Lavendel - der Duft der Provence
Christa Becker | Freitag, den 6. Mai 2005
Wer einmal in der Provence gewesen ist, kennt diesen Anblick und diesen Duft. Die Landschaft und der La vendel passen deshalb so gut zusammen, weil beide einen herben Charme besitzen. Und diesem Charme verfällt man leicht, wie die zahlreichen Touristen wissen, die jedes Jahr im Sommer wieder nach Süden reisen.
Botanisch gehört der Lavendel wie der Rosmarin (siehe Artikel Rosmarin)zu den Lippenblütlern, wächst im Lauf der Jahre an einem guten Standort mit trockenem Boden und viel Sonne zu einem Strauch mit verholzenden Trieben heran. Beim Lavendel duften nicht nur die Blüten, sondern auch die schmalen Blätter. Im Juli und August dominiert der blauviolette Lavandula angustifolia, der Klassiker unter den Lavendelsorten, die Farben der Provence.
Besonders rund um Grasse, dem Hauptstandort der Parfümindustrie, werden riesige Felder mit Lavendel bewirtschaftet. Im dortigen Museum kann man erfahren, wie welchen Verfahren man früher aus den Duftpflanzen die kostbaren ätherischen Öle gewonnen hat. Seinen Namen hat der Lavendel übrigens vom lateinischen „lavare“ bekommen, weil sein Duft schon seit Jahrhunderten Seifen und Waschmittel zugesetzt wurde, um der Wäsche den typischen sauberen Duft zu verleihen. Die bekannte Savon de Marseille wird noch heute in einer traditionellen Blockform produziert und kommt nicht ohne Lavendel und feines Olivenöl aus.
Seit dem 11. Jahrhundert wird Lavendel in den Klostergärten nördlich der Alpen angepflanzt und zu Heilzwecken genutzt. Dass Lavendel gegen Nervosität helfen soll, ist also schon lange bekannt. Gegen Schlafstörungen werden gerne kleine Kissen genäht und mit den Blüten gefüllt, weil man ihnen eine beruhigende und entspannende Wirkung nachsagt. Den selben Zweck erfüllen ein paar Tropfen Lavendelöl direkt auf das Kopfkissen. Und wer gerne am Abend ein erholsames Bad nimmt, findet sicher ein passendes Produkt mit Lavendelzusatz. Bei Kopfschmerzen oder Migräne trägt man das Öl direkt auf die Schläfen auf. Und noch eine gute Eigenschaft hat die Pflanze: Insekten mögen diesen Duft überhaupt nicht. Wenn Ameisen auf Balkon oder Terrasse überhand nehmen, kann man Lavendelöl direkt auf die Steinplatten geben. Und Stechmücken lassen sich vertreiben, wenn man in eine Wasserschale einige Tropfen Öl gibt und in Sitzplatznähe aufstellt. Lavendel ist auch Bestandteil der meisten Duftkissen, die gegen Motten wirksam sind und deshalb zur Kleidung in Schränke und Kommoden gelegt werden. Sogar mit Lavendel behandeltes Papier zum Auslegen in Wäscheschubladen gibt es, auch Lavendel getränkte Schreibpapier habe ich schon entdeckt. Und nicht zuletzt findet man in Spezialgeschäften ein sehr angenehm duftendes Bügelwasser mit Lavendel. Wird es vor dem Bügeln auf die Wäsche gesprüht, bleibt der Duft lange haften.
Lavendel lässt sich auch in unseren Breiten gut in Garten oder Töpfe pflanzen, er ist bedingt winterhart, übersteht also einige Minusgrade unversehrt. Er mag trockene, sonnige Plätze und lässt sich im Frühjahr gut zurückschneiden. Zahlreiche neue Züchtungen haben dem klassischen Lavendel neue Farben, zum Beispiel weiß, und andere Blütenformen, wie beim Schopflavendel, gegeben. In unseren Gärten findet man Lavendel hauptsächlich als ideale Begleitpflanze neben Rosen, da diese häufig von Blattläusen befallen werden und der Lavendel das verhindern kann. Aber auch Duft und Farben der beiden Pflanzen ergänzen sich sehr harmonisch. Ein englischer Country Garden ist ohne Rosen und Lavendel nicht denkbar. Die Engländer sind auch sehr erfinderisch in der Verwendung des Lavendels in der Küche. Sie würzen ihren Braten mit den Blättern und überziehen Kuchen mit einer Mischung aus Lavendelöl, Eiweiß und Zucker.
Und wer auch im Winter von der Provence träumen will, kann sich ein typisches Stück davon ins Haus holen. Nehmen Sie ein Büschel Lavendelzweige in voller Blüte, schneiden Sie alle auf dieselbe Länge und fixieren Sie den Strauß mit einem Band. Nun knicken Sie die Stängel etwa in Höhe der Mitte nach innen um und verschnüren sie etwa 1 cm unterhalb des Knicks. So entstehen schöne ovale Körbchen, die man aufhängen kann.
Und wenn Sie jetzt noch Appetit auf ein Buch bekommen haben, gibt es meiner Meinung nach nichts, was die Stimmung der Provence so gut beschreibt wie die Bücher von Peter Mayle, einem Engländer, der seinen Traum von einem kleinen Häuschen wahr gemacht hat und sich in der Haute Provence niedergelassen hat. Seine Bücher eignen sich für das ganze Jahr: im Winter mit einem Glas Rotwein im gemütlichen Lesesessel, im Sommer natürlich im Garten oder auf dem Balkon mit dem Duft der Provence-Kräuter vor der Nase.
Bücher zum Thema:
– Mein Jahr in der Provence