit Hilfe eines Ki-Blattes versprengte sie um den Kranken herum frisches Quellwasser, um auch den Raum zu reinigen. Ein Tiki wurde in der Nähe des Kranken mit Blick zu ihm aufgestellt. Um böse Geister zu vertreiben, begann die Kupua alsdann sanft mit Ki-Blättern über den Körper des Kranken, den sie zuvor auf ein Bett aus Ki-Blättern hatte legen lassen, zu streichen. Mit einer Mixtur aus frischem Quellwasser und Salz wurde dann von ihr das Bein gewaschen. Dann massierte und bearbeitete sie den betroffenen Unterschenkelknochen mit ihren Händen. Dabei verrichtete sie ein leise singendes Pule-Gebet.
Anschließend legte sie ihre Hände auf das Bein des Mannes, während sie weiter sang. Man konnte sichtbar spüren, wie die Heilkräfte aus den Händen zu dem Patienten übertraten, denn sein zuvor schmerzverzerrtes Gesicht klärte sich mehr und mehr. Die Prozedur dauerte gute 30 Minuten. Plötzlich stieß sie einen lauten Schrei aus, nahm die Hände weg und sprang in die Höhe. Dann sah sie den verdutzten Patienten an und sagte in hawaiianischer Sprache:“ Sie sind geheilt, stehen Sie auf, Sie können wieder gehen“. Der Verletzte stellte sich verwundert auf seine Füße und konnte tatsächlich wieder gehen – ohne Schmerzen.
Die Wirkung der Pule (Suggestionsheilung)
Nach der Lehre der Kahunas (Meister des verborgenen Wissens) sind Gedanken unsichtbare, reale kleine „Energie-Wesen“. Diese werden auf einem Strom von Vitalkraft (Mana) vom Schamanen zu dem Kranken getragen. Dies geschieht durch Auflegen der Hände, durch Blicke oder den Klang der Stimme. Suggestives Heilen ist somit das Einpflanzen starker Gedankenformen in das niedere Selbst des Empfängers. Die Wirksamkeit ist abhängig von der Reinheit und der überlegenen Geistigkeit des aussendenden Schamanen, insbesondere aber von seiner Vitalkraft. Von grosser Wichtigkeit ist sodann die Bereitschaft des niederen Selbst des Empfängers, diese Gedankenformen und Energien aufzunehmen.
Das Geheimnis, dem niederen Selbst die Gedankenform einer Suggestion aufzuzwingen, liegt in der Auslösung eines physischen Stimulans, etwas körperlich Realem, das vom niederen Selbst mit seinen Sinnen wahrgenommen werden kann und es glauben lässt, dass etwas Echtes hinter der Suggestion steckt. Um eine tiefsitzende Blockade (z.B. der feste Glaube an einen Bruch) zu löschen, bedarf es eines gewaltigen Schocks, der mit einer überwältigenden Vitalkraftladung (z.B. Schrei) gekoppelt ist. Die magische Heilpflanze Ki (Dracaena terminalis) hat in der hawaiianischen Tradition eine besondere Bedeutung bei der Reinigung eines Kranken von bösen Geistern, die Energie stehlen und die Heilung behindern können.
Bei meinen mehrfachen Aufenthalten auf den Inseln Maui und Kauai durfte ich zahlreichen Heilsitzungen beiwohnen. Die Zeremonien sind eindrucksvoll anmutend. Mir selbst lief mehr als einmal ein Schauer über den Rücken. Die unsichtbaren Kräfte, die hier am Werk sind, haben mich bis heute tief berührt.
Dr. med. Ingfried Hobert ist Arzt für Allgemeinmedizin mit dem Schwerpunkt Naturheilverfahren und Traditionelle Tibetische Medizin in eigener Praxis (An der Friedenseiche 5, 31515 Steinhude am Meer, Tel. 0049-(0)5033/95030, Fax. 0049-(0)5033/950333). Sein besonderes Interesse gilt der Erforschung traditioneller Heilverfahren anderer Kulturen mit dem Ziel, dort effektive und praktisch anwendbare Ansätze ganzheitlicher Heilung zu finden. Er ist Autor zahlreicher Gesundheitsratgeber wie z.B. „Die Praxis der tibetischen Medizin“ und „Die Medizin der Aborigines“ sowie Begründer und Leiter der Ethnomed Akademie für visionäre Medizin.
Bücher zum Thema:
– Die Medizin der Aborigines
– Heilungsgeheimnisse der Aborigines
– Essenzen der Liebe
– Gesundheit selbst gestalten
– Algen- und Thalasso-Therapie
– Die Praxis der Traditionellen Tibetischen Medizin
– Heilung aus dem Ozean
– Das Heilbuch für das neue Jahrtausend
– Handbuch der natürlichen Medizin
Links zum Thema:
– http://www.drhobert.de/
– http://www.medicalcity.de/
– http://www.ethnomed.de/
Dr. med. Ingfried Hobert | Mittwoch, den 7. Dezember 2005
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