Alzheimer - Krankheit und Schicksal
Christa Becker | Dienstag, den 2. August 2005
Das ist nur das Alter, denken anfangs viele Betroffene und deren Angehörige, wenn erste Zeichen von Verwirrtheit auftreten. Bei über einer Million Deutscher ist aber eine Demenz die Ursache. Unter einer Demenz versteht man den Abbau der bisherigen geistigen Leistungsfähigkeit.
Etwa die Hälfte aller Demenzkranken leidet an Morbus Alzheimer, die meisten davon sind über 65 Jahre alt und Frauen etwas häufiger als Männer betroffen. Der Neurologe und Psychiater Alois Alzheimer (1864-1915) beschrieb 1906 als erster Forscher die Symptome einer Patientin und die auffälligen Veränderungen in ihrem Gehirn. Weltweit trägt die Erkrankung deshalb seinen Namen.
Bei der Alzheimer-Krankheit gehen aus noch ungeklärter Ursache Nervenzellen zugrunde, wodurch das Gehirn schrumpft. Außerdem ist die Konzentration der neuronalen Botenstoffen im Gehirn erniedrigt, so dass Signale nicht mehr von einer Zelle zur anderen weitergegeben werden. Eine genetische, also vererbte Ursache wird diskutiert, konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden. Die meisten Alzheimer-Patienten leben nach der Diagnosestellung noch etwa 10 Jahre. Die Auswirkungen der Krankheit sind dramatisch: der Erkrankte findet nach einem Einkauf nicht mehr nach Hause, verlegt den Hausschlüssel, hält ratlos eine Haarbürste in der Hand und weiß nicht mehr, wie der Gegenstand heißt noch wie er ihn benutzen soll. Die Familie des Patienten muss sich darauf einstellen, dass sie zunehmend mehr gebraucht wird, der Betroffene wahrscheinlich bald nicht mehr mit Geld umgehen und unter starken Stimmungsschwankungen leiden kann, sogar Frau und Kinder ihm plötzlich völlig fremd erscheinen. Auch das Sprechen fällt den Patienten zunehmend schwer und die Beweglichkeit lässt nach.
Eine Wiederherstellung der zerstörten Nervenzellen ist bislang noch nicht möglich. Seit einigen Jahren hat die Pharmaindustrie aber Wirkstoffe entwickelt, die den Mangel an neuronalen Botenstoffen ausgleichen können. Die medikamentöse Therapie kann die Krankheit nicht heilen, den Verlauf aber verlangsamen. Die Kranken haben dadurch für einige Jahre mehr Lebensqualität und können länger selbstständig handeln. Aus Angst vor der Diagnose also lieber nicht zum Arzt zu gehen, ist also der falsche Weg.
Viele Alzheimer-Patienten, bei denen die Krankheit frühzeitig erkannt und mit Medikamenten behandelt wurde, können wichtige Entscheidungen noch selbst treffen, etwa ein Testament machen, ihre weitere Betreuung oder Geldgeschäfte regeln und eine Patientenverfügung treffen. Die meisten Erkrankten finden neben der medikamentösen Behandlung auch eine Sport- oder Kunsttherapie sehr hilfreich, weil ihnen Bewegung, Malen oder andere kreative Tätigkeiten in einer Gruppe viel Vergnügen bereiten. Auch die häufig bei Alzheimer-Patienten auftretende Depression und die zunehmende Interesselosigkeit können durch die Aktivität in einer Gruppe gemildert werden. Ist die Krankheit noch nicht so stark ausgeprägt, sollten unbedingt die Angebote einer Tagespflegeeinrichtung oder von Therapiestunden genutzt werden.
Die Belastung für die Familie eines Erkrankten ist hoch, so dass häufig nach einigen Jahren doch die Entscheidung für eine Unterbringung im Pflegeheim getroffen werden muss. Niemand in der Familie sollte deshalb ein schlechtes Gewissen haben oder sich mit der Pflege völlig überfordern. Auch für die Angehörigen von Patienten bedeutet die Diagnose Alzheimer ein schweres Schicksal, auch sie brauchen Hilfe und Unterstützung. Eine gute Information über die Krankheit und ihren Verlauf wäre ein erster Schritt, es gibt inzwischen zahlreiche Bücher, die empfohlen werden können. Selbsthilfegruppen für Familienangehörige tragen durch ihren offenen Austausch mit anderen Betroffenen dazu bei, dass niemand sich allein gelassen fühlen muss.
Weil das durchschnittlich erreichte Lebensalter in der Bevölkerung kontinuierlich ansteigt, werden leider auch die Demenzerkrankungen zunehmen. Dies bedeutet andererseits für alle Forscher sicher Ansporn genug, um der Ursache und den Behandlungsmöglichkeiten der Alzheimer-Krankheit auf der Spur zu bleiben.
Bücher zum Thema:
– Demenz und Alzheimer verstehen – mit Betroffenen leben
– Alzheimer. Was tun, wenn die Krankheit beginnt?
– Abschied zu Lebzeiten
– Alzheimer
– Ich hörte dich so gerne lachen
Links zum Thema:
– http://www.deutsche-alzheimer.de/
– http://www.alois.de/
– http://www.alz.ch/
– http://www.alzheimerforum.ch/
– http://www.alzheimer-gesellschaft.at/
– http://www.alzheimer-selbsthilfe.at/
Christa Becker | Dienstag, den 2. August 2005
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