Robert Koch und seine Revolution der Medizin

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Robert Koch und seine Revolution der Medizin

Christa Becker | Dienstag, den 4. Oktober 2005

Robert KochWir kennen sein Bild: ein grauhaariger Herr mit Brille und Bart. Er wirkt sanft, hat aber die Medizin seines Jahrhundert revolutioniert. Als er am 11.12.1843 in eine Bergmannsfamilie aus Clausthal-Zellerfeld im Harz mit insgesamt 13 Kindern hineingeboren wurde, ahnte noch niemand, dass der Name Robert Koch einmal überall auf der Welt bekannt sein würde.

Nach seiner Promotion und dem Staatsexamen arbeitete Koch zunächst in Wollstein (dem heutigen Wolstyn in Polen) als Landarzt, forschte intensiv an der Züchtung und Färbung von Bakterien mit anschließenden Tierversuchen. 1876 gelang ihm sein erster großer Wurf: die Entdeckung, dass die gefürchtete Krankheit Milzbrand durch einen lebenden Erreger hervorgerufen wurde. Es war eine Sensation!

1880 wurde er deshalb aus der Provinz nach Berlin an das Kaiserliche Gesundheitsamt berufen. Hier hatte er die Möglichkeit, seine Forschungen auszubauen. Zwei technische Neuerungen halfen ihm bei seiner Arbeit. Das Mikroskop war zwar schon im 17. Jahrhundert erfunden worden, aber der deutsche Forscher war einer der ersten, der es zur Entdeckung von Infektionskrankheiten zu nutzen wusste. Auch die Fotographie bezog Koch in seine Arbeit mit ein, um das Gefundene auch dokumentieren und verbreiten zu können. Die Desinfektion von Flächen und Instrumenten bekam von Robert Koch ebenfalls einen entscheidenden Impuls: er fand heraus, dass die bis dahin verwendete Karbolsäure weniger wirksam bei der Abtötung von Keimen war als einfacher, heißer Wasserdampf.

Am 24.03.1882 hielt er einen Vortrag über die ‚Ätiologie der Tuberkulose’, nachdem er den Krankheitserreger im Mikroskop entdeckt hatte. Die Tuberkulose war damals eine gefürchtete Krankheit und eine wirkungsvolle Behandlung nicht bekannt. War ein Mitglied der Familie an der Seuche erkrankt, infizierten sich oft auch die übrigen Angehörigen rasch, da man über die Ausbreitung und Ursache keine Kenntnisse hatte. Kochs Entdeckung war deshalb eine Revolution, die ihn weltweit bekannt machte. Endlich war man dieser Seuche nicht mehr ratlos und hilflos ausgeliefert, sondern kannte die Ursache, die Zusammenhänge und auch die Möglichkeit, sie einzudämmen. Kochs Traum von einer Impfung gegen diese Volkskrankheit ging nicht in Erfüllung, trotzdem hat er unzähligen Menschen das unvermeidliche Schicksal einer schweren Krankheit und eines qualvollen, oft sehr frühen Todes ersparen können.

In den folgenden Jahren leitete Koch einige wissenschaftliche Expeditionen, 1883 war er zur Erforschung der Cholera in Ägypten und Indien unterwegs. Auch dort war seine Arbeit erfolgreich, der Keim der Krankheit konnte von ihm gefunden werden. Er entdeckte außer den krankmachenden Bakterien noch den Zusammenhang zwischen schlechter Ernährung und verseuchtem Trinkwasser mit der Infektion, was uns heute eine Selbstverständlichkeit ist. Seine Arbeit kam zahlreichen Hamburger Bürgern zugute, als 1892 eine Cholera-Epidemie in der Stadt ausbrach und dank der neuesten Forschung bald eingedämmt werden konnte.

Die wissenschaftliche Abteilung des ‚Königlich Preußischen Instituts für Infektionskrankheiten’ wurde 1891 eröffnet und von Professor Robert Koch als Direktor bis 1904 geleitet. Heute trägt das Institut den Namen des berühmten Forschers und wird von der deutschen Bundesregierung betrieben, um Infektionskrankheiten zu erkennen, zu verhüten und zu bekämpfen. Das dort etablierte, bundesweite Meldesystem über Infektionskrankheiten gilt international als vorbildlich. Und das Forschungszentrum ist wie zu Robert Kochs Zeiten eine Institution von Weltruf geblieben, die ständig mit der WHO, der Weltgesundheitsorganisation der UN, zusammenarbeitet.

Koch blieb zeitlebens der Bakteriologie verbunden, die er mitbegründet und große Schritte vorangebracht hatte. Tierseuchen interessierten ihn ebenso wie die damals weit verbreiteten Krankheiten Malaria und Schlafkrankheit, deren Übertragungswege noch nicht bekannt waren. Für seine Verdienste bei der Erforschung der Tuberkulose erhielt Robert Koch 1905 den Nobelpreis. Am 27.05.1910 ist er bei einem Kuraufenthalt in Baden-Baden gestorben. Auf seinen Wunsch hin wurde er eingeäschert, seine Urne befindet sich heute im Mausoleum des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Wir alle verdanken Robert Koch viel. Nicht nur die Entdeckung der Erreger vieler Infektionskrankheiten ist sein Verdienst, er hat auch Generationen von Forschern angeregt, in seine Fußstapfen zu treten und seine Arbeit fortzuführen.

Bücher zum Thema:
Robert Koch
Basiswissen Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie
Die kommenden Plagen


Christa Becker | Dienstag, den 4. Oktober 2005

Veröffentlicht in Biographien

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