Der Gartenkürbis - die Arzneipflanze des Jahres 2005
Christa Becker | Montag, den 26. September 2005
Der Kürbis als dekorative Gartenpflanze ist uns allen wohlbekannt. Es gibt unglaublich viele Formen und Farben, die im Herbst Balkon, Terrasse oder Haus schmücken. Kürbisse sind einjährig und wachsen rasch, bilden lange Triebe und hübsche gelbe oder weiße Blüten aus.
In der Küche wird der Kürbis für Suppe, Gratin sowie als Gemüse verwendet. An Halloween, der Nacht vor Allerheiligen, ist der Kürbis vor allem in den USA unentbehrlich, um Gruselgesichter daraus zu schnitzen. In Afrika werden Kalebassen angebaut. Dieser Flaschenkürbis dient kunstvoll verziert und ausgehöhlt als Gefäß für Wasser oder Vorräte, aber auch als Klangkörper für Musikinstrumente.
Schon seit Jahrtausenden wird der Kürbis kultiviert, er hat von Mittel- und Südamerika aus die Welt erobert. Für die dortigen Indios war er neben Mais und Bohnen eine der wichtigsten Nutzpflanzen. Weil er als Arzneipflanze aber immer noch ein Schattendasein führt, hat der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg den Gartenkürbis (Cucurbita pepo) zur Arzneipflanze des Jahres 2005 gewählt.
Zur industriellen Herstellung von Medikamenten werden die Kerne des Arzneikürbis verwendet, weil in diesen die größte Heilwirkung nachgewiesen werden konnte. Verantwortlich dafür sind die im Kürbis hochkonzentrierten Phytosterine, also pflanzliche Hormone. Dass Kürbiskerne wirksam sind, wird auch von der Schulmedizin anerkannt.
Allein in Deutschland leiden schätzungsweise 4 Millionen Männer, meist ab dem 60. Lebensjahr, unter einer gutartigen Prostatavergrößerung, die zu einer Störung der Harnausscheidung führt. Die Blase fühlt sich ständig übervoll an, lässt sich aber nicht vollständig entleeren. Oft müssen die Betroffenen sogar nachts mehrmals die Toilette aufsuchen, können nicht mehr durchschlafen, weil der Druck auf der Blase zu groß geworden ist. Eine Therapie ohne Nebenwirkungen ist diesen Patienten also hochwillkommen, auch wenn die Ursache, nämlich die Vergrößerung der Prostata, nicht beeinflusst werden kann. Ist die Krankheit noch nicht zu weit fortgeschritten, führt die Therapie mit Kürbiskernen oder fertigen Extrakten jedoch zu einer spürbaren Besserung der lästigen Beschwerden. Allerdings müssen Kerne oder Kapseln über mindestens 8 bis 12 Wochen eingenommen werden, um eine Wirkung zu erzielen. Aber auch den Frauen hilft der Kürbis: Die Wirkstoffe stärken allgemein die Blase, wirken harntreibend und helfen so gegen die Reizblase. Bei dieser Störung spüren die Betroffenen einen ständigen Druck auf der Blase, obwohl diese nicht oder kaum gefüllt ist und auch keine Entzündung vorliegt. Eine Infektion sollte natürlich vor einer Behandlung mit Kürbiskernen vom Arzt ausgeschlossen werden.
Natürlich muss man nicht krank sein, um vom Kürbis zu profitieren: die Kerne schmecken sehr lecker und ergänzen bunte Mischsalate mit ihrem knackigen Biss. Die Vitamine B, C und E sind darin enthalten, auch das Provitamin A, viele Mineralstoffe und wertvolle ungesättigte Fettsäuren. Aber auch das Kürbisfleisch hat viel zu bieten: Ballaststoffe für eine gesunde Verdauung, Enzyme und Mineralien sowie Carotinoide, die der Körper für eine gute Immunstärke benötigt. Und 100 Gramm Kürbisfleisch enthalten nur 6 Kalorien, ein Grund mehr, um Kürbis öfter auf den Speiseplan zu setzen.
Neben Samen und Fruchtfleisch bietet der Kürbis aber noch ein drittes, das Öl. In der Steiermark wächst ein spezieller Ölkürbis, dessen Kerne fast keine Schalen haben und sich leicht auspressen lassen. Das Kürbiskernöl ist eine Rarität und bei Feinschmeckern wegen seines milden Geschmacks sehr begehrt. Dass dieses Öl auch eine heilende Wirkung bei Blasen- und Prostataproblemen hat, ist den Gourmets eher nebensächlich.
Bücher zum Thema:
– Kürbis
– Das Kürbis-Kochbuch
– Das große Buch vom Kürbis
– Kürbis & Co.
– Kürbiskerne, Kürbisöl
– Kelten, Kürbis, Kulte