Duftender Thymian
Christa Becker | Donnerstag, den 24. März 2005
Wer schon einmal die Provence besucht hat, kennt ihn: den Thymian. Bei einem Spaziergang durch die Macchia rund um das Mittelmeer gehört neben Pinie, Rosmarin, Salbei und Zistrose auch wilder Thymian zu dem unwiderstehlichen Duftpotpourie.
Auch in der provencalischen Küche ist er unentbehrlich, wird als fester Bestandteil der bekannten „Herbes de Provence“, als getrocknete oder frische Blättchen, großzügig über Fleisch, Fisch und Gemüse gestreut. Keine traditionelle Ratatouille ohne Thymian! Und er schmeckt wie er duftet: aromatisch und herb. Aber nicht nur als Gewürz für die Küche hat er große Bedeutung, man kennt ihn schon seit Jahrhunderten als Heilpflanze. Von den alten Römern und Griechen wurden die kleinen Blättchen als Tee gegen Atemwegsinfekte verwendet oder eine Lösung zum Gurgeln zubereitet. Er löse festsitzenden Husten und lindere Hustenkrämpfe, wird ihm nachgesagt. Auch gegen Verdauungsbeschwerden wurde Thymian eingesetzt.
Heute spielt Thymian in jedem Kräutergarten eine wichtige Rolle. Auch in einer Kräuterspirale oder als begehbarer Duftrasen zeigt er seine Qualitäten, und selbst im kleinen Topf gedeiht er gut. Wer auf dem Balkon neben Olive, Rose, Rosmarin (siehe Artikel Rosmarin – für Parfüm und Kochtopf) und Oleander noch etwas Platz für ein Töpfchen Thymian übrig hat, kann den ganzen Sommer von der Provence träumen.
Beim Pflanzen eines Thymians sollte der Erde etwas Sand beigemischt und nur mäßig gegossen werden. Wie bei fast allen Kräutern gilt: viel Dünger braucht und verträgt er nicht. In seiner Heimat rund ums Mittelmeer wächst Thymian wild und kommt wochenlang ohne Regen aus. Für den Anbau nördlich der Alpen gibt es spezielle winterharte Sorten, an einem mitgebrachten Thymian vom Mittelmeer hat man wahrscheinlich nur einen Sommer lang Freude. Die zart weißen, violetten oder rosa Blüten erscheinen im Juni an der krautigen Pflanze. Manche duften sogar nach Zitrone, Orange, Pfeffer oder Kümmel. Die Blätter variieren zwischen grün, silbrig und weiß.
Kurz vor der Blüte ist die Würzkraft des Thymians am größten, dann sollte geerntet werden. Die kleinen Büschel werden am besten aufgehängt und getrocknet, danach lassen sich die Blätter mühelos abstreifen und beim Kochen verwenden. Und wo findet man seinen Thymian? Am stimmungsvollsten natürlich auf dem Wochenmarkt, wo das Auswählen der Nase nach am meisten Spaß macht. Für Eilige gibt es zahlreiche Versandgärtnereien oder Online-Shops, die mehr als 40 verschiedene Thymiansorten anbieten.
Und zum Ausprobieren hier noch das Rezept einer provencalischen Ratatouille, natürlich das Original aus der Heimat des Thymians:
1 kleine Zwiebel fein schneiden. 1 Aubergine, 2 kleine Zucchini und 4-6 Tomaten waschen und in grobe Stücke zerteilen, von der Tomate nur das feste Fleisch verwenden.
Zuerst die Zwiebelwürfel in heißem Olivenöl glasig dünsten, dann die Gemüsestücke zugeben und kräftig anbraten. Mit ¼ Liter Gemüsebrühe ablöschen und mindestens 30 Minuten bei kleiner Hitze schmoren lassen. Mit Salz, etwas Pfeffer aus der Mühle und fertiger Mischung „Herbes de Provence“ oder frischen Blättchen von Rosmarin und Thymian abschmecken. Wer mag, kann auch noch etwas frischen Zitronensaft zugeben.
Diese Ratatouille eignet sich gut als Beilage zu gegrilltem Fisch oder Fleisch. Baguettebrot und ein Glas Rotwein gehören natürlich auch dazu! Sollten Reste bleiben, können diese gut nochmals aufgewärmt werden. Wie bei einer guten Suppe wird das Ratatouille bei jedem Aufkochen noch besser.
In der Provence wird die Ratatouille in manchen Restaurants auch lauwarm oder kalt angeboten und steht als leichtes Mittagessen oder Zwischengang auf der Speisekarte, natürlich mit Baguette-Brot. Ein sinnlicher Genuss ist das Gericht natürlich auch hierzulande im sommerlichen Garten oder auf dem Balkon, den Thymian in Riechweite.
Bücher zum Thema:
– Kräuter & Gewürze aus dem eigenen Garten
Christa Becker | Donnerstag, den 24. März 2005
Veröffentlicht in Naturheilmittel, Kochrezepte
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