Lichttherapie - dreimal natürlich wirksam
Christa Becker | Mittwoch, den 9. November 2005
Jedes Jahr im Frühling freuen wir uns darüber: sobald die Sonne wieder mehr Licht und Wärme ausstrahlt, verbessert sich unsere Stimmung. Und das ist Lichttherapie! Verantwortlich für diesen Effekt ist die vermehrte Produktion von chemischen Botenstoffen im Gehirn.
Zunehmende Lichteinstrahlung bewirkt, dass mehr Serotonin und Noradrenalin ausgeschüttet werden, die sogenannten „Gute-Laune-Macher“. Bei abnehmendem Licht im Herbst werden diese Botenstoffe wieder gedrosselt und mehr Melatonin gebildet, ein Hormon, das den Schlaf fördert. Viele Menschen leiden deshalb in der lichtarmen, kalten Jahreszeit unter einer Winterdepression, auch SAD für “Saisonal abhängige Depression” genannt. Die Betroffenen fühlen sich lustlos und immer müde, klagen häufig über vermehrten Appetit und Gewichtszunahme sowie über eine gedrückte Stimmung.
Seit einigen Jahren gibt es eine Therapie gegen diese Form der Depression: die Behandlung mit fluoreszierendem Licht in einer Stärke von 10 000 Lux. Zweimal täglich für etwa 30 Minuten angewandt, reduziert die Lichttherapie die Ausschüttung von Melatonin und regt die „Gute-Laune-Macher“ an, bewirkt also einen künstlichen Frühling. Sonnenbrand oder ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs (siehe Artikel Die Schattenseite der Sonne – der Hautkrebs) brauchen die Patienten dabei nicht zu fürchten, denn die Lampen geben keine UV-Strahlen ab. Manche Patienten gehen zur Behandlung in eine Arztpraxis oder Klinik, andere haben sich ein solches Lichttherapiegerät für zuhause angeschafft, um unabhängig zu sein. Den meisten Patienten bleibt damit nicht nur die jährliche Depression erspart, sondern auch der Einsatz von Psychopharmaka. Auch dem Schichtarbeiter, der unter einem verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus leidet und nicht mehr ausreichend Schlaf findet, kann eine solche Lichttherapie helfen. Die Bestrahlung bringt die innere Uhr wieder ins Gleichgewicht. Bei weiteren Krankheiten wie Bulimia nervosa wird ein positiver Einfluss der Lichttherapie beobachtet, ist aber noch nicht vollständig erforscht.
Während Menschen mit einer Winterdepression sich vor der kalten Jahreszeit fürchten, ist es bei Psoriasis-Kranken genau umgekehrt: Sie leiden im Sommer ganz besonders unter ihrer Schuppenflechte. Ihnen hilft eine zweite Form von Lichttherapie, die auch bei Neurodermitis, Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) und chronischen Handekzemen eingesetzt wird (siehe Artikel Badesalz gegen trockene Haut?). Gerade wenn eine lokale Behandlung mit Salben keine Besserung gebracht hat oder sehr große Hautareale betroffen sind, kann gezielt mit UVA- und UVB-Strahlen therapiert werden. Durch das Auftragen einer Salbe oder mit einem Badezusatz, der die Haut für das Licht aufnahmefähiger macht, kann die Wirkung der Bestrahlung noch gesteigert werden. Diese Kombinationsbehandlung wird PUVA genannt und ist eine photochemische Therapie mit UVA-Strahlen. Einen Nachteil hat diese Lichttherapie allerdings: Die Patienten tragen durch die Behandlung ein erhöhtes Risiko für ein vorzeitiges Altern der Haut oder sogar eine Hautkrebserkrankung. Deshalb kann diese Therapie nur unter Aufsicht eines Arztes und nicht in Selbstbehandlung stattfinden, damit Nutzen und Risiko gut abgewogen werden.
Die dritte Therapie, die sich die Kraft der Strahlen zunutze macht, hilft Neugeborenen mit einer Gelbsucht. Dabei tritt in den ersten Lebenstagen des Babys eine gelbliche Verfärbung der Haut und der weißen Augäpfel auf. Die Ursache ist eine zu hohe Bilirubinkonzentration im Blut. Kurz nach der Geburt kann die Leber häufig ihrer Aufgabe, diesen gelb-grünen Blutfarbstoff aus dem Blut herauszufiltern, noch nicht genügend nachkommen. Bleibt der Bilirubinspiegel weiterhin hoch, kann das zu einer Schädigung von Gehirn und Hörvermögen führen. Zur Behandlung wird das Baby in einen Brutkasten gelegt und mit blauem Licht bestrahlt. Dies hilft dem Körper, das Bilirubin rascher abzubauen. Schon nach einigen Tagen kann die Therapie meist beendet werden.
Andere Formen von Lichttherapie, etwa im Solarium, können nicht empfohlen werden. Die Risiken sind im Vergleich zum Nutzen viel zu hoch (siehe auch „Die Schattenseite der Sonne – Hautkrebs”).
Bücher zum Thema:
– Die heilende Kraft des Lichts
– Lichttherapie
– Herbst-/Winterdepression und Lichttherapie
– Rat und Hilfe bei Schuppenflechte
– Psoriasis
– Neurodermitis und Allergien
Christa Becker | Mittwoch, den 9. November 2005
Veröffentlicht in Heilmethoden
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