Vital heute


Säure-Basen-Haushalt
Christa Becker | Freitag, den 29. April 2005

Säure-Basen-HaushaltIn der Zeitschriften- und Fernsehwerbung ist oft davon die Rede: ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt sei wichtig. Aber was ist das eigentlich, und woran kann man es erkennen, wenn er aus dem Gleichgewicht geraten ist?

Der Körper braucht Säuren und Basen, damit der Stoffwechsel funktionieren kann. Das Verhältnis von Säuren und Basen wird auf einer Skala von 1 (sauer) bis 14 (basisch) gemessen. Dieser sogenannte pH-Wert ist in den einzelnen Körperflüssigkeiten und Organen unterschiedlich hoch. Im Urin wäre ein leicht basischer pH-Wert im Bereich zwischen 7,35 und 7,45 optimal, der Magen braucht dagegen zum Verdauen der Nahrung einen stark sauren pH-Wert zwischen 1 und 2.

Die Funktion des Bindegewebes, die Durchlässigkeit der Membrane (Zellhäute) und damit die Aufnahme oder Abgabe von Stoffen, die Versorgung mit Elektrolyten (Mineralstoffen) und der Eiweiß-Stoffwechsel hängen entscheidend von einem ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt ab. Um dieses Gleichgewicht zu halten, steht dem menschlichen Organismus ein kompliziertes Regulationssystem zur Verfügung, das Schwankungen ausgleicht. Das Blut, die Lungen und die Nieren sind an diesem System beteiligt.

Nimmt man über die Nahrung zu viele Säuren auf, gerät dieses System aus dem Gleichgewicht und der Körper versucht, die überschüssige Säure auszuscheiden. Der Urin verändert sich stark zum sauren Pol und die Produktion von Magensäure wird gesteigert, was oft Sodbrennen zur Folge hat. Die Nieren erhöhen ihre Ausscheidung, um die Säure loszuwerden; als Nebeneffekt dieser Anstrengung steigt der Blutdruck. Falls nicht genug Basen zur Verfügung stehen, holen sich die Nieren Calcium aus den Knochen, was allmählich zu Osteoporose führt. Die überschüssigen Säuren können sich auch in Bindegewebe oder Muskulatur ablagern und zu Knorpelschäden in Gelenken, Weichteilrheumatismus und Verhärtungen der Muskulatur führen. Viele Menschen mit einer Azidose, also einer Übersäuerung, berichten auch über Konzentrationsschwäche, Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Besonders schwerwiegend sind die Folgen eines gestörten Säure-Basen-Haushaltes bei Patienten mit Diabetes mellitus, Gicht oder Nierenfunktionsstörung.

Bei einer ausgewogenen Ernährung neutralisieren sich Basen und Säuren gegenseitig und der Körper hat genug von allem, was er für sein Funktionieren braucht. Die meisten Menschen ernähren sich aber zu säurereich: Fleisch, Fisch, Eier, Käse, Weißmehlprodukte, Süßigkeiten, Kaffee und Alkohol gehören zu den Produkten, die säurebildend sind. Früchte, Gemüse, Salate und Wasser sind dagegen basenbildend. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen: so gehören Gemüsesorten wie Spargel, Hülsenfrüchte und Rosenkohl zu den säurebildenden Nahrungsmittel. Sie zu essen ist natürlich trotzdem gesund, da sie andere wertvolle Inhaltsstoffe haben. Auf den Geschmack kann man sich bei der Einschätzung, ob ein Lebensmittel säure- oder basenbildend ist, übrigens nicht verlassen: die Zitrone schmeckt sauer und ist trotzdem basenbildend.

Und wie kann man prüfen, ob der eigene Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht ist? Im Urin kann der pH-Wert mit einem Teststreifen (in der Apotheke erhältlich) gemessen werden, es gibt allerdings Schwankungen, die von der Ernährung und der Tageszeit abhängig sind. Wenn der Urin bei mehreren Messungen über mehrere Tage hinweg deutlich sauer ist, sollte etwas unternommen werden.

Mit Basen-Pulver kann man dem Körper bei der Regulierung helfen. Besonders bei einer Diät oder beim Fasten ist eine Zusatzversorgung mit Basen-Pulver sinnvoll. Durch den Abbau von Fettdepots fallen vermehrt Säuren an, die durch das Pulver neutralisiert werden können. Gleichzeitig stellt es dem Körper ausreichend Mineralstoffe und Salze zur Verfügung. Vor einer Einnahme sollte man sich mit seinem Arzt oder Therapeuten beraten, besonders wenn Nierenfunktionsstörungen vorliegen.

Für eine eigentlich notwendige Umstellung der Eßgewohnheiten ist das Basenpulver natürlich kein Ersatz. Nur durch eine basisch betonte Ernährung und ausreichende Bewegung kommt der Körper langfristig wieder ins Gleichgewicht. Bei körperlicher Aktivität verbraucht der Organismus Energie und wandelt dazu organische Säuren zu Kohlendioxid und Wasser um. Gut für die Gesundheit ist außerdem eine Trinkmenge von 2 Liter Wasser, Fruchtsaftschorle oder Kräutertee täglich sowie eine Ernährung, die zu 80 % aus basischen Lebensmitteln besteht.

Die Bedeutung des ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalts wird übrigens von Schulmedizinern und Heilpraktikern sehr unterschiedlich bewertet. Für letztere hat diese Regulierungsfunktion des Körpers eine entscheidende Bedeutung. Und wie so oft fehlt der letzte wissenschaftliche Beweis dafür, dass ein Ungleichgewicht tatsächlich schwere Krankheiten nach sich zieht. Dass eine gesunde Ernährung mit möglichst viel Früchten und Gemüse hingegen gut für den Körper ist, bestreitet aber auch die Schulmedizin nicht.

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