Die Chinesen wissen es schon lange: die Medizin hat eigentlich die Aufgabe, uns gesund zu erhalten. Im alten China wurden Ärzte dafür bezahlt, dass ihre Kunden gar nicht erst erkrankten. Es hat lange gedauert, bis diese Einstellung auch den westlichen Teil der Welt erreichte.
Auch einem Forscher aus den USA haben wir es zu verdanken: Aaron Antonovsky (1923-1994). In einer Studie über Frauen in den Wechseljahren fand der Medizinsoziologe zu seinem eigenen Erstaunen heraus, dass viele Patientinnen gut mit körperlichen und seelischen Problemen fertig wurden und sich selbst als gesund bezeichneten, obwohl sie den Holocaust nur knapp überlebt hatten. Andere Frauen, die ein nach außen hin unkompliziertes Leben hatten, litten dagegen sehr unter ihren Beschwerden.
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Menschen neigen dazu, nach einem traumatischen Erlebnis jede neue Erfahrung durch die Linse der Wunde zu sehen, die ihnen beigebracht wurde. Und irgendwann beschreiben sie ihr Leben als eine Folge von Katastrophen, gegen die sie machtlos sind, weil ihre verwundete Vergangenheit ihnen alle positiven Gelegenheiten geraubt hat.