Aromatherapie - Wohlbefinden durch die Nase

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Aromatherapie - Wohlbefinden durch die Nase

Christa Becker | Dienstag, den 26. April 2005

AromatherapieViele Skeptiker – vor allem unter den Männern – fragen kritisch: „Was soll das sein: Aromatherapie?“ Frauen haben bewiesenermaßen ein besseres Riechvermögen und sind deshalb zugänglicher dafür, dass Düfte uns beeinflussen können.

Sie kennen das ganz sicher: ein bestimmtes Parfüm steigt Ihnen in die Nase und Sie sehen in Gedanken einen Menschen vor sich, der diesen Duft immer benutzt hat. Und wahrscheinlich erinnern Sie sich gleichzeitig an Gefühle, die Sie mit dieser Person verbinden: Liebe, Ärger oder Stress. Stimmung und Duft sind eng miteinander verknüpft.

Geruchserinnerungen werden im langfristigen Gedächtnis gespeichert. Wir erinnern uns also ganz besonders gut an Situationen, die mit einem bestimmten Duft verbunden sind. Das kann der Aufenthalt im Krankenhaus mit seinen spezifischen, scharfen Desinfektionsgerüchen und dem Gefühl von Angst oder Schmerz sein. Und immer, wenn Sie das Desinfektionsmittel riechen, werden diese Gefühle unkontrolliert in Ihnen aufsteigen, also auch zum Beispiel beim nächsten Arztbesuch. Wenn ich zum Beispiel Hefeteig rieche, fällt mir immer der Sonntagskuchen meiner Großmutter ein, der im Holzofenherd gebacken wurde. Der Duft des brennenden Holzes und des Hefekuchens vermischt sich in meiner Erinnerung mit dem Gefühl der Geborgenheit und Zärtlichkeit, das ich in Gegenwart meiner Großmutter immer empfunden habe.

Im Gegensatz zum Sehen können wir Ohren und Nase nicht verschließen, sind Lärm und Gerüchen ausgesetzt. Das macht sich natürlich die Marketingabteilung jedes Supermarktes zunutze, die außer den visuellen Reizen (wie die Süßigkeiten neben der Kasse) auch Duftmarken setzt, um die Kunden zum Kauf zu animieren. Besonders wenn Sie beim Einkaufen schon Hunger haben, funktioniert das bestens: Sie werden sogenannte Schlüsselreize wie Brötchen- oder Kaffeeduft wahrnehmen, den Ihr Gehirn mit Appetit verbindet. Und Sie werden deshalb mehr einkaufen, als Sie eigentlich wollten…

Und während unsere Vorfahren auf die Nase angewiesen waren, um Gefahr zu wittern (z.B. verdorbenes Fleisch oder Gemüse) oder an Nahrung zu gelangen (Erschnuppern eines Tieres auf der Jagd), ist unser Geruchssinn vergleichsweise verkümmert. Wir verlassen uns lieber auf unsere Augen. Eine Ausnahme bildet die Auswahl eines Partners, die erstaunlich häufig über die Nase getroffen wird. Manchen Körperduft empfinden wir spontan als unangenehm („Ich kann dich nicht riechen…“). Sind die Gene des Gegenübers sehr verschieden von unseren eigenen, empfinden wir seinen Körperduft wahrscheinlich als angenehm. Die Nase hilft uns also dabei, die beste genetische Ergänzung zu finden, ohne dass wir etwas davon bemerken.

Aber zurück zur Aromatherapie: Die Geschichte des Duftöls ist schon sehr alt. In Ägypten wurden die Toten mit aromatischen Salben einbalsamiert und zur Reinigung der Luft Düfte versprüht. Auch die Perser blicken auf eine alte Duftkultur zurück. Im heutigen Iran steht die Wiege der Rosenzucht, viele unserer heutigen Sorten wurden aus diesen historischen Stauden entwickelt. Schon vor 5 000 Jahren erfanden die Perser den Destillierkolben, der die Herstellung von Duftölen vereinfachte. Die Europäer entdeckten diese Kunst erst relativ spät für sich. Erst mit dem Beginn des Orienthandels wurden Weihrauch und Duftöle nach Europa importiert, hauptsächlich zu religiösen Zwecken. Venedig und Grasse (siehe Artikel Lavendel) entwickelten sich zu Handelszentren. Bis zum 13. Jahrhundert waren die Menschen vor allem von üblen Gerüchen umgeben. Es gab keine Kanalisation und keine Toiletten, ein Bad zur Körperhygiene war nicht allen möglich und auch nicht immer beliebt. Noch zur Zeit König Ludwigs XV. wurden Duftöle hauptsächlich zum Überdecken schlechter Gerüche eingesetzt. Gegen gefürchtete Krankheiten wie Pest, Cholera und Typhus wurden Riechkissen und Kräuterbündel verwendet, um den Gestank von Krankheit und Verwesung zu überdecken und weil man sich von ihnen Schutz erhoffte. Erst im 18. Jahrhundert veränderte sich die Einstellung der Menschen zum Duft. Das Parfüm wurde zum Symbol für die Kultiviertheit und den Reichtum seines Trägers, also ein Luxusartikel. Erst mit Beginn der Industrialisierung wurde der begehrte Duftstoff für viele Menschen erschwinglich. Dazu trug auch die synthetische Herstellung von Duftessenzen bei, die bald darauf begonnen wurde. Und während in der heutigen Parfümherstellung die künstlichen Aromen eine große Rolle spielen, geht unser Interesse bei der Aromatherapie wieder hin zu den natürlichen Pflanzenextrakten.

Aber wie können wir Düfte in unserem Alltag einsetzen, um bewusst ihre Wirkung zu nutzen? Eine Massage mit duftendem Öl oder ein Aromabad wird sicher unsere Stimmung heben. Fertige oder selbst hergestellte Raumsprays und das Verdampfen von Duftöl im Wasser einer Aromalampe verändern unser Raumklima. Man sollte allerdings alle Duftöle anfangs nur sehr sparsam dem Wasser zufügen, da die Intensität sehr unterschiedlich wahrgenommen wird und manch einer sagt, es sei ihm schon zuviel, was ein anderer noch als angenehm empfindet. Zur Auswahl eines geeigneten Duftöls hier ein paar Hinweise:

Lemongrass wirkt aufhellend und macht optimistisch, gibt neuen Antrieb und reinigt die Luft. Es eignet sich gut für das Arbeitszimmer, besonders bei starken Rauchern.
Lavendel entspannt und beruhigt, am besten also am Abend genießen.
Pfefferminz hilft gegen Kopfschmerzen und bei Erkältungen.
Jasmin wirkt erotisierend und betörend, riecht sehr süß und blumig.
Grapefruit und Orange wirken erfrischend und sind auch für das Kinderzimmer geeignet.

„Aromatherapie“ finde ich übrigens als Bezeichnung nicht ganz zutreffend. Sicher kann man mit Düften keine Krankheit heilen. Aber das Wohlbefinden steigern und die Stimmung beeinflussen, das gelingt dem Duft Ihrer Wahl ganz bestimmt!

Bücher zum Thema:
Aromatherapie von A-Z


Christa Becker | Dienstag, den 26. April 2005

Veröffentlicht in Wellness

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