Salbei - die universelle Heilpflanze
Christa Becker | Mittwoch, den 20. Juli 2005
Der Salbei nimmt eine Sonderstellung unter den vielen Heilkräutern ein: „ Warum stirbt ein Mensch, wenn in seinem Garten Salbei wächst?“ sagten die Menschen im ausgehenden Mittelalter. Der Name des Salbei stammt von dem lateinischen „salvare“, was heilen und retten bedeutet. Paracelsus bezeichnete den Salbei sogar als „Kraut der Unsterblichkeit“.
Das Ansehen des Salbei ist seit Jahrhunderten unverändert hoch, er ist heute sogar die bekannteste Heilpflanze. Im Jahr 2003 wählte der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilkunde den Salbei zur Pflanze des Jahres. Während die meisten Kräuter gegen eine bestimmte Krankheit wirksam sind, gilt der Salbei als ein universelles Heilmittel. Er ist unglaublich vielseitig einsetzbar.
Hildegard von Bingen, die wohl berühmteste Kräuterkundige des Mittelalters, schätzte den Salbei sehr. Bei allen Erkrankungen der Atemwege, sei es Husten oder Halsschmerzen, empfahl sie die Anwendung von Salbei in Form von Tee oder zum Gurgeln. Wir haben es heute einfach: es gibt in jeder Apotheke ein breites Sortiment von Lutschpastillen und Hustenbonbons, die sofort den Hustenreiz und das Kratzen im Hals lindern. Vielfach kann eine fortschreitende Entzündung bis hin zur Angina verhindert werden, wenn man sofort bei den ersten Anzeichen zum Salbei greift. Aber auch bei Entzündungen von Zahnfleisch oder Mundschleimhaut hilft das Gurgeln mit Salbeitee oder fertiger Lösung sofort. Auch bei Magen-Darm-Infekten kann man einen Versuch mit Salbei machen.
Die ätherischen Öle des Salbei wirken desinfizierend, lassen also Viren und Bakterien keine Chance. Gleichzeitig wird die Durchblutung angeregt und die obere Zellschicht „abgedichtet“. Die meisten Krankheitserreger werden abgetötet, die Übriggebliebenen können nicht mehr so gut durch die Schleimhäute eindringen und falls doch, werden sie durch die Fresszellen im Blut, eine Art Körperpolizei, sofort bekämpft.
Aber noch eine ganz andere, sehr geschätzte Wirkung hat der Salbei: er hemmt die Aktivität der Schweißdrüsen, hilft sehr überzeugend gegen vermehrtes Schwitzen. Frauen in den Wechseljahren, die unter plötzlichen Schweißausbrüchen leiden, kann ein Versuch mit Salbei in Form von Tee oder Dragees sehr empfohlen werden. Es hilft tatsächlich, ohne dass man in den Hormonhaushalt eingreifen muss. Und gegen übermäßiges Schwitzen an den Füßen hilft ein Fußbad mit einem Aufguss aus Salbeiblättern.
Zu Heilzwecken wird jedoch nur Salvia officinalis genutzt, die anderen Arten sind ausschließlich eine Zierde für den Garten. Salbei gehört zur Familie der Lippenblütler und ist in etwa 900 Sorten auf dem Markt zu haben. Zum guten Gedeihen braucht er einen sonnigen, trockenen Standort. Die Blätter sind flauschig behaart und variieren in der Farbe zwischen grün, gelb und silbrig, es gibt aber auch Salbei mit panaschierten, also mehrfarbigen Blättern. Zur Blüte kommt der Salbei zwischen Mai und Juli. Mit seinen Blütenfarben von Rot, Weiß, Blau bis Violett macht er in jedem Blumenbeet eine gute Figur. Er kann zu einer Größe von 70 cm heranwachsen und übersteht den Winter mit seinen verholzenden Zweigen gut. Vom Bund deutscher Staudengärtner wurde der Salbei zur „Staude des Jahres 2003“ gewählt. Er gehört damit zu den meist beachteten und geschätzten Pflanzen überhaupt, als Heilpflanze und als Staude.
Zu guter Letzt kann Salbei auch in der Küche hervorragend eingesetzt werden. Die Blätter lassen sich gut trocknen und bewahren dabei ihr Aroma, das sich übrigens am besten beim Anbraten in Fett entfaltet. Besonders in Italien ist das Kochen mit Salbei sehr beliebt. Er passt – auch in Kombination mit Zitronensaft – sehr gut zu Pastasoßen, zu hellen Fleischsorten wie Pute und sogar zu Fisch. Das bekannteste Rezept heißt „Saltimbocca alla romana“: Kleine Kalbsschnitzel und feine Scheiben aus Parmaschinken werden getrennt voneinander angebraten, vor dem Servieren werden auf jedem Schnitzel eine Scheibe Schinken und ein Blatt Salbei mit einem Zahnstocher befestigt. Probieren Sie es aus, Sie werden herausfinden, warum dieses Gericht übersetzt „Spring in den Mund“ heißt! Aber auch eine Leckerei namens „Salbeimäuschen“ kann ich Ihnen empfehlen. Dazu werden Salbeiblätter in Pfannkuchenteig getaucht und im heißen Fett ausgebacken.
Bücher zum Thema:
– Salbei – Natürlich heilen mit Salbei
– Mein Kräuterkörbchen
– Salbei
– Von Salbei, Klee und Löwenzahn