Kranke Venen - keine Bagatelle
Christa Becker | Sonntag, den 20. November 2005
Das ist doch nur ein kosmetisches Problem, denken viele beim ersten Auftreten feiner blauer Äderchen oder kleiner Verdickungen am Unterschenkel. Die Phlebologen, Fachärzte für Gefässe und deren Erkrankungen, sind da völlig anderer Meinung: Krampfadern und Besenreiser werden im Anfangsstadium meistens unterschätzt. Viele Patienten begeben sich erst dann in Behandlung, wenn die Veränderungen zu Schmerzen oder geschwollenen Beinen geführt haben. Oft ist dann eine sanfte Behandlung schon nicht mehr möglich.
Besenreiser, die feinen, bläulichen Äderchen, sind oft die ersten Vorboten von Krampfadern. Diese entstehen, wenn die Venen ihrer eigentlichen Aufgabe nicht mehr nachkommen, nämlich das „verbrauchte“ Blut zum Herzen und zu den Lungen zurückzutransportieren, um erneut mit Sauerstoff angereichert zu werden. In gesundem Zustand arbeiten die Venen gegen die Schwerkraft, indem sie das Blut mit Hilfe der Venenklappen, die einen Rückfluss verhindern, Richtung Herz befördern. Durch Bewegungen der Arme und Beine unterstützt die Muskulatur diese Pumpbewegung. Sind die Venenklappen nicht mehr intakt, staut sich das Blut in den Gefässen und Krampfadern entstehen.
Es gibt leider viele Ursachen für solche Gefässerkrankungen. Studien zeigen eine auffällige familiäre Häufung, eine genetische Disposition wird demnach als sicher angenommen. Zum anderen tragen Übergewicht, Zuckerkrankheit und Herzerkrankungen zu einer Schädigung der empfindlichen Blutgefässe bei. Auch überwiegendes Arbeiten im Stehen gilt als Risikofaktor. Dass besonders viele Frauen von der Erkrankung betroffen sind, wird dem weiblichen Sexualhormon Progesteron zugeschrieben, welches zu einer Erweiterung der Venen führt. Auch eine Schwangerschaft strapaziert das Venensystem: durch das wachsende Gewicht der Gebärmutter kommt es häufig zu Stauungen im Bereich der Beckenvenen.
Wer an Krampfadern leidet, beklagt oft am Abend „Füsse wie Blei“, besonders an heissen Tagen sind die Beine geschwollen und fühlen sich schwer an. Die Mangeldurchblutung der Haut führt zu einer trockenen, empfindlichen Haut, nach einigen Jahren häufig zum gefürchteten Beingeschwür, von dem überwiegend ältere Menschen betroffen sind. Oft dauert es Monate, bis das Geschwür wieder zum Abheilen gebracht werden kann.
Wer seine Venen möglichst lange gesund erhalten oder bei bereits bestehenden Krampfadern eine Verschlechterung vermeiden möchte, kann sich mit genügend Bewegung und einem normalen Körpergewicht viel Gutes tun. Die Haut an den Beinen sollte intensiv gepflegt und beobachtet werden. Eine Hochlagerung der Beine macht den erkrankten Venen die Arbeit etwas leichter, auch Stützstrümpfe haben diesen Effekt. Zu enge Kleidung, die im Bereich der Beine oder des Beckens die Durchblutung stören könnte, sollte man meiden.
Mit Tabletten oder Tee aus Buchweizen haben viele Patienten gute Erfahrungen gemacht, längerfristig eingenommen führen diese zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden. Auch durch eine Serie mit Lymphdrainage kommt es in vielen Fällen zu einer Abschwellung und damit Entlastung der Beine, wenn diese auch nicht anhaltend ist. Dasselbe trifft aber leider auch auf die Laser-Therapie, eine Verödung oder chirurgische Behandlung zu. Auch hier kommt es nur zu einer vorübergehenden Besserung, die eigentliche Grunderkrankung, nämlich die Aufweitung der Venen mit der resultierenden Fehlfunktion der Venenklappen, ist leider nicht behandelbar. Der Erfolg einer solchen Behandlung hält oft einige Jahre an, bis an anderer Stelle erneut Krampfadern auftreten.
Bücher zum Thema:
– Venen-Fitness
– Arterien- und Venenleiden erfolgreich behandeln
– Das A.-Vogel Venen-Buch
– Venenleiden
– Diagnostik und Therapie der Krampfadern
Christa Becker | Sonntag, den 20. November 2005
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