Kneipp und das Gießkannenprinzip
Christa Becker | Freitag, den 4. März 2005
Kneipp, das ist doch der Mann mit der Wasserkur, sagt fast jeder, wenn sein Name genannt wird. Wer war Sebastian Kneipp und was hat ein Pfarrer mit Krankheit und Heilen zu tun?
Kneipp wurde 1821 in Stephansried geboren und wuchs in sehr armen Verhältnissen auf. Gegen den Willen des Vaters und mit der Unterstützung eines wohlhabenden Verwandten besuchte er das Gymnasium und durchlief anschließend die Ausbildung zum Theologen. Schon früh sah sich Kneipp mit Armut und vielen Erkrankungen konfrontiert, beobachtete sich und seine Umwelt sehr genau. Tuberkulose und Cholera waren damals weit verbreitete Erkrankungen. Eine wirkungsvolle Therapie war nicht bekannt, für die meisten Erkrankten bedeutete die Diagnose gleichzeitig das Todesurteil.
Neben der Theologie interessierte sich Kneipp sehr für die Medizin. Er erkannte bald, dass ein gut ernährter, abgehärteter und seelisch ausgeglichener Mensch länger gesund blieb und im Krankheitsfall größere Chancen auf Heilung hatte. Als er selbst an Tuberkulose erkrankte, experimentierte er mit Bädern in der eiskalten Donau und Wassergüssen. Zu seinem eigenen Erstaunen überwand er nicht nur selbst die furchtbare Krankheit, sondern konnte auch einigen Kommilitonen mit seinen Empfehlungen helfen.
Das ermutigte ihn sehr, so dass er neben der Arbeit als Pfarrer seine umfassenden Studien fortführte. Er entwickelte ein Naturheilverfahren, das durch den Wechsel von Licht, Luft, Wasser, Diät, Ruhe und Bewegung auch bei Schwerkranken zu erstaunlichen Heilerfolgen führte. Da er diese Kur ohne Eigennutz den Kranken zugänglich machte, hatte er viele Feinde in der Ärzteschaft, wurde misstrauisch überwacht und schließlich als „Kurpfuscher“ angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt.
Das alles hinderte Kneipp nicht daran, an seiner Methode festzuhalten. Durch die Zusammenarbeit mit einem befreundeten und von seiner Therapie überzeugten Arzt war er durch die Ärzteschaft nicht mehr angreifbar. Und nie wurden arme, kranke Patienten von der Kur ausgeschlossen, nur weil ihnen die finanziellen Mittel fehlten. Von Freunden dazu gedrängt hielt Kneipp seine Überzeugungen in verschiedenen Büchern („Meine Wasserkur“, „So sollt Ihr leben“) fest, die schon bald große Auflagen erreichten und in viele Sprachen übersetzt wurden. Auch als seine Kur längst bekannt und die Zahl der Hilfesuchenden groß war, legte Kneipp immer noch selbst Hand an – mit der Gießkanne zu einem Wasserguss.
Im Lauf der Jahre wurde durch Kneipp und seine Methode aus dem kleinen verschlafenen Städtchen Wörishofen ein weltweit bekanntes Kurbad.
In späteren Jahren widmete sich Kneipp der Erforschung von Heilpflanzen und unternahm viele Vortragsreisen. Als er 1897 starb, hinterließ er neben mehreren Kur- und Krankenhäusern ein jedem zugängliches Vermächtnis: „Alles was wir brauchen, um gesund zu bleiben, hat uns die Natur reichlich geschenkt.“
Bücher zum Thema:
– Meine Wasserkur
– Die Heilkräuter nach Sebastian Kneipp
Christa Becker | Freitag, den 4. März 2005
Veröffentlicht in Biographien, Heilmethoden
Artikel drucken | Artikel weiterempfehlen
Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

am 25. November 2005 um 16:01 Uhr.
[...] hl die Blüte als auch der Wurzelstock verwendet. Auch Sebastian Kneipp (siehe Artikel Sebastian Kneipp) zählte die Arnika zu den besten und unentbe [...]
am 28. November 2005 um 13:31 Uhr.
[...] verschiedenen Naturheilverfahren wie der Hydrotherapie von Sebastian Kneipp (siehe Artikel Kneipp und das Gießkannenprinzip“) und der damals noch [...]
am 20. April 2006 um 8:58 Uhr.
[...] egen „Melancholie und Wahnvorstellungen“. Und Sebastian Kneipp (siehe Artikel Kneipp und das Giesskannenprinzip“) schätzte die Pflanz [...]