Der Mönchspfeffer - Pflanzenpower für Frauen
Christa Becker | Montag, den 23. Mai 2005
Schon wieder, denken viele Frauen jeden Monat. Kurz vor der Regelblutung leiden sie unter heftigen Bauchkrämpfen, Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerung in den Beinen oder am Bauch sowie Spannungsgefühl und Schmerzen in den Brüsten. Das sogenannte prämenstruelle Syndrom (PMS) macht so mancher Frau für einige Tage das Arbeiten schwierig oder sogar unmöglich. Außer einem Schmerzmittel oder dem Ertragen der Schmerzen gibt es doch nichts, was man tun könnte – oder doch?
Die pflanzliche Alternative zu den mit Nebenwirkungen verbundenen Schmerzmitteln heißt Mönchspfeffer. Er unterdrückt nicht die Schmerzen und Missempfindungen, sondern geht die Ursachen der Beschwerden an. Schon im antiken Griechenland war die Heilkraft des Mönchspfeffers bei Frauenleiden bekannt. Im nördlichen Europa finden sich Dokumente aus dem 1. Jahrhundert, die vom Einsatz der Heilpflanze berichten.
Vitex agnus castus, so der botanische Name, wächst auch heute noch wild im Mittelmeerraum und erreicht in einigen Jahren die Größe eines kleinen Baumes. Er gehört zu der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae) und braucht die Nähe von Wasser, man findet ihn deshalb meist in der Nähe von Küste oder Flusslauf. Seine Blätter sind gefiedert und an der Unterseite zart behaart. In Blüte steht der Mönchspfeffer von August bis Oktober und bildet danach die Samen aus, die zur Herstellung der Arznei benötigt werden. Die würzigen Samen gaben der Pflanze auch ihren Namen, da die Mönche des Mittelalters diese gern als Pfefferersatz verwendeten. Der zweite, volkstümliche Name der Pflanze, Keuschlamm, wird ebenfalls den Mönchen zugeschrieben. Der Pflanze wird nachgesagt, in einer bestimmten Dosierung die Lust zu unterdrücken, so dass die Mönche „keusch“ wie ein „Lamm“ blieben.
Das Aktuellste über den Mönchspfeffer kommt aus der Schweiz. Vor kurzem hat ein junger Forscher namens Dr. Daniel Berger das Studium der Pharmakologie abgeschlossen und seine Doktorarbeit über die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit dieser Heilpflanze beim PMS beendet. Für diese Studie wurde ihm der A.-Vogel-Preis verliehen. Über 6 Monate begleitete Dr. Berger 43 Frauen, die an typischen PMS-Beschwerden litten und dokumentierte die Wirkung von Mönchspfeffer. Bei 2/3 der Patientinnen war das Präparat sehr wirksam und auch der Gegenversuch war eindeutig: nach dem Absetzen nahmen die Beschwerden bei allen Frauen wieder zu.
Im Labor konnte inzwischen nachgewiesen werden, dass Mönchspfeffer die Prolaktinsekretion hemmt und die Progesteronbildung angeregt. Durch diese Hormonregulierung profitieren Frauen mit PMS, Zyklusstörungen und Wechseljahrsbeschwerden von der Heilkraft des Mönchspfeffers. Auch bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, wenn dieser auf Hormonschwankungen beruht, wird gelegentlich ein Versuch mit den Wirkstoffen der Heilpflanze unternommen. Bei dieser Indikation ist der Einsatz des Mönchspfeffers jedoch umstritten, weil die Wirkstoffe wie erwähnt auch die Libido senken kann, und das hilft sicherlich nicht. Bei unerfülltem Kinderwunsch ist auf jeden Fall die Abklärung der Ursache durch den Gynäkologen notwendig. In der Frauenarztpraxis hat sich der Mönchspfeffer inzwischen als meistverordnetes pflanzliches Präparat bei PMS etabliert.
In Apotheken und gut sortierten Reformhäusern ist das Pflanzenextrakt als Tee, Kapseln und Tabletten erhältlich. Da eine Beeinflussung des Hormonspiegels nicht in wenigen Tagen erfolgen kann, sollte das Präparat über mehrere Monate eingenommen werden. Gelegentlich wird beschrieben, dass der Mönchspfeffer auch die Milchbildung bei stillenden Frauen anregen soll. Da aber schwangeren und stillenden Frauen von der Einnahme abgeraten wird, weil unerwünschte Wirkungen nicht ausgeschlossen werden können, sollte in diesem Fall unbedingt nach anderen Alternativen gesucht werden. Nebenwirkungen sind beim Mönchspfeffer übrigens selten, in Einzelfällen kann es zu einer Unverträglichkeit mit Hautausschlag kommen, der nach dem Absetzen wieder verschwindet. Wechselwirkungen sind nicht bekannt.
Bücher zum Thema:
– Wir wollen ein Baby. Von Mönchspfeffer bis In-vitro.
– PMS, Die Tage vor den Tagen
– Natürliches Progesteron
– Ganz Frau und ganz gesund mit F.X. Mayr
Christa Becker | Montag, den 23. Mai 2005
Veröffentlicht in Naturheilmittel
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