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„Wer es könnte“ - die zarte Poesie von Hilde Domin
Christa Becker | Donnerstag, den 14. April 2005

Hilde Domin„Nur eine Rose als Stütze…“ ist der Titel eines ihrer ersten Gedichte. Und so zauberhaft geht es in ihren Büchern weiter. Hilde Domins Umgang mit der Sprache ist virtuos und unverkennbar im Stil. Es ist ihr Geheimnis, warum sie trotz eines bewegten und sehr schweren Lebens nie die Leichtigkeit im Formulieren verloren hat.

Ihre Biographie liest sich spannend: 1909 wurde sie als Hilde Palm in Köln geboren und wuchs in einer jüdischen, weltoffenen Familie auf. Zu Beginn der Naziherrschaft flüchtete sie zunächst nach Italien, wo sie Jura, Philosophie und politische Wissenschaft studierte und mit der Promotion abschloß.

Der Beginn des zweiten Weltkriegs zwang sie noch einmal zur Flucht. Nach einem Jahr in England übersiedelte sie 1940 in die Dominikanische Republik, benannte später sogar ihren Nachnamen in „Domin“ um. In den folgenden Jahren finanzierte sie ihr Leben mit Sprachunterricht und kehrte erst 1954 nach Deutschland zurück, wo sie seither lebt. Im Gegensatz zu anderen verfolgten Künstlern hat Hilde Domin innerlich nie ihr Vaterland oder ihre Muttersprache verlassen.

Relativ spät – im Alter von 42 Jahren – beginnt Hilde Domin nach dem Tod ihrer Mutter zu schreiben. Schon ihr erster, 1957 veröffentlichter Gedichtband „Nur eine Rose als Stütze“ verkauft sich sehr erfolgreich. In den letzten Jahren wurde die Dichterin mit vielen Preisen geehrt. Ihre zahlreichen Leser lieben die ganz besondere, feine Sprache und sanften Bilder. Mut und Schmerz finden Ausdruck in ihren poetischen Bilder, aber auch Hoffnung und Verlust. Ganz besonders gut gelungen ist meiner Meinung nach das Buch „Wer es könnte“, mit Gedichten von Hilde Domin und Aquarellen von Andreas Felger, der durch seine Holzschnitte bekannt wurde. Felger wurde am 01.01.1935 auf der Schwäbischen Alb geboren. Seine tiefe Spiritualität zeigt sich an seinem Lebensweg (er gehört seit Jahrzehnten einer ökumenischen Bruderschaft an) und in seinen Bildern, die oft Themen aus der Bibel oder Engelfiguren darstellen. Aber auch die Natur, ob als Blume oder Landschaft, hat ihn immer zu seinen ruhigen, heiteren Werken inspiriert. Beide Künstler müssen ein großes Einfühlungsvermögen und Einverständnis haben, denn anders ist es nicht zu erklären, dass nach kurzer Zusammenarbeit so ein Buch entstehen konnte, eine Einheit, ein Einklang von Sprache und Bild.

„Die Welt riecht süß
nach Gestern.
Düfte sind dauerhaft.

Du öffnest das Fenster.
Alle Frühlinge
kommen herein mit diesem.“

Poesie ist nicht abgehoben oder nur etwas für sentimentale Menschen: wie in diesem April-Gedicht lässt die Dichterin Bilder vor dem inneren Auge auftauchen, Erinnerungen an Düfte und Farben, an Eindrücke aus der Kindheit… Wer könnte da sagen: „Mit Gedichten kann ich nichts anfangen?“ Die Poesie der Hilde Domin ist wie ein Zauberspruch, ihre Reime bleiben im Gedächtnis haften und tauchen immer wieder daraus auf. Und wenn Sie sich jetzt fragen, wie dieser Beitrag über Hilde Domin eigentlich auf eine Seite zum Thema Gesundheit und Wellness passt, habe ich eine Antwort für Sie: Mit diesen Gedichten kann man leben.

Bücher zum Thema:
Wer es könnte
Nur eine Rose als Stütze