Kinesiologie - die Therapie in Bewegung
Christa Becker | Montag, den 4. April 2005
Kinesis – aus dem Griechischen kommt dieses Wort und bedeutet Bewegung. Und mit dem genauen Anschauen von Bewegungen und mit in Bewegung versetzen hat diese Heilmethode zu tun. Der Kinesiologe arbeitet ganzheitlich, das heißt, eine Trennung zwischen Körper und Seele gibt es für ihn nicht.
Was die Seele aus dem Gleichgewicht bringt, wird sich auch am Körper zeigen und umgekehrt. Und eine Krankheit entwickelt sich aus einer Störung dieser Balance. Aber woher kommt diese Therapie? Namentlich kaum bekannt ist der Erfinder, der amerikanische Chiropraktiker Dr. George Goodheart. Durch die tägliche Arbeit mit Patienten war seine Wahrnehmung so gut geschult, dass er sich weniger auf Röntgenbilder als auf seine Hände beim Aufspüren von Blockaden verlassen konnte.
An einem Patienten beobachtete Goodheart, dass die Schwäche eines bestimmten Muskels die Fehlstellung des damit verbundenen Knochens verursacht. Wurde der Muskel durch Übungen gekräftigt, war die Fehlfunktion des Knochens verschwunden. Allerdings ließ sich dieser Versuch nicht bei allen Patienten durchführen, bei manchen war die Methode wirkungslos. Goodheart ließ jedoch nicht locker. Er wandte sich der chinesischen Medizin und auch der Akupunktur zu (siehe Artikel Akupunktur – kleiner Stich und grosse Wirkung). Er hatte die Idee, die einzelnen Muskeln den Meridianen (Energieleitbahnen des Körpers) aus der chinesischen Medizin zuzuordnen. So war es ihm möglich, durch das Testen einzelner Muskeln Behinderungen im Energiesystem aufzuspüren. Die Kinesiologie war geboren.
Goodheart hielt ab 1964 zahlreiche Vorträge über das Thema. Seine Idee wurde immer populärer. Dr. John Thie, einer seiner Kollegen, war davon fasziniert. Er war der gleichen Überzeugung wie die Ärzte im alten China, dass Gesundheitsvorsorge die Hauptaufgabe eines Mediziners sein sollte. Thie entwickelte aus den Erkenntnissen seines Kollegen Goodheart und aus eigenen Studien eine Heilbehandlung namens „Touch For Health“, das Gesundwerden durch eine achtsame und liebevolle Berührung. Über das Ergebnis seiner Studien hat er viele Workshops gehalten und einige Bücher veröffentlicht, die inzwischen in 16 Sprachen erschienen sind. Touch For Health wird heute in 55 Ländern unterrichtet.
Ein wichtiger Bestandteil der Kinesiologie ist immer noch der Muskeltest. Hierbei drückt der Untersucher leicht auf Arm oder Bein. Kann der Untersuchte diesem leichten Druck nicht standhalten, liegt eine Störung in der Balance der Muskelkraft vor. Der nächste Schritt wäre dann, den geschwächten Muskel zu stärken. Auf diese Art und Weise kann man zum Beispiel einer Lebensmittel- oder Medikamentenallergie auf die Spur kommen, weil die Hand, in der das vermutete Allergen liegt, nicht zur vollen Kraftentfaltung kommen kann. Auch andere sogenannte Stressoren, also alles, was sich auf den Menschen negativ oder behindert auswirkt, können mit der Methode aufgespürt und danach behandelt werden („Stress-Release“). Hier finden wir wieder den ganzheitlichen Ansatz: alles, was wir fühlen, denken, essen und tun, hat Auswirkungen auf den ganzen Körper. Und so wie der Körper sich mit einer Störung zu Wort meldet, trägt er nach Meinung der Kinesiologen auch schon die Antwort auf das Beheben der Störung in sich. Mit dem Muskeltest, einer Art Biofeedback-Methode, sei beides erkennbar, die Störung und das, was dem Körper beim Gesunden helfen wird.
Das übergeordnete Ziel der Kinesiologie ist es, festgefahrene Gefühle, Überzeugungen und Verhaltensmuster so in Bewegung zu versetzen, dass jeder Mensch seinen Platz und seine eigene Weltanschauung finden kann, ohne den Ballast, den er nur übernommen hat, ein Leben lang mit sich herumzutragen.
Dass die Kinesiologie keine Methode bei schweren oder akuten Krankheiten sein kann, ist durch diese Beschreibung bereits hinlänglich erklärt. Bei Allergien, Verspannungen, Kopfschmerzen, Stress, Konzentrationsstörungen oder Lernblockaden hat sie sich jedoch in so vielen Fällen bewährt, dass sich ein Versuch lohnt.
Bücher zum Thema:
– Lehrbuch der Psycho-Kinesiologie