Die Chirotherapie - Heilen mit Handarbeit
Christa Becker | Freitag, den 25. November 2005
Die ältesten Aufzeichnungen über eine Chirotherapie stammen aus Indien, wo bereits vor einigen Jahrtausenden verschobene Wirbel mit Händen oder Füßen wieder zurechtgerückt wurden.
Die moderne Form dieser Behandlung zählt zu den manuellen Therapien (siehe auch Artikel Osteopathie), und aus dem Griechischen kommt ihre Bezeichnung: „chiros“ bedeutet Hand. Nur mit seinen Händen und ohne jegliche Hilfsmittel arbeitet der Therapeut am Patienten. Und eine abgeschlossene Ausbildung als Arzt, Heilpraktiker oder Physiotherapeut ist Voraussetzung für die Zusatzqualifikation „Chiropraktiker“. Denn ganz risikofrei ist die Behandlung nicht. Das „Knacksen“, das bei dieser Therapie häufig, aber nicht immer auftritt, deutet darauf hin, dass hier Knochen und Gelenke verschoben werden.
Mit Gewalt oder großer Krafteinwirkung hat das „Einrenken“ jedoch nichts zu tun. Das Geräusch entsteht, wenn zwei Knochen aus der bestehenden Fehlstellung wieder mit Fingerspitzengefühl an die richtige Stelle gerückt werden.
Der Behandlung geht immer eine ausführliche Befragung des Patienten voraus, oft mit Betrachten oder Anfertigen von Röntgen- oder CT-Bildern. Erst dann folgt auf eine Untersuchung die eigentliche Chirotherapie. Der Therapeut ertastet die Stelle, wo zwei Wirbel oder zwei Knochen eines Gelenks sich nicht in der richtigen anatomischen Position befinden. Mit leichtem Zug und Druck korrigiert er die Stellung der beiden Knochen zueinander. Oft empfindet der vorher schmerzgeplagte Patient sofort eine deutliche Erleichterung, manchmal ist auch eine Wiederholung der Behandlung einige Tage später erforderlich. Übereinstimmend wird aber gesagt, dass nach spätestens drei bis vier Manipulationen die Behandlung beendet werden sollte, falls sie bis dahin keinen Erfolg gezeigt hat. Eine Besserung der Beschwerden durch die Chiropraktik ist dann nicht mehr zu erhoffen.
Nur bei ganz bestimmten Krankheitsbildern ist diese Therapie hilfreich. Dazu gehören Gelenkfehlstellungen im Bereich der Rückenwirbel, beim sogenannten Tennisarm sowie bei Arthrosen von Hüft-, Schulter- oder Kniegelenk. Aber auch bei Symptomen wie Tinnitus, Kopfschmerzen, Schwindel oder Sehstörungen ist oft eine Fehlstellung der Wirbel im Halsbereich die Ursache. Wird diese Blockade gelöst, verschwinden oft unmittelbar nach der Therapie sämtliche Beschwerden. Vor einer Behandlung müssen selbstverständlich alle anderen möglichen Gründe ausgeschlossen werden.
Die Risiken einer Chirotherapie sollten dem Patienten selbstverständlich vor der Behandlung genau erläutert werden. Dazu gehören gerade bei Manipulationen im Wirbelsäulenbereich die Gefahr einer Nervenschädigung bis hin zur Querschnittslähmung. Die Halswirbelsäule ist dabei der empfindlichste Bereich. Misslingt die Behandlung, kann die Durchblutung der Arteria vertebralis, die das Gehirn versorgt, vorübergehend unterbrochen werden. Diese Störung der Blutkreislaufs kann schwerwiegende Komplikationen mit sich bringen bis zum Auftreten eines Schlaganfalls. Bei einem bestehenden oder bereits operierten Bandscheibenvorfall sollte der Chiropraktiker ebenfalls nicht eingreifen, hier sind andere Methoden angebracht. Auch bei akuten entzündlichen Krankheiten, einer Blutgerinnungsstörung oder beim Vorliegen einer Osteoporose muss auf diese Behandlung verzichtet werden. Der eventuelle Schaden wäre größer als der Nutzen. Wegen der bestehenden Risiken übernehmen die meisten Krankenversicherungen die Chirotherapie nur dann, wenn sie von einem Arzt mit der entsprechenden Zusatzausbildung durchgeführt wird.
Bücher zum Thema:
– Chirotherapie von Kopf bis Fuß
– Arbeitsbuch Chirodiagnostik und Chirotherapie
– Manuelle Therapie
– Leitfaden Manuelle Therapie