Vital heute


Lymphdrainage - Entlastung und Entspannung
Christa Becker | Mittwoch, den 16. November 2005

LymphdrainageDr. Emil Vodder heißt der Erfinder der manuellen Lymphdrainage. Gemeinsam mit seiner Frau entwickelte der dänische Physiotherapeut in seinem Institut in Cannes vor 70 Jahren nach intensiven Studien diese Massageform, die heute weltweit geschätzt wird.

Nach großflächigen Verbrennungen, bei gestauten Beinen mit Venenproblemen oder nach Krebsoperationen im Bereich von Brust oder Unterleib mit Entfernung der Lymphknoten bringen diese Massagen Besserung und Erleichterung. Auch bei rheumatischen und neurologischen Erkrankungen, bei bestimmten Formen von Allergien und Hautkrankheiten, bei chronischen Atemwegsinfekte mit starker Verschleimung sowie bei Kopfschmerzen wurden gute Erfahrungen damit gemacht.

Unser Lymphsystem ist ein wichtiger Bestandteil des körpereigenen Immunsystems. Es besteht aus feinen Gefäßen und dicken Knoten, ist mit einer milchigen Flüssigkeit (Lymphe) gefüllt und verläuft wie ein Netzwerk parallel zum Venensystem unter der Haut. Die Aufgabe dieses Systems ist der Abtransport von abgestorbenen Zellen und überschüssigem Wasser aus den Zellzwischenräumen zurück in den Blutkreislauf, wo sie über Leber und Nieren ausgeschieden werden. In den Lymphknoten befinden sich außerdem viele weiße Blutkörperchen (Leukozyten). Sie filtern aus der Lymphe körperfremde Zellen wie Bakterien und Viren heraus und vernichten sie. Dadurch wird unser Körper vor Infektionen geschützt.

Bei einer Verletzung des Systems oder nach Entfernung eines Lymphknotens kann die Lymphe nicht mehr richtig fließen und staut sich unter der Haut. Diese teigige Schwellung nennt der Mediziner Ödem. Die Diagnose eines Ödems ist leicht zu stellen: Drückt man am Schienbein oder Unterarm mit einem Finger leicht auf die Haut, bleibt eine kleine Delle zurück. Auch die Lymphknoten können anschwellen, wenn in ihrem Bereich eine Infektion durch Bakterien oder Viren auftritt. Bei einer Hals- oder Mittelohrentzündung sind die Knoten unter dem Ohr oder dahinter sichtbar verdickt und oft schmerzhaft. Auch bei Krebserkrankungen können die Lymphknoten vergrößert sein, verursachen aber meistens keine Schmerzen.

Die sanfte, kreisende Massage bringt das Lymphsystem wieder in Schwung und bewirkt einen Weitertransport der gestauten Flüssigkeit, damit diese ausgeschieden werden kann. Nach Verletzungen regt sie die Neubildung von Lymphgefäßen an. Sie ist deshalb auch in der Betreuung von Sportlern ein wichtiger Faktor. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft und wird als angenehm empfunden. Diesen Effekt macht man sich auch im Kosmetik- und Wellness-Bereich zunutze: nach einer Lymphdrainage der Beine fühlt man sich um Pfunde leichter, wenn dabei auch kein Fett zum Schmelzen gebracht wird. Und die Gesichtsmassage bei der Kosmetikerin bewirkt nicht nur ein strahlendes Aussehen, sondern einfach Entspannung pur, und das nicht nur im Bereich der Gesichtsmuskulatur.

Es gibt wenige Krankheiten, bei denen auf die Lymphdrainage verzichtet werden sollte. Dazu gehören alle akuten Entzündungen, insbesondere des Venensystems, noch nicht behandelte Krebserkrankungen, Blutgerinnungsstörungen und Herzschwäche.

Bücher zum Thema:
Ödeme und Lymphdrainage
Manuelle Lymphdrainage in der Ganzheitskosmetik
Manuelle Lymphdrainage
Die manuelle Lymphdrainage in der Kosmetik