Tai Chi - die sanfte Bewegung
Christa Becker | Mittwoch, den 16. März 2005
„Tai Chi – was ist das eigentlich? Kampfsport, Meditation, Philosophie, Atemübung oder Gymnastik?“ Alles in einem, lautet die Antwort. Die anmutige Bewegungsform im Zeitlupentempo ist tatsächlich aus einem alten chinesischen Kampfsport entwickelt worden, allerdings nicht um einen Gegner zu bekämpfen.
Die bewusste Ausführung der Übungen soll helfen, eine Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele herzustellen. Anspannung soll gelöst, Stress abgebaut, Muskeln, Bänder und Sehnen sanft trainiert, Kreislauf und Stoffwechsel ins Gleichgewicht gebracht werden.
In China ist Tai Chi seit Jahrhunderten bekannt und weit verbreitet. Die Übungen werden in Schul- und Arbeitspausen zur Entspannung und zum Training durchgeführt. Sie bestehen aus festen Abfolgen von Drehungen und Schritten, einer Verlagerung des Gewichts von einem Standbein auf das andere und fließenden Bewegungen der Arme und des Kopfes. Man schreitet wie ein Vogel, bildet mit der Hand einen Vogelkopf nach; jede Bewegung hat eine bestimmte Bedeutung und einen oft exotischen Namen. Die Übungsfolgen werden aus 24 bis 50 Bewegungen zusammengestellt, komplizierte Folgen haben bis zu 108 Figuren und können in der Ausführung bis zu 40 Minuten dauern. Eine der Formen wird „Peking-Form“ genannt und an vielen Tai-Chi-Schulen der westlichen Welt unterrichtet.
Während in Europa Tai-Chi oft als reines Training unterrichtet wird, steht in Asien eine über lange Jahrhunderte gewachsene Philosophie dahinter. Es geht nicht nur um ein körperliches, sondern ganzheitliches Training. Tai Chi ist keine Angriffstechnik, sondern wartet auf den Gegner. Mit allen Sinnen soll dieser wahrgenommen und die eigene Reaktion darauf abgestimmt werden. Es geht um eine möglichst gute Nutzung der eigenen Resourcen, also der Kraft, der Geschicklichkeit, der Einfühlung und der absoluten Konzentration.
Eine gute Einführung in diese Bewegungskunst kann man in Studios erwarten, die von einem Lehrer mit fundierter und langjähriger Ausbildung geleitet werden. Auch eine kostenlose Schnupperstunde für Interessierte ist eigentlich selbstverständlich.
Es gibt keine Altersgrenze oder körperliche Voraussetzung für das Erlernen von Tai Chi außer Geduld und Disziplin. Das macht diese Übungen geeignet für fast jeden, der seine Beweglichkeit auf sanfte Art verbessern und sich rundum etwas Gutes tun will. Nur wer massive oder chronische Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates, z.B. an Knie, Hüfte oder Wirbelsäule, beklagt, sollte vor dem Beginn mit Tai-Chi Rücksprache mit seinem Arzt halten. Auch bestimmte Kreislauferkrankungen können eine Einschränkung bedeuten, obwohl sich Tai Chi erwiesenermaßen auf zu hohen und zu niedrigen Blutdruck günstig auswirkt.
Eine halbe Stunde Tai Chi täglich wird allgemein als ausreichend gehalten, um einen guten Effekt zu erzielen. Übereinstimmend wird berichtet, dass man sich nach dem Üben sehr wohl, angenehm entspannt und erfrischt fühlt. Und weil Tai Chi den ganzen Menschen fordert, ist es gar nicht möglich, die Bewegungen durchzuführen und dabei ins Grübeln zu geraten. Wer schon morgens Tai Chi durchführt, wird dem Tag gelassener und ausgeglichener begegnen. Auch die Konzentrationsfähigkeit kann durch die Bewegungen gesteigert werden. Es klingt verlockend: nur 30 Minuten täglich üben und sich den ganzen Tag lang gelenkig, frisch und munter fühlen! Einen Versuch ist es wert.
Bücher zum Thema:
– Tai Chi
Christa Becker | Mittwoch, den 16. März 2005
Veröffentlicht in Wellness
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