Vital heute


Hypnosetherapie - kein Showeffekt
Christa Becker | Freitag, den 28. Oktober 2005

HypnosetherapieSchon vor 200 Jahren versetzte Franz Anton Mesmer (1734-1815) mittels Hypnose die Damen der feinen Gesellschaft in Hysterie. Auch Sigmund Freud therapierte vor der Entwicklung der Psychoanalyse seine Patienten damit. Erfunden haben die beiden die Hypnose allerdings nicht.

Bereits 6 000 Jahren vor unserer Zeit war die Methode im alten Ägypten weitverbreitet und gehörte zu den anerkannten ärztlichen Behandlungen. Die meisten Menschen stehen der Hypnose heute eher skeptisch gegenüber, da sie durch Fernsehshows den Eindruck gewonnen haben, man sei einer Beeinflussung durch den Hypnotiseur willenlos ausgeliefert. Mit ernsthafter Hypnose als Therapie haben diese Showeinlagen aber wenig zu tun. Ein Psychiater namens Milton Erickson (1901-1980) entwickelte vor über 30 Jahren in den USA eine moderne Form der Hypnose, wie sie heute von Ärzten und Therapeuten angewandt wird.

Das griechische Wort „Hypnos“ bedeutet Schlaf, mit Schlaf- oder Traumzuständen hat diese Methode aber nichts zu tun. Während einer Hypnose verändert sich unser Bewusstseinszustand, so dass wir unsere Umwelt kaum noch wahrnehmen und uns dafür völlig auf unsere Erinnerungen und Gefühle konzentrieren können. Diesen Effekt macht man sich in der Hypnosetherapie zunutze. Im Zustand tiefer Entspannung lenkt der Therapeut unsere Aufmerksamkeit auf verschüttete oder nicht bewusste Fähigkeiten, die noch in uns verborgen sind. Der Therapeut kann nur betonen oder ans Licht holen, was bereits vorhanden ist. Auch unter der Hypnose kann er uns nichts einreden oder tun lassen, womit wir nicht einverstanden ist.

Die Hypnose zählt zu den Suggestionstechniken. Wir kennen alle ein Beispiel für Autosuggestionen. Wenn wir uns selbst vor einer Prüfung sagen: „Das schaffe ich nie!“, werden wir sie auch nicht bewältigen. Sind wir dagegen optimistisch und gelassen und denken: „Ich werde diese Prüfung gut bestehen“, dann sind unsere Chancen auf Erfolg tatsächlich sehr groß. Wenn wir unter Hypnose statt Kritik oder Selbstzweifel eine positive Verstärkung hören, können wir uns das zu eigen machen. Die Therapie stärkt uns also den Rücken und lässt uns mit Stress besser umgehen.

Die Hypnosetherapie wird heute bei zahlreichen Krankheiten erfolgreich angewandt. Besonders gut wirkt sie bei psychosomatischen Erkrankungen, die anderen Behandlungen nur schwer zugänglich sind. Dazu gehören komplizierte Krankheitsbilder mit körperlichen und seelischen Beschwerden wie Spannungskopfschmerzen, Neurodermitis und Psoriasis, Reizdarm, Tinnitus und Drehschwindel. Auch vor Operationen hilft die Hypnose gut gegen starke Ängste und in der Chemotherapie bei Krebsleiden gegen Übelkeit und Erbrechen. Auch nach einer unangenehmen Magen- oder Darmspiegelung berichten Patienten mit vorangehender Hypnosebehandlung, weder Angst noch Schmerzen empfunden zu haben.

Auch psychische Krankheiten sind der Methode gut zugänglich. Bei Depression, Angstattacke, Verhaltensstörung oder Zwangshandlung hat sie große Erfolge. Besonders Patienten nach einem schweren Trauma können damit wieder ihr inneres Gleichgewicht finden. Waren sie vorher überzeugt, dass sie gelähmt, stumm oder taub seien, kann die Hypnose den Realitätsbezug wieder herstellen. Ein weiterer Schwerpunkt der Hypnosetherapie sind Raucherentwöhnung und Gewichtsabnahme. Der Entschluss des Patienten zu einer gesünderen Lebensführung kann durch den Therapeuten gestärkt, die seelische Abhängigkeit vom Patienten als solche erkannt werden. Aus der resignierten Überzeugung „Ich kann einfach nicht aufhören zu essen“ kann die entspannte Haltung „Ich esse mit Genuss und weiß, was mir gut tut“ werden. Die Hypnose hat schon vielen geholfen, aus guten Vorsätzen endlich Taten werden zu lassen.

Bücher zum Thema:
Moderne Hypnosetechnik
Hypnose lernen
Hypnotherapie
Nichtraucher durch Selbsthypnose