Vital heute


Die grüne Soße von Goethes Mutter
Christa Becker | Dienstag, den 5. Juli 2005

Grüne SoßeJohann Wolfgang von Goethe soll sie sehr gern gegessen haben, die grüne Soße seiner Mutter. Wer sie probiert hat, weiß warum: in allen Varianten, ob mit Frühlings- oder Sommerkräutern zubereitet, schmeckt sie immer wieder anders und immer gut!

Und dass Goethe in jeder Hinsicht ein Feinschmecker und Kenner war, ist bekannt. Seinen Garten mit dem berühmten Gartenhäuschen im Park an der Ilm in Weimar bekam der Dichter im Jahr 1776 von Herzog Carl August, seinem Dienstherrn, geschenkt. Goethe machte sich sofort daran, aus dem verwilderten Garten ein kleines Paradies zu erschaffen. Er gab dem Garten seine Grundstruktur, plante Kiesflächen mit Mosaiksteinen, verschiedene Sitzplätze und Sichtachsen. Eigenhändig pflanzte er Bäume und Blumenrabatten, legte Gemüse- und Kräuterbeete an.

Zahlreiche Notizen belegen, dass er sich wirklich selbst um Haus und Garten gekümmert hat. Und noch heute ist der im englischen Landschaftsstil angelegte Park an der Ilm zu besichtigen, an dessen Rand Goethes kleines Gartenhaus liegt. Auch sein Garten wurde inzwischen wieder so bepflanzt, wie er zu seinen Lebzeiten ausgesehen haben mag. Goethe hat in Weimar noch ein zweites, größeres und damit repräsentativeres Haus bewohnt, das Haus am Frauenplan. Auch hier wurde nach seinen Vorgaben der rückwärtige Garten gestaltet und kann heute besichtigt werden. Allerdings wurden die früheren Gemüsebeete jetzt in Rasenflächen umgewandelt. Beide Häuser und ihre Gärten sind eigenartig im besten Sinne und zeigen immer noch die Handschrift ihres einstigen Besitzers. Ein Besuch auf Goethes Spuren in Weimar lohnt sich, die „Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen“ kümmert sich sehr liebevoll darum, seine beiden Häuser mit den Gärten als lebendige Geschichte zu erhalten.

Aber nicht aus Weimar, sondern aus Goethes Frankfurter Heimat stammt das Rezept für eines seiner Lieblingsgerichte.

Originalrezept der Grünen Soße nach Frau Rat Goethe:

Zutaten:
1 Eßlöffel Butter
1-2 Eßlöffel Mehl
¼ Liter heiße Milch
Salz, Pfeffer und Muskat
Saft von ½ Zitrone
6 Eßlöffel gehackte Kräuter, es sollten 7 verschiedene Sorten sein
(je nach Saison Petersilie, Schnittlauch, Dill, Basilikum, Zitronenmelisse, Liebstöckel, Estragon, Kerbel, Salbei, Kresse)

Zubereitung:
Butter in einem Topf schmelzen lassen, Mehl einstäuben und goldgelb anschwitzen. Nach und nach unter ständigem Rühren mit heißer Milch auffüllen. 10 Minuten köcheln lassen.
Kräuter untermischen und Sauce mit Gewürzen und Zitronensaft abschmecken.

Dazu passen Kartoffeln und hart gekochte Eier, die in der heißen Soße gereicht werden.

Ich kenne nur wenig vegetarische Rezepte, die so einfach nachzukochen und so lecker sind! Im Winter, wenn frische Kräuter etwas rar sind oder wenn es schnell gehen muss, kann man dieses Rezept auch mit einer fertigen Kräutermischung aus dem Tiefkühlregal zubereiten.

Wem ein Rezept aus Goethes Epoche bei weitem nicht reicht, dem sei das Buch „Genießen wie Goethe. Kräuter und Gemüse aus des Dichters Zeit“ von Carola Sedlacek und Blanka Weber empfohlen. Eine Historikerin und eine Journalistin, die gemeinsam ein Buch über Goethe und seine Liebe zum Essen schreiben – das ist nicht alltäglich und für Kunst- und Kochbegeisterte ein Leckerbissen.

Link zum Thema:
http://www.klassik-stiftung.de/