Maximilian Bircher-Benner - von Mäusen und Müesli

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Maximilian Bircher-Benner - von Mäusen und Müesli

Christa Becker | Montag, den 9. Mai 2005

Maximilian Bircher-Benner Die Deutschen und die Österreicher sorgen in der Schweiz für Heiterkeit: Hier kann niemand verstehen, wenn von einem „Müsli“ gesprochen wird und die bekannte Rohkostspeise gemeint ist. Für die Schweizer ist ein „Müsli“ eine kleine Maus und der Zürcher Arzt Bircher-Benner, heute einer der weltweit bekanntesten Schweizer, hat das gesunde „Müesli“ erfunden, so einfach ist das.

Die erste große Wellness-Bewegung liegt nämlich schon gut 100 Jahre zurück. Heute ist davon nicht mehr viel die Rede, obwohl manches Gute daraus hervorging und vieles wieder zu Unrecht in Vergessenheit geriet. Der Schweizer Arzt Maximilian Bircher-Benner (1867-1939) gehörte wie der Amerikaner Kellogg (siehe Artikel T.C. Boyle), dem Erfinder der gleichnamigen Cornflakes, zu den Vorreitern dieser Gesundheitsbewegung.

Bircher-Benner eröffnete 1891 seine erste Praxis in Zürich, wo er sich auch um die ganz Armen kümmerte. Er vermutete bald einen Zusammenhang zwischen Krankheit und einseitiger oder falscher Ernährung. Seiner Meinung nach war möglichst naturbelassene Kost aus Getreide, Gemüse und Früchten am gesündesten. Diese enthalte das meiste „Sonnenlicht“, durch Kochen gehe diese Energie wieder verloren. Und mit Rohkost und gesunder Lebensführung könne man sogar Tuberkulose heilen. Mit dieser Einstellung stand er anfangs ganz alleine und wurde zum Außenseiter unter seinen Kollegen. Ihm wurde sogar vorgeworfen, er habe „die Grenzen der Wissenschaft verlassen“. Man war damals der Meinung, dass möglichst viel Fleisch die beste Nahrung sei und der menschliche Organismus ganz ohne Fleisch gar nicht auskommen könne. Erst nach der Entdeckung der Vitamine und Ballaststoffe einige Jahre später fand Bircher-Benner wieder Anerkennung in Ärztekreisen. Beirren lassen hat er sich durch Kritik und Ausgrenzung nicht. Er beschäftigte sich weiter mit vegetarischer Ernährung, verschiedenen Naturheilverfahren wie der Hydrotherapie von Sebastian Kneipp (siehe Artikel Kneipp und das Gießkannenprinzip“) und der damals noch neuen Psychotherapie von Sigmund Freud. Dass Körper und Seele eine Einheit sind und immer zusammen behandelt werden müssen, war für ihn keine Frage. „Wie leicht entartet der Arzt – zum Mediziner“, sagte er noch kurz vor seinem Tod. Er hätte sich gut verstanden mit Professor Grönemeyer, der heute von Arzt sein und „Mensch bleiben“ spricht (siehe Artikel Dietrich Grönemeyer: Arzt sein – „Mensch bleiben“).

Auf die Idee, das Müesli zu entwickelt, soll er so gekommen sein: Beim Urlaub in den Schweizer Alpen bekam er in einer Hütte eine wohlschmeckende Speise aus Körnern, Nüssen, Äpfeln und Milch serviert, die er sehr schmackhaft fand und nach kleinen Änderungen in sein Ernährungsprogramm übernahm. In Kombination mit Spaziergängen, Sonnenbädern, Massagen und Vorträgen über eine gesunde Ernährung erzielte Bircher-Benner damit große Erfolge bei seinen Patienten, die bald von weit her zu ihm nach Zürich kamen. Das versetzte ihn in die Lage, 1897 am Zürichberg ein kleines Sanatorium und 1904 eine große Klinik zu gründen, die bis heute besteht und jetzt von einem seiner Enkel geleitet wird. Das Ernährungsprogramm des Gründers ist auch heute noch Hauptbestandteil der dortigen Behandlung.

Während uns das Müesli auf dem Frühstücktisch ein vertrauter Anblick ist, wurde es in der Schweiz jahrzehntelang nicht nur im Familienhaushalt, sondern auch bei der Armee, im Gefängnis, in Heimen und Kliniken hauptsächlich als „Znacht“ eingenommen, also als leichtes Abendessen, das den Körper nicht belastet. Das gilt natürlich nur für ein frisches, selbst produziertes Müesli, nicht für die meisten der Fertigprodukte. Bircher-Benner hätte den hohen Zuckeranteil und die getrockneten Früchte darin sicher nicht gut geheißen!

Bücher zum Thema:
Bircher-Benner-Handbuch Bd.8 für Rheumakranke und Arthritiskranke
Vital und lebensfroh trotz Diabetes
Vollwertküche – leicht gemacht: Müsli


Christa Becker | Montag, den 9. Mai 2005

Veröffentlicht in Biographien

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Ein Kommentar zu “Maximilian Bircher-Benner - von Mäusen und Müesli”

  1. Vital heute » T. C. Boyle - der Exot unter den Autoren

    [...] iz der Arzt Bircher-Benner sein berühmtes Bircher-Müesli kreierte (siehe Artikel Maximilian Bircher-Benner). Aber zurück zum B [...]

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