Heilfasten - mehr als eine Diät
Christa Becker | Mittwoch, den 18. Mai 2005
Genauer gesagt: mit einer Diät hat das Fasten eigentlich nichts zu tun, auch wenn viele Menschen Fastentage einlegen, um ihr Gewicht zu reduzieren. Für die meisten ist es aber mehr: ein freiwilliges Verzichten, um sich von den Bedürfnissen des Körpers und der Seele unabhängig zu machen.
In fast allen Religionen und Kulturen findet man den Begriff des Fastens. Der Islam hat sogar einen jährlichen Fastenmonat, den Ramadan, währenddessen von Sonnenaufgang bis -untergang nichts gegessen oder getrunken werden darf. Im Hinduismus spricht man von Askese, einem freiwilligen Verzicht auf Nahrung. Die jüdische Religion gebietet ein Fasten als Vorbereitung auf die hohen Feiertage. Für gläubige Katholiken beginnt an Aschermittwoch die jährliche Fastenzeit, die bis Ostern dauert.
In dieser Zeit soll auf bestimmte Genussmittel wie Nikotin, Alkohol oder Süßigkeiten verzichtet werden, Varianten sind möglich, da dieses Fasten von der heutigen Kirche nicht mehr zwingend vorgeschrieben wird, sondern nur eine Empfehlung ist.
Fasten bedeutet, über einige Tage keine feste Nahrung zu sich zu nehmen. Hungern ist etwas völlig anderes! Beim Fasten stellt sich der Körper von der äußeren Nahrungszufuhr auf die körpereigenen Reserven um, von denen die meisten Menschen zu viel haben. Dabei greift der Körper für einen Tag auf die Kohlehydratreserven, danach auf die Fettpolster zu. So befreit er sich aber nicht nur von überflüssigem Fett, sondern auch von Giftstoffen. Körperliche Bewegung unterstützt diesen Effekt noch zusätzlich, so dass Fasten in Verbindung mit Wandern, Yoga oder anderen Aktivitäten immer mehr Zuspruch findet.
Den Einstieg ins Fasten findet man am leichtesten durch eine 2-tägige Vorbereitung. Die Nahrung sollte auf leichtes Essen wie Reis, Gemüsesuppe, Salat und Obst umgestellt werden. Am dritten Tag erfolgt dann – ggf. mit Unterstützung durch Sauerkrautsaft, Glaubersalz und ähnliches – eine gründliche Darmentleerung. Danach beginnt das eigentliche Fasten. Trinken muss man natürlich auch während der Fastentage; 2 – 3 Liter Kräutertee, Gemüsesaft oder Wasser sollten es pro Tag schon sein. Die optimale Länge der Fastenzeit wird allgemein mit 10 – 14 Tagen angegeben. Eine kürzere Dauer ist nicht empfehlenswert, weil der Körper erst nach einigen Tagen an die eigenen Fettreserven geht, wenn keine neue Nahrung mehr nachkommt. Am Ende der Fastentage sollte der Körper wieder langsam an feste Nahrung gewöhnt werden: etwas Obst, zum Beispiel ein Apfel, wäre optimal.
Es gibt viele Gründe, um das Heilfasten auszuprobieren. Die Gewichtsabnahme ist sicher für viele ein gewichtiger… Die meisten berichten aber nach dem Fasten, dass sie sich nicht nur körperlich fit fühlten, sondern anschließend eine Ernährungsumstellung durchführen konnten, an der sie vorher immer gescheitert waren. Und von einer ganz besonderen geistigen Wachheit und Klarheit ist auch bei fast allen, die gefastet haben, die Rede. Außerdem findet die Seele wieder ins Gleichgewicht, viele berichten sogar von einem richtigen Hochgefühl während und nach den Fastentagen. Auch der Genuss und die Freude am Essen seien nach dem Fasten viel intensiver.
Und als letztes wäre noch der positive Effekt auf die verschiedensten Erkrankungen zu erwähnen: Besonders bei Allergien, Migräne, wiederholten Erkältungen oder stressbedingten Verdauungsproblemen wird über gute Erfolge berichtet. Im Gegensatz zu den meisten Diäten gibt es beim Fasten keinen Jojo-Effekt, das heißt kein rascher Anstieg des Gewichts nach dem Ende.
Aber auch mögliche Nebenwirkungen der Tage ohne Essen sollen erwähnt sein: manche Menschen klagen über Kopfschmerzen, Müdigkeit, trockene Haut oder niedrigen Blutdruck. Bei Erkrankungen von Schilddrüse, Herz, Galle und Nieren, aber auch bei instabilem Kreislauf oder Blutdruck, bei Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder Gicht oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist ein Heilfasten in Eigenregie nicht empfehlenswert, hier sollte man sich unbedingt in ärztliche Überwachung begeben. Für Schwangere, Kinder, Krebskranke und Menschen mit Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie ist Fasten nicht geeignet.
Wer sich vorher gründlich informiert und zudem die nötige Disziplin beim Durchführen aufbringt, wird sich während der Fastentage wohl fühlen. Bei Unsicherheit oder dem Wunsch nach Fasten in einer Gruppe kann man auf eines der zahlreichen Angebote zurückgreifen, die inzwischen angeboten werden; vom etwas anderen Wellness-Urlaub im Hotel bis zum Fasten im Kloster ist alles möglich.
Bücher zum Thema:
– Wie neugeboren durch Fasten
Christa Becker | Mittwoch, den 18. Mai 2005
Veröffentlicht in Heilmethoden, Wellness
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