Morbus Parkinson - die Krankheit des Muhammad Ali
Christa Becker | Dienstag, den 24. Mai 2005
Wir haben ihn alle schon im Fernsehen bewundert, vielleicht vor Jahren als erfolgreichen Boxer, jetzt als Mensch, der zeigt, dass man trotz einer jahrelangen Parkinson-Erkrankung ein aktives Leben führen kann: Muhammad Ali.
Bei der Olympiade 1996 in Atlanta stand er zitternd und strahlend auf einem Podest und entzündete das olympische Feuer. Wie er sich persönlich und finanziell für die Miterkrankten und die Forschung einsetzt, ist eindrucksvoll. Ein anderer prominenter Patient war Papst Johannes Paul II. Es wird geschätzt, dass allein in Deutschland etwa 200000 Menschen an der Krankheit leiden.
Benannt wurde sie nach James Parkinson, einem englischen Arzt und Apotheker, der die Symptome als erster wissenschaftlich erfasste und 1817 seine Studien über „Die „Schüttellähmung“ veröffentlichte (diese Bezeichnung ist heute nicht mehr gebräuchlich). Als Ursache hatte Dr. Parkinson allerdings eine Erkrankung der Halswirbelsäule vermutet.
Wir wissen heute, dass eine Erkrankung des Gehirns, genauer gesagt der Basalganglien, die Parkinson-Erkrankung auslöst. Die Basalganglien bestehen aus verschiedenen Nervengruppen, deren Aufgabe die Planung und Ausführung von Bewegungen ist. Die Substantia nigra (schwarze Substanz) ist Teil der Basalganglien. Sie produziert den Neurotransmitter Dopamin und leitet ihn an den Corpus striatum (Streifenkörper) weiter. Aus noch unbekannter Ursache gehen bei der Parkinson-Erkrankung immer mehr Zellen in der Substantia nigra zugrunde und es kommt zu einer Mangelversorgung mit Dopamin. Aber erst wenn 70 % der Nervenzellen zerstört sind, kommt es zu den bekannten Symptomen des Morbus Parkinson.
Die Krankheit beginnt schleichend und wird oft von den Patienten und ihren Familien erst nach Monaten oder Jahren wahrgenommen. Überwiegend sind Menschen über 65 Jahre betroffen, so dass zu Beginn meistens von einem Alterungsprozess ausgegangen wird und nicht von einer Krankheit, die behandelt werden kann. Zunächst fällt die Akinese auf, eine Verlangsamung und Verarmung der Bewegungsabläufe. Die Erkrankten können sich nur noch mühsam und schwankend vom Sitzen erheben, machen kleine Schritte mit nur geringer oder fehlender Mitbewegung der Arme, neigen dabei zu Stolpern und Stürzen. Auch im Gesicht bemerkt man deutliche Veränderungen: es wirkt ausdruckslos, Mimik und Augenzwinkern sind stark reduziert oder fehlen sogar ganz. Das Sprechen wird deutlich leiser, oft klingt die Stimme heiser oder monoton. Die Schrift verändert sich, wird kleiner und schlecht lesbar.
Das zweite Symptom ist der Rigor, einer Erhöhung der Muskelspannung vor allem in Nacken, Schultern und Beinen. Der Kopf und Oberkörper sind nach vorne geneigt, die Arme angewinkelt. Als drittes und auffälligstes Symptom kommt der Tremor dazu, das typische Zittern der Hände und manchmal auch der Füße. Daumen, Mittel- und Zeigefinger machen dabei eine typische Bewegung, die aussieht, als wollten sie eine kleine Kugel drehen. Man nennt dieses Symptom deshalb auch „Pillendrehertremor“.
Häufig sind vegetative Veränderungen bei den Betroffenen zu beobachten. Viele berichten über starken Speichelfluss oder das Gegenteil, eine unangenehme Mundtrockenheit. Es kann zu Schluckstörungen, Schweißausbrüchen oder Harnentleerungsstörungen kommen. Auch die Psyche ist von der Krankheit betroffen. Die Patienten leiden unter Depressionen, Antriebsarmut, Angst und Unruhe. Oft ziehen sie sich zurück und verlassen nur ungern das Haus. Auch eine gewisse Starrheit in Denkprozessen ist dokumentiert und die Erkrankten können sich nur schwer auf Neues einlassen. Bei jedem zeigt sich ein anderes Krankheitsbild, manche Symptome fehlen ganz und andere sind dagegen sehr stark ausgeprägt.
Eine Heilung der Parkinson-Erkrankung ist leider noch nicht möglich, obwohl weltweit daran geforscht wird. Aber es gibt einige Medikamente, die für die Lebensqualität den Betroffenen eine entscheidende Verbesserung bringen. Vor 40 Jahren machten Forscher die Entdeckung, dass die Aminosäure L-Dopa (auch Levodopa genannt) von den noch gesunden Zellen der Substantia nigra zur Produktion von Dopamin genutzt werden kann. Eine zweite Gruppe von Medikamenten, die sogenannten Dopaminagonisten, bieten zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten. Die optimale Einstellung und Anpassung der Medikamente kann einige Wochen dauern, ein zu hoher Dopaminspiegel kann zu Halluzinationen (Sinnestäuschungen) führen. Eine kontinuierliche ärztliche Begleitung ist deshalb für jeden Parkinson-Patienten wichtig.
Weil Bewegungen dem Erkrankten schwer fallen, ist zusätzlich zu der medikamentösen Behandlung eine gezielte Therapie durch einen Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten sinnvoll. Wer die Möglichkeit hat, diese Bewegungstherapie in einer Gruppe durchzuführen, hat einen doppelten Nutzen: die Beweglichkeit wird verbessert und der oft mit der Krankheit verbundene soziale Rückzug verhindert. Eine eiweiß- und calciumhaltige Ernährung ist eine gute Ergänzung der Bewegungstherapie, damit es nicht zu einem Abbau der Muskulatur kommt. Bei Schluck- oder Sprechstörungen kann eine logopädische Behandlung helfen.
Bücher zum Thema:
– Die Parkinson-Krankheit
– Mein Leben mit der Parkinson-Krankheit
Links zum Thema:
– http://www.parkinson-sh.at/
– http://www.parkinson.ch/
– http://www.parkinson-selbsthilfe.de/
– http://www.parkinson-vereinigung.de/
– http://www.parkinson-net.de/